Seite 3: Wie läuft es in Portugal und Holland?

Por­tugal
Bruno José Fer­reira ist por­tu­gie­si­scher Sport­jour­na­list bei Mais­fu­tebol“. Er schreibt:

Der Video­be­weis hat am ver­gan­genem Wochen­ende sein 100. Spiel in Por­tugal hinter sich gebracht, 99 in der Liga, eins im por­tu­gie­si­schem Super Cup. Er war von Beginn an alles andere als unum­stritten, Experten zwei­felten seine Ver­läss­lich­keit an. Momentan drehen sich die Dis­kus­sionen vor allem um Abseits- und Elf­me­ter­ent­schei­dungen. Gerade bei Pfiffen, die sub­jektiv aus­legbar sind, streiten die Experten selbst nach der x‑ten Ansicht der Bilder. Diese unter­schied­li­chen Aus­le­gungen von strit­tigen Szenen wird auch der Video­be­weis nicht beenden können.

Am sechsten Spieltag in der Partie zwi­schen Pacos Fer­reira und Vitoria Setubal bestimmte zudem eine Tor-Dis­kus­sion die Schlag­zeilen. Hierbei konnten auch die Bilder nicht ent­schlüs­seln, ob der Ball die Linie tat­säch­lich über­quert hatte. Also hakte das Hilfs­mittel selbst bei eigent­lich objek­tiven Ent­schei­dungen wie Tor oder kein Tor“. Ebenso dis­ku­tabel waren die Abseits­ent­schei­dungen: Mal griff der Video­re­feree ein, wenn es sich nur um Mil­li­meter han­delte, andere Angriffe ließ er laufen. Daraus ent­stand im por­tu­gie­si­schen Fuß­ball ein Klima der Ver­däch­ti­gungen und Anschul­di­gungen, die gerade von den Top­klubs aus­gingen. Der ver­gan­gene (elfte) Spieltag bil­dete dabei den trau­rigen Höhe­punkt der öffent­li­chen Feind­se­lig­keiten unter Ver­einen und Offi­zi­ellen ab.

Ins­ge­samt hat der Video­be­weis die Fehler mini­miert, aber gleich­zeitig mit seinen Ent­schei­dungen wei­tere Dis­kus­sionen aus­ge­löst. Die Video­schieds­richter sind genauso anfällig für Fehl­ein­schät­zungen wie jene Schieds­richter auf dem Platz. Das Werk­zeug ist durchaus begrü­ßens­wert, aber die Anwen­dung muss defi­nitiv ver­bes­sert werden.

Nie­der­lande
Teun Meurs, Redak­teur des nie­der­län­di­schen Fuß­ball­ma­ga­zins Sta­an­tri­bune“. Er hat zuletzt ein Expe­ri­ment mit neuen Fuß­ball-Regeln durch­ge­führt. Über die Ein­füh­rung des Video­be­weises schreibt er:

Die Nie­der­lande haben eine ent­schei­dende Rolle bei der Ein­füh­rung des Video­be­weises gespielt. Seit einigen Jahren läuft hier das Pilot­pro­jekt, um zu eru­ieren, wann und wie der VAR am besten ein­ge­setzt werden sollte. Wir hatten also eine län­gere Test­phase als andere Länder. Auch hierbei wurde fest­ge­legt, dass der Video­schieds­richter nur in ent­schei­denden Momenten ein­greift (Tore, Rote Karten, Elf­meter und Bestra­fung eines fal­schen Spie­lers). Sowohl der Schieds­richter als auch der Video­re­feree können den Video­be­weis anfor­dern. In der ver­gan­genen Saison gab es bereits auf­se­hen­er­re­gende Ent­schei­dungen: Im Pokal­halb­fi­nale zwi­schen AZ und Cam­buur wurde ein Tor wegen eines vor­her­ge­gan­genen Foul­spiels nach­träg­lich annul­liert. In einem wich­tigen Match für PSV Eind­hoven kam die Tor­li­ni­en­technik zum Ein­satz. Sie bewies, dass Eind­ho­vens Tor­wart Zoet den Ball selbst über die eigene Linie bug­siert hatte.

In der ver­gan­genen Saison wurde der Video­be­weis hier­zu­lande nur im Halb­fi­nale und Finale des Pokals ein­ge­setzt, in der aktu­ellen bei viel mehr Pokal­spielen. Von der Saison 2018/10 an sollen alle Spiele der Ersten Liga vom VAR begleitet werden. Das wäre dann die defi­ni­tive Ein­füh­rung des Video­be­weises in den Nie­der­landen. Es mag einige kri­ti­sche Stimmen geben, aber gene­rell wird der Video­be­weis hier sehr positiv auf­ge­nommen. Die Grund­stim­mung ist: Er macht den Fuß­ball gerechter!