Zwei Worte, eine Par­odie. Fly Pirates“. Die bri­ti­sche Rap­perin M.I.A. trägt das State­ment zur Schau, im Video zu ihrem Lied Bor­ders“. Sie erzählt darin die Geschichte von der Dop­pel­moral, von dem Elend und deren Zuschauern, von flüch­tenden Men­schen, von Armut und Poli­zei­ge­walt. Und hat unan­ge­nehme Fragen parat: Freedom – what’s up with that? Your beliefs – what’s up with that? Your values – what’s up with that? Tja, wie sieht es aus mit unseren Werten, ange­sichts des Elends vor der Haustür?

Unan­ge­nehm ist das auch für Paris Saint-Ger­main. Denn M.I.A. trägt in dem Clip unter anderem auch ein Trikot von PSG, blü­ten­weiß, mit dem Eif­fel­turm-Logo auf der Brust. Und Fly Pirates“ in großen Let­tern auf dem Bauch. Eine Abwand­lung des Slo­gans, mit dem Emi­rates, der Haupt­sponsor aus Dubai bei dem Verein mit kata­ri­schem Besitzer, für sich wirbt. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.

PSG fun­giert als Lit­faß­säule für das Emirat

Seit Jahren gilt Katar nicht gerade als Mus­ter­de­mo­kratie. Image­po­litur gelingt über den Sport. Einer der Strip­pen­zieher: Nasser al-Khe­laifi, ein kata­ri­scher Geschäfts­mann und guter Freund von Staats­ober­haupt Scheich Tamim bin Hamad al-Thani. Sports­freund Nasser ver­dingt sich unter anderem als Chef von Qatar Sports Invest, dem sport­li­chen Ableger des natio­nalen Invest­ment­fonds, ist Chef des Sport­sen­ders beIn Sports, steht dem kata­ri­schen Ten­nis­ver­band vor. Und nebenbei gehört ihm noch Paris Saint-Ger­main. Ehren­sache.

PSG fun­giert als Pres­ti­ge­ob­jekt, als Wer­be­fläche für das Emirat. Image ist alles. Um jeden Preis. Anfang 2014 geriet der Haupt­stadt­verein bereits wegen eines dubiosen Spon­so­ren­ver­trags mit dem Golf­staat in die Schlag­zeilen. Damals unter­suchte die UEFA die Ver­bin­dung von PSG zur Qatar Tou­rism Aut­ho­rity, der Tou­ris­mus­be­hörde des Landes, die den Pari­sern für einen Wer­be­deal 200 Mil­lionen Euro pro Jahr über­wies – unver­hält­nis­mäßig“ viel Geld, fand die UEFA. Sank­tionen gab es keine.

Quelle für die Dis­kre­di­tie­rung des Ver­eins“

Nun das Video. Leicht vor­stellbar, wie unser kata­ri­scher Tau­send­sassa Ende November guckte, als er zum ersten Mal M.I.A. im PSG-Leib­chen sah. Im Kon­text von Krieg, Gewalt, Dop­pel­moral. Und dann noch der Sei­ten­hieb auf Emi­rates. Par­odie? Nie gehört. Wenige Tage nach Ver­öf­fent­li­chung von Bor­ders“ tru­delte bei Uni­versal Music, M.I.A.s Label, Post ein. In dem Schreiben for­dert PSG-Geschäfts­führer Jean-Claude Blanc, die Ver­brei­tung von Bil­dern zu unter­lassen, die das Trikot zeigen. Zudem ver­langt er eine Ent­schä­di­gung für den ent­stan­denen Schaden“. Der Verein betrachte die Nut­zung seiner Marke in einem Video, dass den Umgang mit Flücht­lingen kri­ti­siert, als eine Quelle für die Dis­kre­di­tie­rung des Klubs.“

M.I.A. reagierte am Montag mit der Ver­öf­fent­li­chung des Schrei­bens auf Twitter und beschrieb bei Insta­gram, dass sie das Trikot bei der Durch­reise in, Über­ra­schung, Katar gekauft habe. Anschlie­ßend konnte Mat­hangi Arul­pra­gasam, wie sie mit bür­ger­li­chem Namen heißt, mit­ver­folgen, wie die Netz­ge­meinde das Ver­halten von PSG mit Häme und Unver­ständnis auf­nahm. Wie ein Zlatan-Fall­rück­zieher von der Mit­tel­linie – in den Kasten von Kevin Trapp. Viel­leicht kann All­zweck­waffe Ibra den Streit ja noch außer­ge­richt­lich lösen. Pro­blem nur: Ein Free­style-Battle Ibra­hi­movic vs. M.I.A. wäre wohl zu viel für dieses Internet.

In einer älteren Ver­sion dieses Arti­kels wurde fäl­scher­lich­weise die Flug­ge­sell­schaft Emi­rates als kata­ri­scher Haupt­sponsor“ von Paris Saint-Ger­main bezeichnet. Emi­rates ist aller­dings ein Unter­nehmen der Ver­ei­nigten Ara­bi­schen Emi­rate mit Sitz in Dubai. Wir bitten, diesen Fehler zu ent­schul­digen.