Am 1. Mai 2014 trafen sich drei argen­ti­ni­sche Geschäfts­leute in einem Hotel in Flo­rida. Sie waren Kon­kur­renten und sich seit Jahren nicht grün, doch an diesem Tag machten sie gemein­same Sache. Zu lukrativ war die Aus­sicht auf die welt­weiten Fern­seh­rechte an den Copa-Amé­rica-Tur­nieren in diesem Jahr, 2016 und 2019. Gut zwölf Monate später standen die drei Männer auf der welt­weiten Fahn­dungs­liste von Interpol: Ale­jandro Burzaco, Hugo Jinkis und dessen Sohn Mariano Jinkis.

Rund 110 Mil­lionen Dollar an Bestechungs­gel­dern hatten sie in Flo­rida über ihr gemein­sames Dach­un­ter­nehmen Datisa“ für die wert­vollen TV-Rechte zur Ver­fü­gung gestellt. 40 Mil­lionen waren bereits – unter anderem an die Fifa-Funk­tio­näre Jef­frey Webb, Eugenio Figue­redo und Jose Maria Marin.

Die Geschichte von Burzaco und den Jinkis zeigt im Kleinen, wie sich das Fifa-System aus Vet­tern­wirt­schaft, Kor­rup­tion und orga­ni­sierter Kri­mi­na­lität ent­wi­ckelt. Denn die Gepflo­gen­heiten in Süd-und Mit­tel­ame­rika sind die Blau­pause dafür, wie es inzwi­schen welt­weit läuft. Von den sieben am 21. Mai in der Schweiz fest­ge­nom­menen Fifa-Funk­tio­nären stammen fünf aus Latein­ame­rika. Dar­unter drei hohe Funk­tio­näre des Süd­ame­ri­ka­ni­schen Fuß­ball­ver­bandes Con­mebol und zwei regio­nale Ver­bands­funk­tio­näre.

Geschäfts­partner Burz­acos: der argen­ti­ni­sche Staat

Burzaco und die Jinkis hatten das Rie­sen­ge­schäft Fuß­ball früher erkannt als viele andere in Latein­ame­rika. Vor allem, wenn man die Regeln zum eigenen Nutzen beugt. Ale­jandro Burzaco (51), ent­wischte am Vor­abend des Fifa-Kon­gresses in Baur au Lac“ durch eine Hin­tertür, stellte sich aber rund zwei Wochen später in Bozen der ita­lie­ni­schen Polizei. Sein Unter­nehmen Tor­neos y Com­pe­ten­cias (TyC) ist die größte Pro­duk­tions- und Ver­mark­tungs­firma von Sport­events in Latein­ame­rika und ver­dient viel Geld mit den Über­tra­gungs­rechten der beiden wich­tigsten Ver­eins­wett­be­werbe: des Süd­ame­rika-Pokals und der Copa Libertadores, in etwa das Gegen­stück zur euro­päi­schen Cham­pions League.

Im Gegen­satz zu Europa, liegen die Fern­seh­rechte für die wich­tigsten Tur­niere in diesem Teil der Welt bei Pro­duk­ti­ons­firmen und nicht bei den Ver­bänden. Tor­neos y Com­pe­ten­cias pro­du­ziert 15.000 Sen­de­stunden Sport im Jahr, dar­unter alle Inhalte der drei Sport­sender von Rupert Mur­dochs Fox TV in Latein­ame­rika – mit Aus­nahme Bra­si­liens. Zudem sind zwei US-Medien Aktio­näre von TyC: Liberty und Direct TV. Noch wich­tiger ist aber ein wei­terer Geschäfts­partner Burz­acos: der argen­ti­ni­sche Staat.