Hin­weis: Alfredo Pöge starb 2013. Der Artikel in dieser Form erschien bei 11FREUNDE bereits 2006. Die Behaup­tung, dass sämt­liche deut­sche Medien die Rang­listen des IFFHS beden­kenlos über­nehmen, ist nicht mehr ganz aktuell. So hat sich u.a. die Süd­deut­sche Zei­tung“ dazu ent­schieden, die Wahl statt­dessen kri­tisch zu kom­men­tieren.
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Das Mehr­fa­mi­li­en­haus, in dem die Welt­ge­schichte des Fuß­balls doku­men­tiert wird, ist unscheinbar. Der Weg zur nahe gele­genen Fuß­gän­ger­zone ist akkurat gepflas­tert, der Rasen vor dem Haus ist eng­lisch gemäht. Fernab der großen Sta­dien weisen allein zwei kleine Schilder darauf hin, dass hier, in einer Erd­ge­schoss­woh­nung im gedie­genen Bonner Stadt­teil Hardt­berg, nach den Aller­besten unter den Stars des inter­na­tio­nalen Fuß­balls gefahndet wird.

Welt-Tor­hüter, Welt-Schieds- richter, Welt-Trainer, Welt-Tor­jäger…

Dr. Pöge/​IFFHS“, steht auf dem Klin­gel­schild und am Post­kasten. Eine beschei­dene Bezeich­nung für einen Mann, dessen Unter­nehmen die Größten im Fuß­ball kürt. Denn ohne den Zusatz Welt-“ macht es die Inter­na­tional Fede­ra­tion of Foot­ball History & Sta­tis­tics“, die sich hinter dem Kürzel ver­birgt, eigent­lich nur selten. Jahr für Jahr näm­lich ermit­telt die IFFHS Welt-Tor­hüter, Welt-Schieds- richter, Welt-Trainer, Welt-Tor­jäger, und noch mehr: Auch eine Klub-Welt­rang­liste wird in Bonn-Hardt­berg aus­bal­do­wert.

Dank der IFFHS weiß der Fuß­ball­freund zum Bei­spiel, wer die erfolg­reichsten Erst­liga-Tor­schützen aller Zeiten sind. Es sind drei Ungarn. Über­legen führt der Kapitän der Vize­welt­meister von 1954, Ferenc Puskás (511 Tore), vor Imre Schlosser (417), der bis 1928 kickte, Dritter schließ­lich ist Gyula Zsen­gellér (416), der in den frühen 50er Jahren in Kolum­bien sein Geld ver­diente.

Welt­weit ins­ge­samt 211 Tor­schützen, hat die IFFHS recher­chiert und 1998 in einem Buch nie­der­ge­schrieben, haben im 20. Jahr­hun­dert min­des­tens 200 Erst­li­ga­tore geschossen. Der vor­letzte in dieser ruhm­rei­chen Liste ist Rudi Völler mit 201 Tref­fern. Jeder, der die Bücher und Zeit­schriften dieser Gesell­schaft durch­blät­tert, bekommt das Gefühl, alles über den inter­na­tio­nalen Fuß­ball zu erfahren.

Wir haben kei­nerlei Inter­esse an PR“

Nur eines erfährt der inter­es­sierte Leser nicht: Wer hinter dem Klub steht, der diese Sta­tis­tiken mit Abso­lut­heits­an­spruch ver­öf­fent­licht. Was vor allem an dem Chef des Ganzen liegt: Dr. Alfredo W. Pöge. Der Prä­si­dent“ der IFFHS gewährt keine Audienz, son­dern lässt sich nur am Telefon ein paar Sätze ent­lo­cken.

Auch bei einem Tele­fonat mit Pöge erfährt man nicht, mit was für einem Men­schen man es zu tun hat. Einer­seits lässt er im Gespräch keinen Zweifel daran auf­kommen, dass es für Fuß­ball­sta­tis­tiken nur eine Kapa­zität welt­weit gibt: ihn und die IFFHS. Ande­rer­seits klingt er wie ein ver­ein­samter Schrift­steller, der aus seinem Elfen­bein­turm über die Welt da draußen urteilt. Ange­spro­chen auf die Zugriffe auf der Web­site des IFFHS spricht er stolz von einer extrem hohen Ein­schalt­quote“. Kon­krete Ant­worten bleibt der Dr. Seltsam aus Bonn-Hardt­berg jeden­falls schuldig.