Groß­artig: Weil ihm der Platz­ver­weis gegen ein Klein­kind bei einem Jugend­match nicht passte, pro­tes­tierte David Beckham beim Schieds­richter. Der zeigte sich durchaus humorlos – und ver­wies den Super­star des Feldes. Beckham musste für den Rest des Spiels die Anlage ver­lassen, erst als sein Sohn Romeo im anschlie­ßenden Spiel auf­lief, durfte Beckham wieder aufs Feld. Ich habe bei einem jün­geren Jahr­gang von Romeos Klub zuge­schaut, als es einen Elf­meter gab“, so die Beschrei­bung des Tat­her­gangs von Beckham selbst, die Jungs sind sieben Jahre alt, und da hat der Schieds­richter den Spieler run­ter­ge­schickt. Ich sagte: Kommen Sie schon, der ist sieben, Schieds­richter, den können Sie doch nicht vom Platz stellen!“ Der Referee habe geant­wortet: Doch, das kann ich!“
Dumm gelaufen, für uns aller­dings die per­fekte Steil­vor­lage um an die beliebten 25 Dinge über Schieds­richter“ zu erin­nern.


1

Lothar Woelk kennt man als grob­schläch­tigen Auf­räumer. Durchaus sen­sibel half der Bochumer Woelk aller­dings Schieds­richter Markus Merk bei seiner Pre­miere in der Bun­des­liga. Als Merk von Foto­grafen bela­gert wurde, raunzte der bär­tige Woelk die Meute an: Jetzt macht mal Platz, wie soll der Junge hier ein Spiel pfeifen.“ Das half.

2
Merk wurde später selbst zum The­ra­peuten. In einem Spiel hatte er den zeternden BVB-Coach Mat­thias Sammer wegen Mot­zerei auf die Tri­büne geschickt, als er wenig später schon wieder auf den erzürnten Dort­munder Trainer traf. Ihn aber­mals des Platzes zu ver­weisen, war keine Lösung, also ent­schied Merk: Leihe ihm ein­fach dein Ohr.“ Also durfte Sammer im Zwie­ge­spräch all das los­werden, was ihn bedrückte. Danach setzte er sich auf die Trai­ner­bank und 80 Minuten hörte ich nichts mehr von ihm.“ Was Sammer mit­zu­teilen hatte? Merk: Ich habe kein Wort ver­standen.“

3
Wolf-Dieter Ahlen­felder und seine zu früh abge­pfif­fene Halb­zeit sind längst Legende. Aus einem Inter­view mit der Hes­si­schen All­ge­meinen“: Damals spielte der Höttges noch in Bremen. Er sagte zu mir: ›Schiri, das kann nicht sein. Mein Trikot ist noch nicht nass.‹ Ich habe gesagt: ›Her mit dem Kni­cker – und habe Schieds­rich­ter­ball gegeben.‹ Die ›Bild‹ hat gefragt, was ich getrunken hätte, und ich ant­wor­tete: ›Eine Kiste Bier und eine Fla­sche Asbach.‹ Da war der Bock fett, auch wenn einige gemerkt haben, dass ich scherze.“

4
Weniger glimpf­lich ging die Trun­ken­heit an der Tril­ler­pfeife für den Schweizer Urs Meier aus. Der hatte in der Nacht vor dem Auf­stiegs­spiel zur Dritten Liga zwi­schen Fis­lis­bach und Vill­mergen anläss­lich der Ein­wei­hung einer Mehr­zweck­halle gezecht, mit Rest­al­kohol im Blut ging alles schief: Ich verlor die Über­sicht und übersah meh­rere Hand­spiele im Sech­zehner.“ Die Vill­merger nahmen direkt nach dem Schluss­pfiff Meier in die Zange. Der spur­tete erst zur Eck­fahne, dann zum Park­platz, sprang in seinen VW Käfer und raste davon.

5
Als der lang­jäh­rige FIFA-Schieds­richter Knut Kir­cher einmal Oliver Kahn ver­warnen musste, rief er ein­ge­denk der Kahn­schen Beiß­at­tacke gegen Heiko Herr­lich schon von weitem: Herr Kahn, ich zeige Ihnen jetzt die Gelbe Karte. Bitte nicht beißen.“ Da musste sogar Kahn lachen.


6
Ein anderer Bayern-Spieler wurde nach den Spielen gerne mal bei Kir­cher in der Schieds­richter-Kabine vor­stellig. Das Kabuff der Unpar­tei­ischen war der ein­zige Ort, an dem Mario Basler unbe­ob­achtet eine Ziga­rette rau­chen konnte. Kir­cher stellte Bedin­gungen: Wir haben gesagt: ›Mario, bring vier Bier mit, dann geht das in Ord­nung.‹ Das hat er gemacht.“

7
Zu den Pflichten gast­ge­bender Ver­eine gehört die pro­fes­sio­nelle Betreuung der Schieds­richter am Spielort. Im Falle des Refe­rees Dieter Pauly war das keine ganz leichte Übung, hatte Pauly doch ein etwas außer­ge­wöhn­li­ches Hobby, eine Vor­liebe für das Tre­cker- und Schlep­per­fahren“. Also gab man sich beim 1.FC Nürn­berg alle Mühe: Meine nächste Tre­cker­fahrt sollte dann nicht lange auf sich warten lassen. Sie gaben mir die Gele­gen­heit, meiner kleinen Schwäche für das Fahren dieser Unge­tüme nach­zu­geben.“

8
Später geriet der Club ins Zwie­licht, hatte er doch 1991 die erstaun­liche Summe von 191000 Euro für den Posten Schieds­rich­ter­be­treuung“ aus­ge­geben. Was das bedeu­tete, refe­rierte der zer­knirschte Schiri Neuner. Er bekam einen Dia­pro­jektor, Fit­nessgel, Öl, einen Pokal mit Gra­vie­rung und einen Ver­eins­wimpel.

9
Weil die Spieler des mada­gas­si­schen Klubs Stade Olym­pique l’Emyrne mit einer Ent­schei­dung nicht ein­ver­standen waren, schossen sie nach jedem Anstoß den Ball wieder ins eigene Tor. Am Ende gewann Gegner AS Adema mit 149:0, dessen Spieler hatten belus­tigt zuge­sehen.

10
Weil einige Spieler zu ener­gisch gegen eine Rote Karte pro­tes­tierten, zog der Schieds­richter eines Spiels im malay­ischen Bun­des­staat Johor eine Pis­tole. Der Referee, im nor­malen Leben Poli­zist, war nach einer Rudel­bil­dung zu seinem Wagen gelaufen, hatte seine Dienst­waffe geholt und in die Luft gebal­lert.


11
Selten ver­lieren Schieds­richter kom­plett die Über­sicht. So geschehen Lutz Fröh­lich bei Lever­kusen gegen Bremen. Nachdem Keeper Oliver Reck aus dem Bayer-Block mit einem Scho­ko­riegel beworfen wird, hält Fröh­lich den Ein­wech­sel­spieler Uwe Harttgen für einen Ran­da­lierer und ver­weist ihn auf die Tri­büne, Reck wird später mit Gelb-Roter Karte vom Feld geschickt. Weil Reck noch gar nicht ver­warnt worden war, wird daraus kur­zer­hand eine nor­male Rote Karte. Immerhin: Der Scho­ko­riegel ent­kommt uner­kannt“, schreibt Arnd Zeigler im Werder-Schmöker Lebens­lang grün-weiß.“

12
Der ita­lie­ni­sche Schieds­richter Pier­luigi Col­lina musste 1997 im Spiel zwi­schen Inter und Juventus ein bereits gege­benes Tor annul­lieren, der Assis­tent hatte einen Spieler im Abseits über­sehen. Col­lina wandte sich an Inters Kapitän Ber­gomi: Es ist eine blöde Situa­tion, aber du kannst mir ver­trauen.“ Als der Referee Inter-Trainer Roy Hodgson infor­mierte, reichte der ihm die Hand: Ist okay!“ Sports­männer eben.

13
Ein anderes Mal wurden beim Spiel Foggia gegen Bari in der Serie B von beiden Fan­kurven unab­lässig Gegen­stände aufs Spiel­feld geworfen. Die Situa­tion ver­schärfte sich, als die Fans den jeweils geg­ne­ri­schen Keeper mit Wurf­ge­schossen ein­deckten. Col­lina ließ die Teams kur­zer­hand noch einmal die Seiten tau­schen.

14
Die Welt ist klein. Das musste der erwähnte Knut Kir­cher in Istanbul fest­stellen. Dort pfiff er ein Euro­pa­po­kal­spiel und ärgerte sich über einen tür­ki­schen Kicker, der ständig meckerte. Irgend­wann platzte Kir­cher der Kragen, im schwä­bi­schen Idiom wies er den Spieler zurecht. Ant­wort des Türken, eben­falls in tiefstem Schwä­bisch: Und du mi au!“

15
In der öster­rei­chi­schen Bun­des­liga wurde das Spiel zwi­schen SCR Altach und Rapid Wien wie­der­holt, ein Regel­ver­stoß von Schieds­richter Bern­hard Brugger war der Grund. Der hatte einen Straf­stoß via Pfiff frei­ge­geben, als Rapid-Keeper Helge Payer noch sin­nie­rend mit dem Rücken zum Schützen im Tor stand. Als sich Payer umge­dreht hatte, lag der Ball bereits halb im Tor. Eigen­dia­gnose des Refe­rees: Irr­tüm­liche Wahr­neh­mung.“


16
Bernd Heyne­mann wurde zu DDR-Zeiten einmal nicht son­der­lich subtil unter Druck gesetzt. Vor einem Spiel gegen den BFC Dynamo mar­schierte Erich Mielke höchst­per­sön­lich in die Schieds­rich­ter­ka­bine und sprach sal­bungs­volle Worte: Will­kommen in der Haupt­stadt der DDR. Der BFC als Fuß­ball­meister begrüßt auch die Schieds­richter und freut sich auf eine qua­li­täts­volle Spiel­lei­tung.“ Was durchaus mit dem Auf­trag ver­bunden war, dem BFC beim Gewinnen nicht allzu sehr im Wege zu stehen.

17
Auch zu West­zeiten wurden Funk­tio­näre gerne mal bei Heyne­mann vor­stellig. So schaute nach einem 2:2 gegen Kai­sers­lau­tern BVB Prä­si­dent Gerd Nie­baum vorbei, ver­kün­dete mit eisiger Miene: Herr Heyne­mann, ich bin mensch­lich tief ent­täuscht!“, und rauschte aus der Kabine, was auch Manager Michael Meier amü­sierte. Seither begrüßen sich Meier und Heyne­mann stets mit den Worten: Ich bin mensch­lich tief ent­täuscht!“

18
Dass Pier­luigi Col­lina wegen einer Stoff­wech­sel­er­kran­kung kahl­köpfig ist, hielt den DFB nicht davon ab, ihm bei einem Län­der­spiel ein Prä­sent zu über­rei­chen: einen leis­tungs­starken Haarfön.

19
Mauro Ber­gonzi, eben­falls ita­lie­ni­scher Referee, hatte in einem Spiel der Serie A dem SSC Neapel mit zwei umstrit­tenen Elf­me­tern zum Sieg gegen Juventus Turin ver­holfen. Was einige Turiner Halb­starke so auf­brachte, dass sie später Ber­gonzi auf offener Straße ver­prü­gelten. Bezie­hungs­weise ver­prü­gelten sie einen Bank­an­ge­stellten, der Ber­gonzi ein wenig ähn­lich sah.

20
Dass Schiris Denk­male gesetzt werden, kommt selten vor. In Aser­bai­dschan jedoch heißt das Natio­nal­sta­dion Tofik-Bach­ramow-Sta­dion und ist benannt nach dem Lini­en­richter, der 1966 Eng­land zum Welt­meister machte, als er den Lat­ten­schuss von Geoff Hurst hinter der Linie sah. Das Denkmal vor dem Sta­dion wurde übri­gens ent­hüllt von: Geoff Hurst.

21
Gott­fried Dienst, Schieds­richter des dama­ligen Spiels, flüchtet sich heute in Fata­lismus: Und wenn Sie mich nach 100 Jahren wieder aus­graben und ich komme neu auf die Welt, weiß ich immer noch nicht, ob der Ball drin war.“

22
Am 16. Mai 1992 hätte Ein­tracht Frank­furt Meister werden können, hätte Schieds­richter Alfons Berg aus Konz in der 76. Minute einen glas­klaren Elf­meter zugunsten der Ein­tracht gegeben. So lange die Frank­furter Fan­szene ihm die Fehl­ent­schei­dung auch nachtrug, so sport­lich reagierte das haupt­amt­liche Per­sonal: Erst kam Uli Stein zu mir in die Kabine und hat mich fast getröstet, obwohl er doch auch Trost brauchte. Eine Woche später hat jemand vom Prä­si­dium ange­rufen und hat sich nach mir erkun­digt. Das war eine große Geste.“

23
Gelbe und Rote Karten erfand der eng­li­sche Schiri Ken Aston. Er ließ sich auf der Heim­fahrt von einem tur­bu­lenten Spiel von einer Ver­kehrs­ampel inspi­rieren. Die erste Gelbe Karte zeigte der deut­sche Referee Kurt Tschent­scher beim Eröff­nungs­spiel der WM 1970 in Mexiko.

24
Bis heute ein ein­samer Rekord: Am 7. April 2001 griff Schieds­richter Hartmut Strampe 13 Mal in die Tasche. Beim Spiel Borussia Dort­mund gegen den FC Bayern gab es zehnmal Gelb, zweimal Rot und einmal Gelb-Rot. Ein hit­ziger Kick, den Strampe zurück­hal­tend als schwie­riges Spiel“ bezeich­nete.

25
Den Befür­wor­tern von Video­be­weisen und Tor­ka­meras ein letzter weiser Satz ins Gedächtnis, aus­ge­spro­chen vom öster­rei­chi­schen Jour­na­listen Wolf­gang Kra­licek: Fehl­ent­schei­dungen sind das Kost­barste, das der Schieds­richter dem Fuß­ball geben kann.“