Valé­rien Ismaël, im Ach­tel­fi­nale der Europa League treffen Sie mit dem Linzer Ath­letik-Sport-Klub (LASK) auf Man­chester United. Eng­lands Legende Gary Lineker fragte nach dem Los: Who the hell are LASK?“ Können Sie es ihm in einem Satz erklären?
Ich gehe davon aus, dass ein gut infor­mierter Experte wie Lineker da nur einen Witz gemacht hat. Wir haben Spor­ting Lis­sabon, Rosen­borg Trond­heim, den PSV Eind­hoven und zuletzt auch den AZ Alk­maar in der Europa League aus­ge­schaltet. In Linz wird erfolg­reich Fuß­ball gespielt.

Nach dem 4:1‑Sieg gegen den PSV Eind­hoven in der Grup­pen­phase sagten Sie, der gebür­tige Fran­zose, bei der Pres­se­kon­fe­renz im breiten Aus­tria-Slang: Do haut’s ma den Beidl auf die Seiten.“ Wussten Sie, was Sie da von sich geben?
Na klar. Mein Co-Trainer hat mir ein paar öster­rei­chi­sche Wörter bei­gebracht, und dieser Satz ist mir in Erin­ne­rung geblieben.

Ins Hoch­deut­sche über­setzt: Da fliegt einem der Schwanz auf die Seite!“ Ein ober­ös­ter­rei­chi­scher Aus­druck, wenn einen etwas so richtig umhaut.
Wir lagen nach fünf Minuten gegen den PSV mit 0:1 hinten und mein Team spielte sich anschlie­ßend regel­recht in einen Rausch. Ein Tor war schöner als das andere. Das Sta­dion kochte. Unter dem Ein­druck dieser groß­ar­tigen Leis­tung dachte ich mir, der Spruch würde an der Stelle gut passen.

Der Spruch machte Sie in Linz zur Kult­figur.
Ich konnte ja nicht ahnen, dass der Verein am nächsten Tag diesen Spruch auf Hoo­dies und T‑Shirts druckt und sich die Sachen auch noch wie warme Sem­meln ver­kaufen.

Sie haben mal gesagt, Sie hätten sich in Deutsch­land stets hei­mi­scher gefühlt als in Frank­reich, weil Sie das Gefühl hätten, preu­ßi­sche Tugenden in sich zu tragen. Wie wurden Sie als fran­zö­si­scher Piefke“ in Linz emp­fangen?
Natür­lich war ich mir bewusst, dass meine Ver­pflich­tung mit einer gewissen Skepsis gesehen wurde und die Leute erst mal abwarten, wie sich die Dinge ent­wi­ckeln. Aber hier in der Region gibt es sehr viele Bayern-Fans, auch des­halb wurde ich freund­lich auf­ge­nommen. Viele wollten über meine Zeit in Mün­chen reden, Auto­gramme und Sel­fies. Und nachdem wir schnell in die Erfolgs­spur fanden, war auch bald ein gegen­sei­tiges Ver­trauen da.

Was hat Sie über­zeugt, den Job in Linz anzu­nehmen?
Ich habe hier mit Prä­si­dent Sieg­mund Gruber und Vize Jürgen Werner eine extrem sta­bile Füh­rung ange­troffen.

Das heißt?
Die beiden haben sehr eine klare Vor­stel­lung, wo sie lang­fristig mit dem LASK hin­wollen. Auch in der jün­geren Ver­gan­gen­heit sind hier nur sehr wenige Trainer vor­zeitig ent­lassen worden. Bei Oliver Glasner lief es anfangs nicht alles so glatt, aber der Verein hielt an ihm fest – und es dau­erte nicht lang und es sich Erfolg ein. Kurz: Mir war klar, dass ich hier die besten Vor­aus­set­zungen habe, um in Ruhe zu arbeiten.

2018 unter­schrieben Sie beim grie­chi­schen Erst­li­gisten Apollon Smyrnis und stellten Ihr Amt wegen der Ein­fluss­nahme des Prä­si­denten nach nur einem Liga­spiel zur Ver­fü­gung.
Nur so viel: Ich habe in meiner Zeit als Trainer schon Situa­tionen ken­nen­ge­lernt, in denen die Ver­eins­füh­rung längst nicht so stabil war wie in Linz, was sich kon­kret auf meine Arbeit aus­wirkte. Beim LASK haben wir eine gemein­same Idee, wie wir spielen wollen und wir arbeiten daran, diese umzu­setzen.

Sie waren vorher also auf der Hut?
Ich hatte im Sommer auch von einem anderen Klub ein Angebot, aber bei den Gesprä­chen habe sehr darauf geachtet, mit wem rede ich, wie meine Ideen ankommen und ob ich Ver­trauen spüre. In der Hin­sicht hat mir die Nega­tiv­erfah­rung in Grie­chen­land auch geholfen. Ich wusste genau, was ich nicht mehr erleben will, habe mich bewusst für den LASK ent­schieden – und wurde nicht ent­täuscht.