Als der 1. FC Köln im Jahr 1998 erst­mals in seiner Geschichte aus der Bun­des­liga abstieg, schien es, als habe man dem Anhang den Boden unter den Füßen weg­ge­zogen. Doch getreu Para­graph 5 des köl­schen Gesetz­buchs („Et bliev nix wie et wor“) arran­gierten sich die lei­den­schaft­li­chen Rhein­länder schnell mit der neuen Situa­tion. Und fei­erten nach einer eher durch­wach­senen Saison im unge­wohnten Zweit­liga-Umfeld zwei Jahre später eine Rück­kehr ins Ober­haus, die der Double-Feier 1978 in Sachen Emo­tion, Herz­blut und Eska­la­ti­ons­stufe locker das Wasser rei­chen konnte.

Seither haben sich die Kölner damit abge­funden, dass im unsteten Pro­fi­fuß­ball für ihren FC stets ein biss­chen Schiff­bruch lauert. Spielt der Klub gut, glauben die Fans schnell wieder an die Rück­kehr ins inter­na­tio­nale Geschäft. Wursch­teln sich die Profis vom Geiß­bock­heim aber wie meist nur so durch, übt man sich in Demut und ist froh, dass die Klasse gehalten wird. Auch die lau­fende Saison zeigt: Im Umfeld des einst strah­lenden Real Madrid vom Rhein“ hat Genüg­sam­keit Einzug gehalten und die Fans haben sich wohl oder übel mit dem Gedanken abge­funden, Anhänger eines Fahr­stuhl­ver­eins zu sein.

Selbst in düs­tersten Corona-Zeiten sorgte der HSV noch für Nega­tiv­schlag­zeilen

Beim Ham­burger SV ist diese Genese in den Köpfen der Gefolg­schaft und bei den han­delnden Per­sonen noch nicht so weit fort­ge­schritten. Seit der Dino a.D. vor zwei Jahren nach langem Siechtum den schweren Gang in die zweite Liga antreten musste, hat sich nur wenig am Selbst­ver­ständnis ver­än­dert. Gleich zwei Trainer durften sich im ersten Zweit­li­ga­jahr ihre Papiere abholen, als hätte sich rein gar nichts ver­än­dert. Als der Klub in der Rück­runde 2018/19 das Derby gegen den FC St. Pauli gewann, war es ein Höhe­punkt, aber gleich­zeitig auch der Beginn einer unver­gleich­li­chen Serie sieg­loser Spiele, die am Ende den Nicht-Auf­stieg besie­gelte. Auch in diesem Jahr brei­tete sich am Volks­park nie über einen län­geren Zeit­raum echte Auf­stiegs­eu­phorie aus, auf der der Klub wie auf einer Woge durch die Spiel­zeit hätte surfen können.

Als Jörg Schmadtke beim FC als Manager anheu­erte, stellte er fest: Im Erfolgs­fall kann dieser Klub eine unge­heure Wucht ent­falten“. Was er meinte, zeigte sich, als die Kölner bald darauf unter Coach Peter Stöger direkt aus dem Unter­haus in die Europa League mar­schierten. Groß­städte können sehr dankbar sein, wenn der regio­nale Klub plötz­lich am Fließ­band posi­tive Ergeb­nisse lie­fert. Auch in Ham­burg hätte es in diesem Jahr gut laufen können, wenn, ja wenn in der Füh­rungs­etage end­lich nach­haltig, kon­stant und – last but not least – unei­gen­nützig gewirkt worden wäre. Doch selbst in den düs­teren Anfangs­wo­chen der Corona-Krise schaffte es der HSV noch, mit der Demis­sion von Vor­stands­chef Bernd Hoff­mann Nega­tiv­schlag­zeilen zu kre­ieren. Andere Ver­eine machten sich Gedanken, wie sie ange­sichts der Virus-Lage für Liqui­dität sorgen, in Stel­lingen aber hatten sie nichts Bes­seres zu tun, als über eine wei­tere Abfin­dung für einen vor­zeitig ent­las­senen Mit­ar­beiter in lei­tender Funk­tion zu ent­scheiden.