Rudi Assauer, was fas­zi­niert Sie an der Arena Auf­Schalke“?

Alles! Diese wun­der­bare Kiste ist für mich mit Abstand das schönste Sta­dion der Welt. Es ist dieser unge­heure Ein­druck, den die Arena hin­ter­lässt. Egal, wo sie sich auf­halten, sie werden aus dem Staunen nicht raus­kommen. Ich habe oft erlebt, wie Besu­chern beim ersten Mal die Luft weg blieb.

Sie nannten das Sta­dion einst ihr Baby“. Wann wurde es gezeugt?

Ideen dazu gab es immer mal wieder. Im Jahr 1996 haben wir den Bau einer neuen Arena letzt­lich beschlossen. Wir konnten auch gar nicht anders.

Warum denn nicht?

Das Aus­schlag­ge­bende war der zuneh­mend deso­late Zustand des alten Park­sta­dions. Durch die alten Stollen unter Tage herrschte zuviel Bewe­gung in der Statik, was immer wieder zum Absa­cken des Bau­werks führte. Ich erin­nere mich noch an Stufen, die mor­gens einen halben Meter tiefer standen als noch am Abend zuvor. Als dann auch noch aus dem Tri­bü­nen­dach Beton­splitter auf die Zuschauer run­ter­reg­neten, war für mich das Ende der Fah­nen­stange erreicht.

Hatten Sie ein kon­kretes Vor­bild für den Neubau?

Ja, wir ori­en­tierten uns am Gel­re­dome“ von Arn­heim, wel­cher heute der kleine Bruder der Arena Auf­Schalke“ ist. Das ein­zieh­bare Dach und das aus­fahr­bare Spiel­feld passten her­vor­ra­gend in unsere Pla­nung.

Die nicht nur auf Fuß­ball aus­ge­legt war und ist.

Richtig. Die Arena hat ein enormes Poten­tial, dort mitten im Herzen des Ruhr­ge­bietes. Dadurch, dass man sie in eine Halle ver­wan­deln kann, sind andere große Events mög­lich – und auch drin­gend nötig, um die Kosten zu decken.

Inwie­weit wurden die Schalke-Fans in das Pro­jekt mit­ein­be­zogen?

Als die Arena in Arn­heim stand, sind wir mit 5000 Anhän­gern zu einer Besich­tung in die Nie­der­lande gefahren. Wir wollten ihre Mei­nungen und Anre­gungen hören und anschlie­ßend ver­su­chen, alles, was davon mög­lich war, in die Rea­lität umzu­setzen.

Wozu dann auch die Bei­be­hal­tung der gewohnten Steh­platz­preise zählte.

Ja. Die Fans sind das Größte das Schalke zu bieten hat. Sowohl in ihrer Lei­dens­fä­hig­keit, als auch in ihrer Begeis­te­rung für den Verein. Gel­sen­kir­chen ist nicht gerade der Nabel der Welt und die Wirt­schafts­kraft ist in den letzten Jahr­zehnten deut­lich gesunken. Da kann ich dann nicht die Kosten für das Sta­dion auf den Rücken der Fans aus­tragen. So blieben wir im Bereich der Steh­plätze beim alten Preis, also bei acht Euro.

Die Bau­zeit betrug drei Jahre. Hatten Sie mit Pro­blemen zu kämpfen?

Im Prinzip war der Sta­di­onbau eine relativ flotte Ange­le­gen­heit. Die büro­kra­ti­schen Hürden waren manchmal schon recht schwierig zu über­winden, doch alles in allem hat die Stadt Gel­sen­kir­chen uns keine Steine in den Weg gelegt, da sie eben­falls an einem Neubau inter­es­siert war. Glück­li­cher­weise mussten wir in der Finan­zie­rung auf keine staat­li­chen Hilfen zurück­greifen und stemmten die 191 Mil­lionen Euro Bau­kosten aus pri­vat­wirt­schaft­li­chen Quellen.

Von der UEFA erhielt das Sta­dion eine Fünf-Sterne-Plus-Wer­tung.

Eigent­lich wollten sie sogar sechs Sterne ver­geben, scheuten sich aber davor, weil dann andere Spiel­stätten eben­falls einen Anspruch auf die Bewer­tung erhoben hätten.

Was war der schönste Moment, den Sie in der Arena Auf­Schalke“ erlebt haben?

Das war die Eröff­nungs­feier. Zum ersten Mal konnten wir die Fans im Sta­dion begrüßen. Als ich in die strah­lenden Gesichter schaute und diese wahn­sin­nige Akustik ver­nahm, lief mir ein Schauer über den Rücken. Ein erhe­bender Moment für uns alle, die wir daran gear­beitet haben.

Eine Sta­di­on­ka­pelle ist hier­zu­lande eher unty­pisch. Woher stammte diese Idee?

Die haben wir aus Bar­ce­lona impor­tiert. Es ist der Wahn­sinn, wie diese Ein­rich­tung wahr­ge­nommen wird. Trau­ungen und Taufen finden hier lau­fend statt. Sie wissen ja, irgendwie ist Schalke auch Reli­gion.

Und der Video­würfel?

Ist der größte in Europa und mit 29 Tonnen nicht gerade ein Leicht­ge­wicht, aber dafür unge­mein robust. Der ein­zige, der ihn einmal getroffen hat, war Oliver Kahn und selbst der konnte ihm nichts anhaben (lacht).

Haben Sie nach Ihrer Demis­sion als Manager eigent­lich lebens­lang freien Zutritt?

Das weiß ich nicht. Für die abge­lau­fene Saison hat mir der Verein zumin­dest zwei Ehren­karten geschenkt.

Dem­zu­folge ist ihr Lieb­lings­platz in der Arena doch bestimmt auf der Ehren­tri­büne, oder?

Man kann von dort natür­lich prima sehen, aber mein Lieb­lings­platz war zumin­dest früher immer unten auf der Trai­ner­bank (lacht).