Nicht, dass ich es nicht gewusst hätte. Aber erneut muss ich fest­stellen: Der Kerl hat ein ver­dammt gutes Auge. Gegen Michael Zorc habe ich seit der Jugend gekickt. Er fiel schon damals als stra­te­gi­scher Zeit­ge­nosse auf, der die Dinge mit Ruhe zum best­mög­li­chen Ergebnis führt. Aller­dings muss fai­rer­weise gesagt werden, dass er – wenn wir auf­ein­an­der­trafen – stets in der bes­seren Elf spielte. Egal, ist lange her. Nichts­des­to­trotz hat er jetzt auch als Manager einen Kader zusam­men­ge­stellt, der ein wenig über den Dingen zu stehen scheint. Okay, die Bayern spielen gerade nicht nur sport­lich, son­dern auch wirt­schaft­lich in einer anderen Dimen­sion. Trotzdem, kein Team hat den Münch­nern so viel abver­langt, wie der BVB im Cham­pions-League-Finale. Und das ist nicht zuletzt das Ver­dienst von Michael Zorc.

Er hat sich trotz der Erfolge nie auf seinen Lor­beeren aus­ge­ruht. Im Ver­bund mit seinen Mit­strei­tern hat er es geschafft, die Mann­schaft selbst nach zwei Meis­ter­schaften weiter mit einer großen Gier aus­zu­statten. Diese Typen sind so hungrig, dass sie es am Ende der Spiel­zeit 2012/13 sogar fast bis auf den Thron des euro­päi­schen Ver­eins­fuß­balls geschafft hätten. Respekt!
Michael weiß es selbst am besten, die Wahl zum Manager der Saison“ ist immer eine knappe Kiste. Um da ganz vorn dabei zu sein, müssen die Trans­fers sitzen. Und das tun sie im Falle von Zorc schon seit Jahren mit abso­luter Regel­mä­ßig­keit. Der Weg­gang von Shinji Kagawa nach Eng­land im Sommer 2012 wurde genauso rei­bungslos kom­pen­siert, wie im Jahr zuvor der Transfer von Nuri Sahin nach Spa­nien. Und selbst für Mario Götze, den es nach Mün­chen zieht, wird er mit der ihm eigenen Beson­nen­heit sicher an einem sinn­vollen Ersatz feilen. Der Zorc ist ein­fach vor­be­reitet, der weiß, was er macht. Zumal 37 Mil­lionen Euro Trans­fer­erlös für Götze seinem Verein auch ein gutes Maß an Hand­lungs­spiel­raum lassen. 

Die Erfolgs­pe­riode genießen

Es zeugt von her­aus­ra­gender Markt­kenntnis, wie Michael vor der Saison Marco Reus aus Glad­bach los­eiste, der sich ent­gegen vieler Pro­phe­zei­ungen ins Team fügte, als habe er immer in Dort­mund gespielt. Es beweist seine Füh­rungs­qua­lität, dass er Ver­trauen in die spie­le­ri­schen Fähig­keiten von Ilkay Gün­dogan behielt, bis dieser schließ­lich zur festen Größe beim BVB – und sogar Natio­nal­spieler wurde. Kurz: Zorc ist es gelungen, das ganze Gebilde funk­ti­ons­fähig zu halten.

Beson­ders beein­dru­ckend fand ich, dass er bei keinem Treffen nur ansatz­weise den Ein­druck machte, ange­sichts der Her­aus­for­de­rungen nervös oder hek­tisch zu werden. Wahr­schein­lich liegt es daran, dass er sein Amt beim BVB in viel schwie­ri­geren Zeiten über­nommen hat. Wenn er nicht ohnehin diese west­fä­li­sche Gelas­sen­heit besäße, könnte ich mich des Ein­drucks nicht erwehren, dass er die gegen­wär­tige Erfolgs­pe­riode ein­fach in vollen Zügen genießt. Ich würde es ihm wün­schen. Denn bei dem guten, aber nicht ein­fa­chen Job, den er macht, hat er sich eine Por­tion Spaß an der Sache mehr als ver­dient. Genau wie die erneute Aus­zeich­nung zum Manager der Saison“.