Diese fünf Dinge macht Island besser als der Rest der Welt

Eine einmalige Verbindung zu den Fans

3. Die totale Team-Orientierung
Während Frankreichs Topstars sich gegenseitig mit Sexvideos erpressten und Spaniens Nationalteam an der Katalonien-Frage zu zerbrechen droht, leben die Isländer das Motto »Elf Freunde müsst ihr sein«. Für Egotrips und Superstargehabe ist dort draußen im Atlantik eh kein Platz, denn in dieser rauen Umgebung ist der Zusammenhalt der Menschen seit Jahrhunderten überlebenswichtig. Erst recht, wenn sich das kleine Inselvolk mit den großen Nationen der Fußballwelt messen will. Als Ex-Nationalcoach Lars Lagerbäck 2011 seinen Dienst auf Island antrat, wollte er seinen neuen Schützlingen genau das predigen. Doch schon bei der ersten Zusammenkunft merkte der alte Schwede: Ist gar nicht nötig. »Wir wissen genau, dass wir auf internationalem Toplevel nur dann eine Chance haben, wenn jeder sein Blut für die Mannschaft und die Mitspieler gibt«, sagt Kapitän Aron Gunnarsson (28). »Unser Teamgeist und unsere taktische Disziplin sind Weltklasse.«

4. Die große Infrastruktur-Offensive
Noch im vergangenen Jahrtausend hatte Islands Regierung gemeinsam mit dem Fußballverband ein gewaltiges Projekt auf den Weg gebracht. Heute stehen auf der Insel elf gigantische Fußballhallen mit Kunstrasenplätzen, die alle FIFA-Anforderungen erfüllen. Nicht umsonst spricht man bei Islands aktuellem Nationalteam von der »Hallen-Generation«. Sigurdsson & Co. waren die ersten Isländer, die das ganze Jahr über auf Spielfeldern mit regulären Fußballmaßen trainieren konnten, ohne im meterhohen Schnee zu versinken. Zusätzlich gibt es rund 30 Freiluft-Kunstrasenplätze im Land – klingt nicht gerade astronomisch, reicht aber dank kluger Belegungspläne, um sämtlichen 20.000 Fußballern auf der Insel optimale Bedingungen zu garantieren. Übrigens: Die neue Fußball-Infrastruktur wurde gerade rechtzeitig vor der großen isländischen Finanzkrise im Jahr 2008 fertig. Aktuell wäre es schwierig bis unmöglich, ein solches Mammutprojekt zu stemmen. Doch die FIFA-Prämien für das Erreichen der WM sollen zumindest teilweise in weitere Strukturmaßnahmen fließen.

5. Die einmalige Verbindung zu den Fans
»Wir haben eine weltweit einzigartige Verbindung zu unseren Fans«, schwärmt Nationalcoach Heimir Hallgrimsson. Der praktizierende Zahnarzt hatte seine WM-Mission vor eineinhalb Jahren mit einer packenden Motivationsrede und einer detaillierten Taktiksitzung begonnen – vor mehreren hundert Fans in einem Reykjaviker Pub. Hallgrimsson hielt dort dieselbe Besprechung ab wie kurz zuvor mit seinen Spielern. Das tut er übrigens vor jedem Heimspiel, »auch wenn man im Ausland darüber schmunzeln mag, dass ich als Nationalcoach vor einem Match mit den Fans am Tresen hocke«. Hallgrimssons Zusammenkünfte mit den Anhängern haben Tradition. Sie reichen weit zurück in seine Zeit als Co-Trainer unter Lagerbäck (2011 bis 2016). Warum also damit aufhören? »Es wäre doch ziemlich respektlos von mir, nicht mehr in den Pub zu kommen, nur weil ich inzwischen Chefcoach geworden bin.«  Dass von den taktischen Inhalten nie ein Wort an die Öffentlichkeit und zu den Gegnern drang, spricht ebenfalls für das einmalige Wir-Gefühl und den Zusammenhalt, die auf Island herrschen.