Angelo Brizzi, Sie gelten als enger Ver­trauter von Diego Armando Mara­dona, arbei­teten lange Zeit als sein Berater. Wann haben Sie Mara­dona eigent­lich das erste Mal getroffen?
Das war 1987. Ich war dabei, ein Freund­schafts­spiel zwi­schen dem Ham­burger SV und dem SSC Neapel zu arran­gieren. Übri­gens zusammen mit Willi Konrad, der ja mitt­ler­weile leider ver­storben ist. Wir waren mitten in den Pla­nungen, reisten nach Neapel und ich schüt­telte Diego das erste Mal die Hand. Im Laufe der Jahre wurden wir Freunde.

Sie müssen es wissen: Was für ein Mensch steckt hinter diesem ein­ma­ligen Fuß­baller, der auf der ganzen Welt ver­göt­tert wird.
Diego ist nicht nur Sex, Drogen und Rock’n Roll. Das ist ein völlig fal­sches Bild. Er ist ein hoch­sen­si­bler Mann mit einem großen Herz. Er hat nie ver­gessen, wo er her­kommt. Seitdem ich ihn kenne, setzt er sich für arme Kinder und mit­tel­lose Men­schen ein. Er arbeitet für den guten Zweck und besteht darauf, dass nie­mand davon erfährt. Das ist für ihn Ehren­sache.

Bil­der­ga­lerie: Die Kar­riere des Diego Armando Mara­dona »>

Haben Sie ein Bei­spiel?
Er war einmal zu Gast bei Thomas Gott­schalks Show Wetten, dass…“ in Bremen. Nach der Sen­dung rief er mich an und bat mich, bei einem Groß­markt anzu­fragen, ob sie nachts für uns öffnen könnten. Ich fragte: Diego, was hast Du vor?“ Er ant­wor­tete nur: Angelo, frag nicht so viel. Kannst du dafür sorgen, dass Marks&Spencer (eine große Kauf­haus­kette – d. Red) in Frank­furt für mich öffnet?“ Ich rief den Kauf­haus­di­rektor an und er wil­ligte ein. Diego inves­tierte in dieser Nacht seine kom­plette Wetten, dass…“-Gage in Kin­der­klei­dung. Das Geld reichte fast für die gesamte Etage. Die Klei­dung hat er dann nach Süd­ame­rika geschickt. Zu den Kin­dern, die es brauchten.

Mara­dona hat ein bewegtes Leben: Fuß­ball­gott, Dro­gen­sucht, Ent­zie­hungskur, Magen­ver­klei­ne­rung. Dabei wird er immer von den Medien ver­folgt. Wie steht er das durch?
Diego hat großes Glück, dass er noch lebt. Jeder andere mit seiner Geschichte wäre schon drei Mal gestorben.

Heute feiert Mara­dona seinen 50. Geburtstag. Sind Sie ein­ge­laden?
Ich kann leider nicht zu ihm fahren, meine Tochter ist krank. Aber ich werde ihn anrufen. Ich weiß, dass er erst einmal mit seiner Familie feiern wird, im kleinen Kreis. Er liebt nichts mehr als das. Die Familie ist heilig für ihn. Aber ich denke, er wird später auch noch ein biss­chen feiern gehen.

Sagen Sie es uns: Wie feiert Diego Mara­dona ein Fest?
Er hat gerne viele Freunde um sich. Und er singt sehr gerne. Ich erin­nere mich, dass er einmal für seine Mutter gesungen hat. Das ist über 20 Jahre her. Diego stand allein auf der Bühne und hauchte ins Mikro: Madre…“. Es war sehr emo­tional.

In seiner Zeit beim SSC Neapel wurde Mara­dona zum Gott am Ball. Aller­dings liest man immer wieder, dass ihm nicht alle Freunde“ von damals wohl­ge­sinnt waren. Hätte man sei­ner­zeit besser auf ihn auf­passen müssen?
Wissen Sie, es ist schwierig, das zu ver­stehen. Diego ist so berühmt, er kann sich nicht bewegen wie ein nor­maler Mensch. Seine Zeit in Neapel war extrem. Er konnte nicht ein­fach tags­über auf der Straße her­um­laufen, er konnte keinen Kaffee trinken gehen, wenn er wollte. Wenn er ein­kaufen wollte, mussten wir die Geschäfte anrufen, ob sie nachts für Diego öffnen. Wenn er am hell­lichten Tag ein T‑Shirt kaufen wollte, waren immer direkt 1000 Leute um ihn herum. Egal wo, ob in Neapel, Mai­land, Rom oder Frank­furt. Diego hat in seinem Leben alles gehabt, aber er hat in einem gol­denen Käfig gelebt.

Er war iso­liert vom Leben.
Die Mann­schaft hat bei Aus­wärts­spielen gerne einen Ein­kaufs­bummel gemacht. Diego musste zu Hause bleiben, weil sonst hun­derte Papa­razzi an seinen Fersen geklebt hätten. Glauben Sie, dass man in so einem Leben normal auf­wachsen kann? Er ist damit nicht klar gekommen. Er hatte Pro­bleme damit, und nie­mand konnte ihm helfen.

Nach seiner Zeit beim SSC Neapel ging es sport­lich bergab für Mara­dona. Wie haben Sie diese Zeit ver­folgt?
Er ver­suchte sich noch einmal beim FC Sevilla, aber seine große Zeit war da längst vorbei. Er ging zurück nach Argen­ti­nien und wollte es allen noch einmal zeigen 1994 sollte seine WM werden. Er hat viel davon gespro­chen, wie moti­viert er war. Doch dann kam der Doping­vor­fall. Er durfte kein Fuß­ball mehr spielen. Das hat Diego fertig gemacht. Er verlor den Halt.

Sie haben ein Restau­rant in Frank­furt. War Mara­dona schon einmal bei ihnen zu Besuch?
Einmal? Diego war min­des­tens schon 50 Mal hier.

Was bestellt er bei Ihnen?
Er braucht nicht zu bestellen, weil wir wissen, was Diego möchte: Pasta Aglio, Olio e Pepe­ron­cino, dazu ein schönes Pasta-Ome­lette und natür­lich viel Fisch. Er ist ver­narrt in Fisch.

Bei der WM 2006 sorgte Mara­dona als Star­gast der argen­ti­ni­schen Natio­nal­mann­schaft auf der Tri­büne für Auf­sehen. Hat er im Som­mer­mär­chen­rausch auch bei Ihnen vor­bei­ge­schaut?
Nach dem Spiel Argen­ti­nien gegen Hol­land war er natür­lich hier. Es war der 21. Juni. An das Datum erin­nere ich mich noch genau.

Warum das? War es eine so legen­däre Feier?
Weil Diego am 22. Juni 1986 Eng­land bei der WM in Mexiko quasi im Allein­gang besiegt hatte. Ein Stern­stunde in seiner Kar­riere. Er fei­erte ein Jubi­läum und den Grup­pen­sieg der Argen­ti­nier bei der WM 2006. Es wurde richtig Gas gegeben. Diego tanzte die ganze Nacht. Um 8.00 Uhr ging es dann nach Hause. Da brannte die Sonne schon vom Himmel.

Ist er denn gerne in Deutsch­land?
Er ist öfter hier, als man glaubt. Er kommt inko­gnito, ohne seinen Anhang. Wenn er in Madrid seinen Enkel besucht, kann es vor­kommen, dass er auf einmal bei mir vor der Tür steht.

Wie häufig haben Sie heute noch Kon­takt?
Wir spre­chen ab und an. Ich rufe ihn an, aber es ist etwas schwierig mit der Zeit­ver­schie­bung.

Mara­dona ist ein Mann, der wahr­schein­lich alles besitzt oder es sich zumin­dest kaufen kann. Was schenkt man ihm zum Geburtstag?
Er freut sich über Klei­nig­keiten. Er ist keiner, der nur in teuren Bou­ti­quen ein­kaufen muss. Er trägt gerne sport­liche Sachen. Ich schenke ihm ein Parfum: Thierry Mugler – Angel“. Und ich weiß, dass er sich freuen wird wie ein kleines Kind.