1. Walter Lau­binger
Walter Lau­bin­gers Kar­riere schien schon in Stein gemei­ßelt, bevor er über­haupt das erste Pro­fi­spiel gemacht hatte: Das Super-Talent“, wie ihn die Ham­burger Presse später nannte, spielte in ver­schie­denen Aus­wahl­teams, unter Vogts als Kapitän in sämt­li­chen Jugend­na­tio­nal­mann­schaften (U 15, U 16, U 17, U 18, U 19 und U 20), mit denen er Euro­pa­meister und Vize-Welt­meister wurde. Bald flat­terten die Ange­bote zu Hauf auf den Tisch: aus Lever­kusen, Bremen und vom FC Bayern und im Früh­jahr 1986 stand Günter Netzer, damals Manager des HSV, vor seiner Tür. #

In den ersten Trai­nings­ein­heiten tanzte der 19-jäh­rige Lau­binger über den Platz wie neben ihm nur Miroslav Okonski, einmal ver­wan­delte er gar einen Eck­ball direkt – der­weil Uli Stein im Tor stand und vor Wut schnaubte. Ernst Happel rief von der Sei­ten­linie: Was machst du da, Uli? Der Kleine kommt aus Bram­feld, der Zau­berer, und haut dir so ein Ding rein.“ Fortan hatte Lau­binger seinen Spitz­namen weg: Zau­berer. Und fortan war der Boden unter seinen Füßen nicht mal mehr mit dem Fern­glas zu erkennen.

Lau­binger ging einen trinken, und noch einen, er fei­erte bis in die frühen Mor­gen­stunden. Und hörte auch dann nicht auf. In zwei Jahren machte er ganze zehn Spiele für den HSV, 1988 wech­selte er zur SpVgg Bay­reuth und been­dete dort, im Alter von 21 Jahren, seine Pro­fi­kar­riere.

Doch Lau­binger blieb dem Fuß­ball erhalten. In den fol­genden Jahren kickte Lau­binger sich durch die Tiefen von nord­deut­schen Ama­teur­ligen, zuletzt bis Ende 2004 beim Farmsener TV in der Ham­burger Bezirks­liga. Nach einem Spiel gegen die 2. Mann­schaft des HSV schrieb das Ham­burger Abend­blatt über den mitt­ler­weile 36-Jäh­rigen: Lau­binger ließ immer wieder seine Gefähr­lich­keit auf­blitzen und glänzte gegen seinen frü­heren Verein mit Spiel­witz und tech­ni­schem Können.“ Geschrieben, um in Stein gemei­ßelt zu werden – Lau­bin­gers Bezirks­liga-Spät­herbst hätte schöner kaum sein können.

2. Marek Les­niak
Es knipsten zumeist die anderen, doch das war egal. Denn die Fans liebten ihn und Marek Les­niak war zufrieden mit seiner Rolle als lei­den­schaft­li­cher Straf­raum­wühler, als ehr­li­cher Arbeiter. Noch heute hängt das Bild des Marek Les­niak, der auf einem Zaun steht, die Faust ballt und die Arme in die Luft streckt, um den dahinter pos­tierten Beton­mi­schern und Maschinen zuzu­ju­beln, ein­ge­rahmt zwi­schen Dad­del­au­to­maten, Wim­peln und Pokalen in den Lever­ku­sener Spe­lunken und Kneipen. Selten sah man eine schö­nere Hom­mage an die Arbeit an sich.

Später sagte Les­niak einmal: Außer Fuß­ball kann ich nicht viel. Fast gar nichts.“ Viel­leicht spielte er des­wegen ein­fach immer weiter. Bis ihm die Puste aus­ging. Nach seinen großen Jahren bei Bayer Lever­kusen und Wat­ten­scheid 09 folgten Gast­spiele bei 1860 Mün­chen, beim KFC Uer­dingen, er spielte für Xamax Neu­châtel, For­tuna Düs­sel­dorf und Preußen Münster. Und eigent­lich sollte 2002, Les­niak war mitt­ler­weile 38 Jahre alt, die Pro­fi­kar­riere wirk­lich vorbei sein. Doch da klopfte die SSVg Vel­bert bei ihm an – Les­niak wurde Spie­ler­trainer: Ganz ehr­lich: Durch­ge­spielt habe ich selten, oft habe ich mich nach 60 oder 70 Minuten aus­ge­wech­selt.“

Ein High­light sollte es beim Ober­li­ga­klub aber noch geben: Im Oktober 2003 spielte Vel­bert im Pokal gegen Mainz 05. Jürgen Klopp schaute ver­dutzt drein, als Les­niak aus der Kabine kam – und zwar nicht im bal­lon­sei­denen Trai­nings­anzug, son­dern im Trikot mit der Nummer 9. Les­niak wühlte wie eh und je, ackerte über eine Stunde, doch dann ging tat­säch­lich die Luft aus. Als ich vom Platz ging, haben meine Mit­spieler noch gerufen: ›Marek bleib drin!‹ Aber es ging nicht mehr.“ Les­niak diri­gierte die letzten 30 Minuten von außen, es ging in die Ver­län­ge­rung und Vel­bert gewann im Elf­me­ter­schießen – eine kleine Sen­sa­tion und ein idealer Abschluss einer großen Pro­fi­kar­riere. Eigent­lich.

Denn Les­niak hatte immer noch nicht genug. 2005 trat der 41-Jäh­rige dem SV Hilden-Nord bei. Es folgten ein paar Spiele vor einer Hand­voll Leute und ein paar Hunden in der Ver­bands­liga Nord­rhein gegen Mann­schaften wie TuS Hacken­broich, FSV Kettwig oder Vik­toria Goch. 2006 war dann wirk­lich Schluss. Heute trai­niert Les­niak den BSV Schwarz-Weiß Rehden in der Nie­der­sa­chen­liga-West. Insider wollen gesehen haben, dass Les­niak heim­lich immer noch Fall­rück­zieher übt und in Ein­kaufs­pas­sagen mit einem Ball um die Pas­santen drib­belt. Ob er danach am Gehweg den vor­bei­fah­renden Las­tern zuju­belt, ist indes nicht über­lie­fert.

3. Bachirou Salou
Es gibt Spieler an die man sich wegen ihres Namens oder wegen ihrer Erschei­nung erin­nert. Bei Bachirou Salou trifft wohl beides zu. Wer kennt ihn nicht mehr diesen rie­sigen Mit­tel­stürmer vom MSV Duis­burg, Borussia Dort­mund, Ein­tracht Frank­furt, Hansa Ros­tock und Ale­mania Aachen. Ja, Salou war ein Wan­der­vogel der Bun­des­liga. Ins­ge­samt brachte er es auf 300 Spiele in der 1. und 2. Bun­des­liga.

Als 19-Jäh­riger wurde der Togo­lese in Kamerun bei einem Pro­vinz­verein ent­deckt und zu Borussia Mön­chen­glad­bach ver­mit­telt. Mit den Fohlen holte er 1995 den DFB-Pokal. 2004 schien seine Zeit als Profi schon vorbei zu sein. Salou stürmte für den SC Kapellen-Erft und tobte sich auf nie­der­rhei­ni­schen Hart­plätzen aus, als er beim Pommes-Essen Jörg Schmadtke, seines Zei­chens Sport­di­rektor in Aachen, traf. Der holte Salou zurück ins Pro­fi­ge­schäft. Mit der Ale­mannia stand Salou neun Jahre nach dem Pokal­sieg mit Mön­chen­glad­bach noch einmal im DFB-Pokal­fi­nale, unterlag jedoch Werder Bremen.

Seine aktive Kar­riere been­dete der ehe­ma­lige togo­le­si­sche Natio­nal­spieler dann aber doch beim SC Kapellen-Erft in der Ver­bands­liga, dort wo einem Spieler irgend­wann alle Wid­rig­keiten egal sind: Pöbelnde Brat­wurst- und Pils-Ver­nichter, Steine auf dem Platz, schla­fende Schieds­richter, Kegel­abende. Egal auch, weil Bachirou Salou nur allzu gern die Augen schloss, und sich der Hart­platz-Unter­grund sodann wie der schönste Roll­rasen anfühlte und die Kegel­abende sich in die große Sport­schau-Gala mit Harry Valé­rien ver­wan­delten.

4. Sven Scheuer
Weniger bekannt geworden durch seine 23 Bun­des­li­ga­spiele, als viel­mehr in der Rolle des Sauf­buddys von Mario Basler. Been­dete mit 34 seine Kar­riere beim TSV Schö­naich in der Bezirks­liga. Er machte elf Spiele gegen Gegner wie FV Olympia Laupheim, FC 05 Wangen im Allgäu oder VfL Kirch­heim unter Teck. Am Ende der Saison lan­dete Schö­naich auf dem letzten Platz. Bilanz: 14 Punkte, 32:71 Tore. 

5. Sou­leyman Sané
Spielte nach einer beein­dru­ckenden Kar­riere (u.a. Nürn­berg und Wat­ten­scheid) noch im Alter von 44 Jahren beim Bezirks­li­ga­verein Rot-Weiß Leithe oder beim Ver­bands­li­gisten Schwarz-Weiß Süd­feld­mark in Wat­ten­scheid. Seit 2008 ist Sané Natio­nal­trainer in San­sibar – dabei hofft er doch so sehr der erste schwarze Bun­des­li­ga­trainer zu werden.

6. Sasa Ciric
Der 40-jäh­rige Maze­do­nier spielt seit 2006 bei Vic­toria 97 Erlangen in der A‑Klasse 3 Erlangen/​Pegnitzgrund. Bilanz: 44 Tore in 26 Spielen.

7. Frank Orde­ne­witz
Nach durchaus erfolg­rei­chen Jahren bei Werder Bremen und dem 1. FC Köln, einer über­ra­genden Saison in der J‑League ging es für Otze stetig bergab. Beim klang­vollen HSV gelang nichts, und die fol­genden Ver­eine waren vieles, nur nicht klang­voll: Brum­mell Sendai, Roten­burger SV, VfB Olden­burg, TSV Otters­berg. Noch 41-jährig kickte Orde­ne­witz beim VSK Oster­holz-Schar­m­beck.

8. Harald Spörl
14 Jahre spielte Harald Lumpi“ Spörl beim HSV, wech­selte für zwei Spiel­zeiten zu LR Ahlen ehe er für den 1. FC Hers­bruck, irgendwo bei Nürn­berg, bis ins Jahr 2005 die Kno­chen hin­hielt. Heute ist er als Scout für den HSV tätig.

9. Steffen Karl
Eisen­karl“ hat so einiges mit­ge­macht: Über 160 Bun­des­li­ga­spiele für Dort­mund und Hertha BSC, Aus­lands­sta­tionen bei Man­chester City, beim FC Sion, bei Vålerenga Oslo und Loko­mo­tive Sofia, 2005 ver­wi­ckelt in den Hoyzer-Skandal. Zwi­schen­durch atzte Gangster Karl stil­echt bei den Sport­freunden Kladow in der Ber­liner Bezirks­liga 3. Abtei­lung.

10. Peter Közle
Mitt­ler­weile 41 Jahre alt spielt Közle immer noch: beim VfB Gün­nig­feld. Zuvor war der Ex-Bun­des­li­ga­spieler (Duis­burg, Bochum) auch für Inter Bochum aktiv, jener Verein, der in den letzten Monaten in der Bochumer Kreis­li­ga­staffel A3 alle Nega­tiv­re­korde brach, die man bre­chen kann.