Am Ende war er ziem­lich ent­spannt. Jeden­falls für Paolo-Guer­rero-Ver­hält­nisse. Eine kri­ti­sche Frage lächelte er weg, dann sprach er seine Sätze in die Mikro­fone. Wir müssen kon­zen­triert bleiben und uns gut aus­ruhen“, sagte er. Oder: Unsere Mann­schaft will sich ent­wi­ckeln.“
 
Wenige Minuten zuvor waren sie noch über Paolo Guer­rero her­ge­fallen, es gab ein biss­chen Gerangel mit den Geg­nern, aber vor allem waren es die eigenen Spieler, die ihren Mit­tel­stürmer hoch­leben ließen. Guer­rero hatte Peru gegen Boli­vien ins Halb­fi­nale der Copa Ame­rica geschossen. Und weil er beim 3:1‑Sieg alle Tore erzielt hatte, japste Jef­ferson Farfan nun: Paolo ist der beste Mit­tel­stürmer, den Peru je hatte!“ Guer­rero selbst zog noch einmal die Schul­tern hoch, lächelte. Dann ging er davon und sagte noch: Das Wich­tigste ist, dass wir nun gegen Chile wei­ter­kommen.“
 
Natür­lich sind das alles klas­si­sche Wort­hülsen und Null­sätze. Spieler lernen sie von ihren PR-Berater oder in Medi­en­schu­lungen, noch bevor sie das erste Mal ein Fuß­ball­feld betreten. Die Sache ist nur: Guer­rero hatte sie nie gelernt. Oder er hatte sie irgend­wann ver­gessen. Guer­rero war eigent­lich immer auf Hun­dert­achtzig. Was okay gewesen wäre, wenn er seine Ver­eine zu Meis­ter­schaften oder anderen Titeln ver­holfen hätte, aber auch das mit dem Tore­schießen klappte bei ihm nie so richtig gut.

Ein Tor pro Spiel – das ist für mich normal!“
 
Zwi­schen 2002 und 2012 spielte der Stürmer beim FC Bayern und später beim HSV. Einmal, im März 2009, schoss er in einem Uefa-Cup-Aus­wärts­spiel bei Gala­ta­saray zwei wun­der­schöne Tore, was dem HSV unver­hofft das Wei­ter­kommen ins Vier­tel­fi­nale bescherte.
 
Sonst? Mit­telmaß, 4,5 Mil­lionen Euro im Jahr. Sonst: dicke Hose, viele Aus­reden und noch mehr Recht­fer­ti­gungen. Dabei trug er doch zwei Spitz­namen, die nach Tor­instinkt klangen: In Deutsch­land nannten sie ihn den Krieger“, in Peru die Raub­katze“.
 
Er selbst war stets davon über­zeugt, dass sie ihm diese Namen zurecht gegeben hatten. Als er bei den Bayern noch in der zweiten Mann­schaft spielte und in einer Saison 21 Tore in 23 Spielen schoss, sagte er: Ein Tor pro Spiel – das ist für mich normal.“

Cham­pions League mit dem HSV?
 
Kurz nachdem er zum HSV gewech­selt war, erklärte er in einem Inter­view mit dem Ham­burger Abend­blatt“: Ich will alle drei Titel gewinnen: Meis­ter­schaft, Pokal und Cham­pions League. Und ich weiß, dass das mög­lich ist.“
 
Als sich später her­aus­stellte, dass dieses Vor­haben nicht so ein­fach mög­lich war, wurde er häu­figer auf die Rela­tion zwi­schen seinem hohen Gehalt und mit­tel­mä­ßigen Leis­tungen ange­spro­chen. Guer­rero hatte aber auch darauf eine Ant­wort. Er kon­sta­tierte: Beim FC Bayern ver­dienen die Spieler ja noch mehr!“
 
Auch wegen sol­cher Aus­sagen ent­frem­deten sich die Fans langsam von dem Spieler, der ihnen wahl­weise als Ex-Bayern-Roh­dia­mant oder Super­ta­lent aus Süd­ame­rika ver­kauft worden war.
 
Voll­ends zer­schnitten war das Tisch­tuch, als Guer­rero im Mai 2012 einen Fan mit einer Fla­sche bewarf und sein Tun mit seiner Her­kunft recht­fer­tigte: Er hat mich Huren­sohn genannt, das konnte ich nicht akzep­tieren. Ein Deut­scher kann das viel­leicht, ein Süd­ame­ri­kaner nicht.“ Guer­rero musste eine Geld­strafe an den Verein zahlen, die zwi­schen 50.000 und 100.000 Euro gelegen haben soll.

Es war nicht das erste Mal, dass Guer­rero aus der Haut fuhr. Nach einem WM-Qua­li­fi­ka­ti­ons­spiel gegen Ecuador im Jahr 2010 drohte Guer­rero etwa einem wütenden Anhänger Prügel ange­droht, weil ihn zuvor als homo­se­xuell bezeichnet hatte. Als er wenige Tage später gegen Uru­guay nach 37 Minuten vom Platz gestellt wurde, belei­digte er den Schieds­richter so schwer, dass er anschlie­ßend von der Fifa für sechs Spiele gesperrt wurde.