Seite 2: Warum es so spannend ist

Der wöchent­liche Men­ta­li­täts­test kommt aber, damit keine Miss­ver­ständ­nisse auf­kommen, nicht als rohe Bol­zerei daher. Der­zeit ist die Zweite Liga näm­lich ein Inku­bator für die nächste Trai­ner­ge­nera­tion mit inter­es­santen Ideen. Bei gleich sieben Klubs sitzen Trainer auf der Bank, die zum ersten Mal eine Pro­fi­mann­schaft trai­nieren, dar­unter die in Bochum, Kiel und Karls­ruhe. Gemeinsam ist ihnen eine Vor­ge­schichte als Coa­ches von Jugend­teams oder Zweiten Mann­schaften, aber nicht immer ein klarer Kar­rie­re­plan. 

Chris­tian Eichner etwa war nach einem Stu­dium von Mathe­matik, Ethik und Geo­gra­phie schon halb auf dem Weg in den Schul­dienst, bevor er über die U17 des KSC und als Assis­tenz­trainer letztes Jahr im Abstiegs­kampf bei den Profis lan­dete. Inzwi­schen hat er aus dem Ab- einen Auf­stiegs­kan­di­daten mit klarem Profil gemacht. So fana­tisch der KSC gegen den Ball arbeitet und seine Gegner mit langen Bällen und den gefähr­lichsten Stan­dards der Liga quält, könnte er auch in Rotherham oder Mill­wall bestehen. Karls­ruhes Men­ta­li­täts­monster unter­lagen zwar in den letzten drei Par­tien vor Jah­res­ende 2020, holten aber im neuen Jahr mehr Punkte als alle anderen Teams.

Arm nicht so arm, reich nicht so reich

Andere Teams wie Hol­stein Kiel unter Ole Werner, der letztes Jahr gemeinsam mit Eichner die Aus­bil­dung zum Fuß­ball­lehrer abschloss, pflegen ein gut orga­ni­siertes Posi­ti­ons­spiel mit einer Vie­rer­kette hinten und drei Stür­mern. Dort blühen abge­legte Talenten von Bun­des­li­gisten auf, wie Janni Serra oder Fabian Reese. (Der FC Bayern dürfte sich vage erin­nern.) Der VfL Bochum unter Thomas Reis setzt auf ein klas­si­sches 4−2−3−1 mit vielen sehr erfah­rene Spieler, plus einem Kin­der­riegel“ in der Innen­ver­tei­di­gung mit dem 19-Jäh­rigen Armel Bella-Kot­chap und dem 22-Jäh­rige Maxim Leitsch. Fürths Trainer Stefan Leitl kommt mit einer Raute im Mit­tel­feld daher und schafft einen attrak­tiven Mix aus viel Druck gegen den Ball und ansehn­li­chem Kom­bi­na­ti­ons­fuß­ball. Der Schwede Branimir Hrgota, früher in Glad­bach und Frank­furt nie mit dem ganz großen Durch­bruch, ist in Fürth viel­leicht zu dem Unter­schieds­spieler der Liga geworden.

Fast alle Mann­schaften ver­fügen über bes­sere Spieler als erwartet und inter­es­sante Stil­mittel, wie in dieser Woche der 1.FC Köln bei seinem Pokal-Aus in Regens­burg oder Borussia Dort­mund gegen den SC Pader­born erfahren durften. Aber letzt­lich ist die Zweite Liga des­halb so groß­artig, weil der Wett­be­werb fair und integer“ ist. Was eine höf­liche Umschrei­bung dafür ist, dass die Armen nicht ganz so arm bzw. die Rei­chen nicht so reich sind. So liegen Oben und Unten um gut ein Vier­fa­ches der Per­so­nal­kosten aus­ein­ander, in der Bun­des­liga ist eher das Zwölf­fache. Wenn man die Bun­des­liga also gerne span­nender hätte, müsste sie etwas mehr Zweite Liga wagen.