Einer der wesent­li­chen Gründe, warum Fuß­ball­fans wäh­rend der Spiele so einen Krach machen, wird zumeist ver­schwiegen: Angst! Das ganze Gesinge und Gehüpfe und Geschreie ist näm­lich oft genug nur Aus­druck schreck­li­cher innerer Beklem­mungen, dass es doch wieder schief geht. Und selten haben 22.000 Men­schen in diesem Land einmal soviel Krach gemacht wie am Mon­tag­abend in der Alten Förs­terei in Berlin.

Union gegen Stutt­gart war das Motör­head-Kon­zert unter den Fuß­ball­spielen. 90+5 Minuten lang brüllten die Anhänger von Union gegen jeden hohen Ball ihrer Gegner aus Stutt­gart an, als könnten sie ihn allein durch die Kraft der Schall­wellen vom Tor weg­halten. Denn mit einem ver­dammten Tor, einem blöd über die Linie kul­lernden, hol­pernden, gesto­cherten Ball wäre der Traum schließ­lich geplatzt. 

Angst ver­wan­delte sich in Humor

Aber er platzte nicht! Nicht einmal, als der Wall of Sound von einem Moment auf den nächsten ein­stürzte und nur noch Schweigen war, als hätte der ima­gi­nären PA jemand den Ste­cker gezogen. Stutt­gart war durch einen Frei­stoß in Füh­rung gegangen war, aber dann erhob der neue Gott VAR sein Haupt, nahm den Stutt­gar­tern diesen Treffer wegen einer Abseits­stel­lung und gab den Unioner den Krach zurück. 

Doch das war nicht einmal der Höhe­punkt. Denn in der schönsten Szene des Spiels ver­wan­delten die völlig durch­ge­drehten Schrei­hälse in Rot und Weiß ihre Angst in Humor um. In der 77. Minute war das, als Robert Zulj sich einen Frei­stoß am Stutt­garter Straf­raum zurecht­legte. Weil der Schieds­richter irgend­welche Pro­bleme mit seiner Technik hatte, ver­zö­gert sich die Aus­füh­rung dieses Frei­stoßes und da begannen einige Zuschauer zu singen und schließ­lich alle: Torsten Mat­tuschka, du bist der beste Mann. Torsten Mat­tuschka, du kannst, was keiner kann. Hau ihn rein für den Verein.“ 

Dieser Torsten Mat­tuschka hat mal für Union gespielt und war hier ein Star. Ein gelernter Maler und Lackierer mit Nei­gung zu Über­ge­wicht und unter­ent­wi­ckelter Begeis­te­rung für zu viel Gerenne. Einer, der faul wie die Sünde“ war, wie er selbst mal sagte. Aber eben auch ein Mann, der von Welt­meister Chris­toph Kramer noch heute noch ver­ehrt wird, wegen seines magi­schem Ball­ge­fühls für Zau­ber­pässe und kunst­voll ins Tor gelöf­felter Frei­stöße. Wie etwa in jenem Derby bei Hertha BS als er zum Sound­track seines Songs gegen Hertha BSC im Olym­pia­sta­dion einen Frei­stoß ins Tor segeln ließ.