Spä­tes­tens seit Sepp Her­berger weiß der Fuß­ballfan: Ein Spiel dauert 90 Minuten.
Nicht erst seit ver­ga­nenen Freitag wissen wir: Das stimmt nicht immer.
Denn an diesem Tag schickte Schieds­richter Deniz Aytekin die Mann­schaften vom FC St. Pauli und von Schalke 04 schon nach 89 Minuten in die Kabinen, weil ein Zuschauer Lini­en­richter Thorsten Schiffner mit einem Bier­be­cher beworfen hatte.

Von Mäusen, Schwer­tern und Pfos­ten­brü­chen – 11FREUNDE hat die zehn kurio­sesten Spiel­ab­brüche des Fuß­balls zusam­men­ge­stellt.

1. Nebel

Bun­des­trainer Helmut Schön hat sich seinen Abschied sicher wür­de­voller vor­ge­stellt, doch gegen Natur­ge­walten findet auch der Mann mit der Mütze keine Abwehr­taktik. 60 Minuten sind am 15. November 1978 gespielt, als plötz­lich dicke Nebel­schwaden durchs Frank­furter Wald­sta­dion ziehen. Sicht­weiten unter 50 Metern beenden die Partie zwi­schen Deutsch­land und Ungarn beim Stand von 0:0. Es ist Schöns letztes Spiel als Bun­des­trainer, sein Nach­folger wird Jupp Der­wall.

2. Rojas’ Skal­pell

Als in der WM-Qua­li­fi­ka­tion zwi­schen Bra­si­lien und Chile eine Leucht­ra­kete neben Chiles Tor­wart Roberto Rojas auf den Rasen des Mara­cana-Sta­dions platzt, robbt der Keeper schwer­ver­wundet durch den Straf­raum und hält sich das blu­tende Gesicht. Ent­setzt wei­gern sich die geschockten Mit­spieler wei­ter­zu­spielen. Der Schieds­richter bricht ab, die FIFA wertet das Spiel für Chile. TV-Auf­nahmen beweisen später: Rojas hat sich im Rake­ten­nebel mit einem Skal­pell selbst im Gesicht her­um­ge­schnib­belt. Die FIFA ver­wei­gert dar­aufhin Chile die Teil­nahme an der WM 1990, Rojas wird lebens­lang gesperrt.

3. Über­le­gen­heit

Es hätte der höchste Sieg in der Geschichte des FC Ein­tracht Köthen werden können.
Am 27. April 2010 hat der Gast­geber nach nur 34 Minuten dem mit ledig­lich neun Mann ange­tre­tenen HSV Grö­bern bereits elf Hütten ein­ge­schenkt. Da reagiert der Referee auf das Gejammer des Gäs­te­trai­ners, dessen Mann­schaft sich wäh­rend des Auf­wär­mens und der ersten Spiel­mi­nuten um zwei wei­tere Spieler dezi­miert hat. Das Spiel wird vom Unpar­tei­ischen wegen zu großer Über­le­gen­heit abge­bro­chen.

4. Zer­rung

In den deut­schen Kreis­ligen kommt es immer wieder zu vor­zei­tigen Spiel­ab­brü­chen: Mal ver­passt der Schieds­richter einem Spieler eine Back­pfeife (FSSV Karls­ruhe I – ATSV Klein­stein­bach II), mal wird der Gast­mann­schaft von Dieben die Kabine aus­ge­räumt (Hansa 07 II – Türkspor II). Bei der Partie der VSG Alt­glie­nicke II gegen Liga­schluss­licht FC Hellas II gibt der Schieds­richter dem Spiel kurz vor Schluss beim Stand von 4:1 die ent­schei­dende Wende. Er sackt zusammen, die Dia­gnose: Zer­rung im Ober­schenkel. Ersatz ist nicht in Sicht, die Partie wird abge­bro­chen. Wir haben ange­boten, dass einer von uns zu Ende pfeift“, mault VSG-Trainer Gregor Mich­ling später, aber der Vor­schlag wurde abge­lehnt.“

5. Strom weg

Der FC Mem­mingen steht mit einer 3:2‑Führung gegen die Kickers Offen­bach kurz vor dem Auf­stieg in die Regio­nal­liga. Plötz­lich fällt der Strom im Mann­heimer Rhein-Neckar-Sta­dion aus. Das Flut­licht erlischt, Spieler und Anhänger stehen im Dun­keln. Wir hofften, dass das Spiel nicht mehr ange­pfiffen würde“, erin­nert sich OFC-Keeper Rene Keffel. 40 Minuten nachdem die Lichter aus­ge­gangen sind, ver­kündet der Sta­di­on­spre­cher den Spiel­ab­bruch. Das fäl­lige Wie­der­ho­lungs­spiel gewinnt der OFC. Der Grund für den Strom­aus­fall: Über­las­tung durch die Über­tra­gungs­wagen des Hes­si­schen Rund­funks, keine Sabo­tage.

6. Tri­bü­nen­klet­terer

Man kennt das: Ein paar schnelle Bier­chen in der Pause geschluckt, schon glauben Fans an die eigenen Super­kräfte. Auch Ste­phen Ang­lesey hat im April 2003 gut getankt, als er wäh­rend des Spiels der Tran­mere Rovers gegen Mans­field Town erst einen Flut­licht­masten erklet­tert, um dann aufs Tri­bü­nen­dach zu springen. Folge: Die Partie der eng­li­schen Second Divi­sion wird abge­bro­chen, Ang­lesey ver­haftet. Wegen schlechten Beneh­mens und Trun­ken­heit bei einer Sport­ver­an­stal­tung.

7. Schwert­kampf

Recht hitzig reagiert ein Spieler des bri­ti­schen Ama­teur­klubs Royston Villa wäh­rend der Partie gegen Sheffield´s Mos­bo­rough. Nach einer Roten Karte ver­schwindet der Kicker zunächst wut­ent­brannt in der Kabine, kommt dann zurück und geht, plötz­lich bewaffnet mit einem langen Schwert, auf den Unpar­tei­ischen los. Der gibt panisch Fer­sen­geld. Spiel­ab­bruch nach 80 Minuten.

8. Wind­hose

Als die Tor­na­do­si­rene auf dem Gelände der Athens High­school im US-Bun­des­staat Ohio ertönt, hält man dies für einen müden Scherz. Seit 1937 hat keine Wind­hose mehr die Klein­stadt heim­ge­sucht. Doch kurz vor Beginn der zweiten Hälfte des Mäd­chen­li­ga­spiels zwi­schen Athens und Alex­ander platzt der Tor­nado mit aller Kraft herein. Zuschauer und Spieler flüchten in einen nahe­ge­le­genen Keller, die Pres­se­tri­büne und zwei Strom­ag­gre­gate werden zer­stört. Wei­ter­ge­spielt wird nicht mehr.

9. Mäu­se­zahn

Dass plumpe Bau­ar­beiter mit wuch­tigem Arbeits­gerät irr­tüm­lich die Haupt­strom­lei­tung kappen, kommt schon mal vor. Im por­tu­gie­si­schen Port­imao aller­dings ist es eine Maus, die am Kabel knab­bert und das Flut­licht des angren­zenden Sta­dions zur Strecke bringt. Dumm, dass dort gerade ein Pokal­spiel statt­findet. Der Schiri muss abbre­chen.

10. Pfos­ten­bruch

Die Mutter aller Spiel­ab­brüche. 3. April 1971: Mön­chen­glad­bachs Günter Netzer schlenzt beim Stand von 1:1 in der 88. Minute einen Frei­stoß in den Werder-Straf­raum, Stürmer Her­bert Laumen ver­passt den Ball und landet wie ein Fisch im Netz. Der mor­sche Holz­pfosten bricht, das Tor fällt und ist trotz viel­fa­cher Bemü­hungen um Sta­bi­li­sie­rung nicht wieder auf­zu­richten. Die Glad­ba­cher hoffen auf ein Wie­der­ho­lungs­spiel, das DFB-Gericht jedoch wertet das Spiel 2:0 für den Gast aus Bremen.