Herr Bester, sind Sie die unbe­lieb­teste Person am Mill­erntor?

Das kann schon sein. Neben Bernd Hol­ler­bach ver­mut­lich. Den Titel habe ich mir red­lich ver­dient, nicht wahr?! (lacht)

Mit Sprü­chen wie Ich wün­sche St. Pauli nicht mal das Schwarze unter den Fin­ger­nä­geln“ kann man jeden­falls nicht damit rechnen, zur Kiez-Ikone zu werden.

Das war ein bit­ter­böser Spruch. Ich würde das heute sicher­lich nicht mehr so for­mu­lieren. Die Trikot-Aktion aller­dings, die würde ich immer wieder bringen. Die kennen Sie, oder?

Erzählen Sie…

Ich spielte damals mit dem Lüne­burger SK gegen die Ama­teure des FC St. Pauli. Das Spiel fand im Ham­burger Schan­zen­park statt, und der FC St. Pauli hatte sei­ner­zeit eine wirk­lich statt­liche Anzahl von Ama­teur­fans. Eine viertel Stunde vor Schluss machte ich dann das ent­schei­dende 1:0. Anstatt mich inmitten meiner Mann­schaft feiern zu lassen, rannte ich auf den Fan­block des FC St. Pauli zu, zog mein LSK-Trikot über meinen Kopf und prä­sen­tierte den ver­dutzten Pauli-Anhän­gern ein HSV-Shirt, das ich dar­unter trug. Ich zog es sogar noch stramm, damit man die HSV-Raute besser sehen konnte. (lacht)

Wie reagierten die St. Pauli-Fans?

Die pfiffen mich natür­lich gna­denlos aus. Aber was hätte ich auch erwarten sollen? Ich konnte nicht damit rechnen, dass die applau­dieren.

Die Presse berich­tete danach von Aus­schrei­tungen. Gab es die wirk­lich?

Die Fans beschimpften mich schon das ganze Spiel mit Sprü­chen wie Scheiß Rot­hose“ oder Dre­ckiger HSVer“. Das war schon merk­würdig, denn ich spielte ja für Lüne­burg. Es war mir aber egal, viel­leicht moti­vierte es mich sogar. Doch ich hätte den St. Pauli-Fans mehr Sou­ve­rä­nität und einen locke­reren Umgang mit dieser Aktion zuge­traut. Nach dem Spiel sind drei Ultras von denen aus­ge­tickt, die rannten auf mich zu, einer setzte zu einem Karate-Sprung an, aber die Ordner blockten ihn ab. Ich wurde dann von ein den anderen Ord­nern in die Kabine geleitet.

Hatten Sie Angst?

Über­haupt nicht. Irgend­wann kam einer der Ordner in die Kabine und sagte: Du Marinus, da sind ein paar Jungs vor der Tür und die scheinen immer noch sehr wütend zu sein.“ Das muss man sich mal vor­stellen! Wegen so einer Aktion bei einem Ama­teur­spiel warten geg­ne­ri­sche Fans vor der Kabine und wollen dich ver­mö­beln. Ich wurde dann von der Polizei aus dem Sta­dion eskor­tiert. Es ist nichts weiter pas­siert, und im Gegen­satz zu vielen Berichten lag ich nicht blut­über­strömt im Kabi­nen­gang.

War das eine geplante Aktion?

Ich trug dieses HSV-Shirt immer unter dem LSK-Trikot. Als wir uns umzogen, wit­zelte ich mit meinem Mit­spieler Ralf Sie­vers, dass das ja hier gefähr­lich werden könnte. Ich sagte: Pass auf, wenn ich ein Tor schieße, lüfte ich mein Trikot!“ Richtig geplant war die Aktion dem­nach nicht. Wenn mir die Idee am Vor­abend gekommen wäre, hätte ich mir ein rich­tiges HSV-Trikot unter­ge­zogen. Damals trug ich leider nur ein T‑Shirt mit einer kleinen Raute. Doch man konnte sie erkennen.

Waren Sie nicht erstaunt ob der Über­re­ak­tion einiger St. Pauli-Fans?

Natür­lich. Es heißt ja immer wieder, dass der FC St. Pauli die besten Fans in Deutsch­land hat. Wenn ich mir dieses Spiel ins Gedächtnis rufe, muss ich dem krass wider­spre­chen. Aller­dings gab es auch einen humo­ris­ti­schen Umgang mit der Aktion. Im Rück­spiel trugen einige St. Pauli-Fans selbst gemalte HSV-Tri­kots. Doch es half nichts, wir gewannen 2:0, und ich schoss beide Tore. (lacht)

Nach Ihrer Zeit beim Lüne­burger SK spielten Sie noch mal drei Jahre für den HSV. Kam es zu einem Shirt-Revival?

Leider nicht. Im letzten Derby gegen den FC St. Pauli stand ich nicht im Kader.

Eine Hom­mage an Marinus Bester gab es den­noch.

Ja, und zwar voll­kommen unvor­her­ge­sehen. Als Bar­barez zum zwi­schen­zeit­li­chen 4:1 traf, zog auch er sein Trikot über den Kopf. Zum Vor­schein kam mein HSV-Trikot mit der Nummer 26.

Ist der St. Pau­lianer eigent­lich nach­tra­gend?

Ich glaube nicht. Ich habe jeden­falls keine Pro­bleme, wenn ich durch St. Pauli spa­ziere. Irgend­wann fragte sogar mal ein Fan­club, ob ich nicht Lust hätte, an einer Dis­kus­sion zum FC St. Pauli teil­zu­nehmen.

Kürz­lich wurde jenes legen­däre HSV-Shirt, das Sie unter dem LSK-Trikot trugen, für einen guten Zweck ver­stei­gert. Wer bekam den Zuschlag?

Sie werden es kaum glauben: Der Chef­re­dak­teur vom St.Pauli-Fanzine Der Über­steiger“ hat das T‑Shirt für mehr als 300 Euro erstei­gert. Die haben das in eine Foto­mon­tage für ihr Titel­blatt inte­griert. Der Slogan war: Bester Beweis – Ham­burg ist braun-weiß.“ Ich finde es witzig und lobens­wert, dass die gemä­ßigten St. Pauli-Anhänger damit iro­nisch umge­gangen sind. Diese ganze Nach­hal­tig­keit zeigt doch zumin­dest, dass die Aktion so schlecht nicht gewesen sein kann.

Woher rührt eigent­lich Ihre St. Pauli-Anti­pa­thie?

Es gibt kein bestimmtes Erlebnis. Ich bin seit Kin­des­tagen HSV-Fan und geprägt durch die ste­tige Riva­lität. Es war immer so, dass ich mich freute, wenn der HSV gewann und St. Pauli zugleich verlor. Das war ein per­fektes Wochen­ende…

Gibt es diese Riva­lität heute noch?

Durchaus. Natür­lich leidet die Riva­lität dar­unter, dass beide Ver­eine nicht mehr in der­selben Liga spielen. In den letzten Jahren sah man aber bei Spielen zwi­schen der zweiten Mann­schaft des HSV und dem FC St. Pauli, dass dieses Derby immer noch bri­sant und pres­ti­ge­trächtig ist. Mit­unter hatten wir mehr als 20.000 Zuschauer im Sta­dion. Das Derby ist also nach wie vor attraktiv und inso­fern wäre es schön, wenn man sich irgend­wann sport­lich wieder auf Augen­höhe bewegen würde.

In den 80er und 90er Jahren wurde dieses Derby von den Ham­burger Behörden als Risi­ko­spiel ein­ge­stuft. Wäre das bei einem heu­tigen Auf­ein­an­der­treffen immer noch so?

Ich glaube, dass in der gesamten Fuß­ball­szene in Deutsch­land die Ver­nunft ein­ge­kehrt ist. Die Gewalt­be­reit­schaft ist vie­ler­orts zwar immer noch da, ganz klar, aber sie ist all­ge­meiner Natur und kein spe­zi­elles Fuß­ball­phä­nomen mehr. Die Ver­eine sorgen heute aktiv dafür, dass gewalt­be­reite Gruppen aus­ge­grenzt werden. Der HSV tut das zumin­dest. Wie es beim FC St. Pauli aus­sieht, kann ich nicht beur­teilen.

In Ita­lien beant­wor­tete man die Aus­schrei­tungen zuletzt mit harten Repres­sionen. Selbst der fried­liche Fan darf heute keine Flaggen mehr ins Sta­dion bringen, ver­un­glimp­fende Schmäh­ge­sänge sind nicht mehr erlaubt. Halten Sie diese Maß­nahmen für richtig?

Ich würde mich auch mehr dar­über freuen, wenn 90 Minuten das eigene Team unter­stützt wird, anstatt dass der Gegner nie­der­ge­macht wird. In Eng­land hat man ganz andere Ver­hält­nisse. Da werden geg­ne­ri­sche Spieler, die ver­letzt an der Sei­ten­linie behan­delt werden, mit Applaus begrüßt, wenn sie zurück aufs Spiel­feld laufen. So etwas wäre wün­schens­wert für unsere Fan­kultur. Es ist aber fast uto­pisch. Beim HSV – und auch bei anderen Clubs – wird man es nie ver­hin­dern können, dass die Fans pau­senlos pfeifen, wenn der FC Bayern auf­läuft.

Es heißt, St. Pauli-Anhänger sind kri­ti­scher und reflek­tie­render als der gemeine Fuß­ballfan. Stimmen Sie dem zu?

Ich kann mir nicht vor­stellen, dass ein Bayern-Spieler, wenn er drei Tore gegen den FC St. Pauli macht, von den Pauli-Fans beju­belt wird.

Den­noch setzen sich die ver­schie­denen Fan­gruppen seit Mitte der 80er Jahre mit ver­schie­denen Begleit­erschei­nungen des Fuß­balls kri­tisch aus­ein­ander. Für den Anhänger des St. Pauli ist das Sta­dion dem­nach kein Ort, an dessen Tor man jeg­liche Gesin­nung über Bord wirft.

Ja, das stimmt schon. Und das war schon immer das Beson­dere des Ver­eins. Wir brau­chen hier nichts zu ver­herr­li­chen, beim HSV hatten wir Ende der 80er und auch noch Anfang der 90er Jahre viele Pro­bleme – ich erlebte das damals als Fan hautnah mit. Es gab zahl­reiche so genannte Fans, die durch pein­liche und dumpfe Parolen auf­fielen. Doch hat der HSV in den letzten zehn Jahren massiv Auf­klä­rungs­ar­beit geleistet und diese Szene mitt­ler­weile aus dem Sta­dion ver­trieben. Man geht heute viel scharf­sin­niger mit der The­matik um, es wird offen­siver dar­über dis­ku­tiert. Dass es beim FC St. Pauli schon früher dazu kam, liegt in der Natur seiner Fan­kultur und des Stadt­teils.

Können Sie vor diesem Hin­ter­grund ver­stehen, dass viele HSV-Fans in den frühen 90ern zum FC St. Pauli abwan­derten?

Ich als HSV-Fan habe dafür absolut kein Ver­ständnis!

Ist Ihnen dieses Phä­nomen gar nicht bekannt?

Ich kenne jeden­falls nicht viele sol­cher Fans. Ich habe ledig­lich einen Freund, der früher HSV-Fan war, und uns irgend­wann in den Rücken fiel. Aber ich bin immer noch mit ihm befreundet. Er hat sich halt den fal­schen Verein aus­ge­sucht – und dabei Pech gehabt. (lacht)

Nannte er einen Grund für seinen plötz­li­chen Sin­nes­wandel?

Er sagte, die Stim­mung am Mill­erntor sei besser. Er fand es irgendwie cooler.

Ist der HSV cool?

Auf jeden Fall.

Inwie­fern?

Ob etwas cool oder uncool ist, rührt ja daher, wie viele Leute sich mit der Sache iden­ti­fi­zieren. Und im Moment haben wir fast immer ein aus­ver­kauftes Sta­dion, Zulauf bei den Mit­glied­schaften und in den Fan­clubs. Wir haben eine Wahn­sinns­stim­mung bei den Heim­spielen. Ich würde sogar sagen, der HSV ist super­cool.

Kürz­lich regte unser Kol­lege Axel For­me­seyn eine lang­wie­rige Dis­kus­sion in der Ham­burger Presse und in zahl­rei­chen HSV-Foren an. Seine These: Zum FC St. Pauli gehen die Leute, die den Life­style suchen, zum HSV solche, denen es aus­schließ­lich um die Sache an sich geht. Folg­lich sei der HSV nicht sexy, eher bieder. Was glauben Sie?

Erfolg macht sexy, oder?

Macht nicht eher ein Underdog-Image sexy?

Viel­leicht auch das. Für die Anhän­ger­schaft des FC St. Pauli ist der Club sexy. Er ist immer noch der etwas andere Verein. Doch ich glaube, dass man sich beim FC St. Pauli den kom­mer­zi­ellen und wirt­schaft­li­chen Zwängen nicht ent­ziehen kann. Solche T‑S­hirt-Aktionen wie die Retter“-Kampagne sind natür­lich sehr kreativ, aber folgen immer auch klas­si­schen Wirt­schafts­me­cha­nismen.

Haftet dem FC St. Pauli nicht trotzdem auch heute noch eine gewisse Punk-Atti­tüde an?

Natür­lich, die gibt es noch. Die Atmo­sphäre im Sta­dion ist auf­grund der bau­li­chen Bedin­gungen immer noch etwas Beson­deres, auch für die Spieler. Da steht dann Bubu“ hinter der Git­tertür, die Fans sind zum Greifen nah, sie stehen fast am Spiel­feld­rand. Es ist eben ein biss­chen anders als bei anderen Clubs. Aber ich denke, dieses Beson­dere wird sich mit der Zeit ver­flüch­tigen. Der Verein baut nun ein neues Sta­dion, die Spieler werden sich in modernen Umklei­de­ka­binen umziehen und die Mar­ke­ting­stra­te­gien werden sich stetig an die von pro­fes­sio­nel­leren“ Ver­einen anpassen. Und sicher ist: Will man dau­er­haft erste oder zweite Liga spielen, muss man sich gewissen Regu­la­rien und Kon­ven­tionen unter­werfen.

Die These, dass zum HSV der gut­bür­ger­liche Kauf­mann geht und zum FC St. Pauli der Punk hat dem­nach keine Aktua­lität mehr?

Das ist ein reines Kli­schee. Ich kenne sogar viele Leute, die sowohl zum FC St. Pauli als auch zum HSV gehen. Gewiss ist es immer noch so, dass der FC St. Pauli mehr Fans in der Szene rund um Schanze und im Stadt­teil St. Pauli hat. Trotzdem kann man das nicht mehr in solche Kate­go­rien wie Punk“ und Kauf­mann“ auf­teilen. Die Zeiten sind vorbei.

Bekommen Sie als Ham­burger mit, was beim FC St. Pauli pas­siert, oder kennen Sie das meiste nur vom Hören­sagen?

Man kommt ja gar nicht dran vorbei. Die Bericht­erstat­tung über den FC St. Pauli ist die zweit­größte in Ham­burg. Trotzdem glaube ich, dass ich nicht mal die aktu­elle Startelf vom FC St. Pauli zusammen bekommen würde. Es inter­es­siert mich ein­fach nicht, was beim FC St. Pauli pas­siert.

Gibt es in Ihrer Posi­tion als Team­ma­nager keine Berüh­rungs­punkte mit Ver­tre­tern des FC St. Pauli?

Doch, klar. Ich kenne auch viele St. Pau­lianer, etwa den Team­ma­nager Chris­tian Bönig oder Trainer Holger Sta­nis­lawski. Und hin und wieder trifft man sich auch auf öffent­li­chen Ver­an­stal­tungen, auf die Mit­glieder von beiden Clubs ein­ge­laden werden.

Hatten Sie wäh­rend Ihrer aktiven Zeit nicht sogar mal ein Angebot vom FC St. Pauli vor­liegen?

Ich war beim Pro­be­trai­ning, ein kon­kretes Angebot hat es nie gegeben. Ich hätte sogar für den FC St. Pauli gespielt – wäre trotzdem wei­terhin HSV-Fan geblieben.

Das geht?

Klar. Das gibt es ja auch heute noch. Einige aktu­elle Spieler des FC St. Pauli haben früher beim HSV gespielt. Und die werden den HSV heute sicher nicht hassen. Es gibt auch viele Spieler vom FC St. Pauli, die gerne zum HSV gehen, anders­herum genauso. Ich glaube, Sergej Bar­barez ist gerne ans Mill­erntor gegangen. Die Spieler kennen sich unter­ein­ander, man trifft sich auf Partys oder geht gemeinsam essen. Diese ver­bit­terte Riva­lität zwi­schen den Fans beider Ver­eine lässt sich beim Blick auf die Spieler kaum auf­recht­erhalten.

Nehmen wir an, Sie wären sei­ner­zeit zum FC St. Pauli gewech­selt: Hätten Sie ver­schwiegen, dass Sie HSV-Fan sind?

Nein, auf gar keinen Fall. Die wussten das eh, als ich dort zum Pro­be­trai­ning kam.

Ist es dem­nach auch ein Kli­schee, dass man sich gerade als Spieler des FC St. Pauli stets voll mit dem Verein iden­ti­fi­ziert?

Ach, damit kann ich gar nichts anfangen. Wie iden­ti­fi­ziere ich mich mit einem Verein? Ich iden­ti­fi­ziere mich über die Leis­tung. Wenn ich gute Leis­tung bringe, dann kann auch ein Bayern-Fan beim HSV spielen. Es ist doch letzt­lich ein Job. Und es stimmt auch nur bedingt, dass sich nur die Spieler mit dem Verein iden­ti­fi­zieren, die in der Öffent­lich­keit stetig in den Ver­eins­farben prä­sent sind. Einigen Spie­lern liegt es eben, sich bei Fan­club­be­su­chen oder kari­ta­tiven Ver­an­stal­tungen zu prä­sen­tieren, andere wie­derum sind viel­leicht unsi­cherer bei sol­chen Auf­tritten und nehmen nicht daran teil. Das heißt aber nicht, dass diese sich nicht mit dem Verein iden­ti­fi­zieren.

Sie spielten als glü­hender HSV-Anhänger einige Jahre bei Werder Bremen. Legten Sie Ihre HSV-Lei­den­schaft vor dem Sta­dion ab?

In sol­chen Spielen denkt man nicht an so etwas. Man kon­zen­triert sich so sehr auf sein eigenes Spiel und das der eigenen Mann­schaft, dass man kaum wahr­nimmt, gegen wen man gerade spielt. Man ver­sucht den Gegner aus­zu­spielen, hofft auf gute Szenen, kämpft, grätscht, schießt. Wäh­rend des Spiels denkt man nur: Wir wollen die schlagen, die wollen uns schlagen. Diese Fragen nach der Beson­der­heit eines Spiels gegen den alten oder neuen Verein sind im Grunde hane­bü­chen.

Seit wann sind Sie eigent­lich HSV-Fan?

Fuß­ball­in­ter­es­siert war ich schon immer. HSV-Fan wurde ich, als ich sechs Jahre alt war. Ich sah damals eine richtig hohe Nie­der­lage im Volks­park­sta­dion gegen Glad­bach. Der HSV verlor 0:4 oder 0:5. Ich bin danach immer wieder hin­ge­gangen, zumeist mit meinem Opa – viel­leicht taten mir die Spieler leid. (lacht)

Standen Sie später auch im Fan­block?

Bei meinen ersten Besu­chen saß ich auf der Süd­tri­büne, danach hatte ich auch eine aktive Zeit in der West­kurve. Ich habe mich von Block C bis zu den Hard­core-Fans in Block E durch­ge­ar­beitet. Ich stand dort mit Schal, Trikot, Gas­hupe und Fahne…

…und Kutte?

Die hatte ich auch – mit einem rie­sigen HSV-Auf­näher auf dem Rücken.

Waren Sie noch regel­mäßig im Sta­dion, als Sie selbst im Her­ren­be­reich spielten?

Sel­tener. Die Spiele fanden leider oft par­allel statt, ich konnte dann nur noch unter der Woche zu den Euro­pa­po­kal­spielen gehen.

Sie gingen als Werder-Spieler noch zum HSV?

Ja, immer wenn ich Zeit hatte, bin ich nach Ham­burg gefahren. Mein Hei­matort Hitt­feld liegt süd­lich von Ham­burg, etwa eine halbe Stunde vom Sta­dion und 45 Minuten von Bremen ent­fernt. Ich bin damals sogar noch mit meinen alten Kumpel ins Volks­park­sta­dion gegangen – wir standen aller­dings nicht mehr in der West­kurve.

Waren Sie in Ihrer Jugend nie am Mill­erntor?

Nie. Ich habe später mit der zweiten Mann­schaft vom HSV dort gespielt. Als Profi saß ich bei einem Spiel gegen den FC Bayern auf der Haupt­tri­büne – ich hatte Karten aus dem Bayern-Kon­tin­gent bekommen. Aber in meiner Jugend war ich nie da. St. Pauli war mir immer egal…

Sie sagten einmal über Ihren Sohn: Den Jungen habe ich umge­polt. Der war Bayern-Fan, ich habe ihm in vielen Gesprä­chen erklärt, warum der HSV besser ist. Jetzt hat er’s kapiert.“ Was würden Sie machen, wenn er eines Tages, wie Ihr alter Freund, plötz­lich zum FC St. Pauli ginge?

Ich bin zunächst einmal froh, dass er kein Bayern-Fan mehr ist. Mein Schwie­ger­vater ist großer Bayern-Fan, und ich schenkte ihm einmal ein Jahr­buch vom FC Bayern. Er wie­derum schenkte es meinem Sohn. Ich durfte mit ihm dann jeden Morgen das Buch durch­blät­tern, ihm erklären, wer Olli Kahn und wer Jürgen Klins­mann ist. Das ging mir tie­risch auf die Nerven. Irgend­wann dachte ich: So, jetzt reicht es. Wir gehen heute zum HSV. Und seitdem ist er HSV-Fan. Falls er irgend­wann ins andere Lager wech­seln sollte, wäre das okay. Das ist ganz alleine seine Ent­schei­dung. Wir haben ihn erzogen, seine Mei­nung zu sagen und Dinge selbst zu ent­scheiden. Doch er müsste dann bei den häu­figen Nie­der­lagen des FC St. Pauli mit dem Spott seines Vaters rechnen. (lacht)

Gibt es eigent­lich trotz Ihrer St. Pauli-Anti­pa­thie irgend­etwas beim FC St. Pauli, das sie sich für den HSV wün­schen würden?

Nein.

Nichts?

Gar nichts.