Wie nennt man einen Fuß­ball­trainer, der so rastlos von Job zu Job zieht wie Otto Pfister? Wel­ten­bummler, Glo­be­trotter? Pfister selbst sieht die Sache prag­ma­ti­scher, sagte einmal: Das ganze ist ein Hurenjob, und wir Trainer sind alles Nutten.“ Eine Wan­der­hure also?

Auf jeden Fall ist dieser Mann ein Phä­nomen. Genug Geld hätte er längst, um sich zur Ruhe zu setzen, alt genug wäre er mit seinen 73 Jahren auch. Aber wer in seinem Berufs­leben so viele span­nende Dinge erlebt wie Otto Pfister, der kann viel­leicht gar nicht auf­hören.

Wir zeichnen hier eine der schil­lerndsten Trainer-Bio­gra­phien des Fuß­balls nach, Sta­tion für Sta­tion – was hat Otto Pfister wo erreicht, was ist ihm wo wider­fahren.

1972 1976: Ruanda
Seine erste Sta­tion in Afrika führte Pfister nach Ruanda. Er ging im Auf­trag der Gesell­schaft für Tech­ni­sche Zusam­men­ar­beit (GTZ) und des Aus­wär­tigen Amtes dorthin. Später erzählte er in einem Inter­view bei DFB​.de über die Zeit: Ich kam ja auch gerade in ein Land, das so der­maßen dem Bild von Afrika ent­sprach, was ich in der Zeit hatte. Da waren keine Tou­risten wie in Kenia oder dem Senegal, wo alle hin­reisen. Ich war also wirk­lich in dem ursprüng­li­chen Afrika an der Kongo-Nil-Scheide in Ruanda.“ Scho­cken konnte ihn danach nichts mehr.

1976 – 1978: Ober­volta
Mit Ober­volta (heute Bur­kina Faso) fei­erte Pfister 1978 seine Pre­miere beim Afrika-Cup. Er fand in Ghana statt. Bei der Bilanz ließ er sich Luft nach oben. Nach drei glatten Nie­der­lagen (2:4 gegen Nigeria, 0:2 gegen Sambia. 0:3 gegen Ghana) ging es nach der Vor­runde für seine Mannen wieder Rich­tung Heimat.

1979 – 1982: Senegal
Dem Senegal leis­tete Otto Pfister auch nach seiner Amts­zeit noch einen wich­tigen Dienst. Sou­leyman Sané, damals in Diensten des SC Frei­burg, hatte in den acht­ziger Jahren das Inter­esse von Frank­reichs Aus­wahl­trainer Michel Pla­tini auf sich gezogen. Davon bekam Pfister Wind und machte den sene­ga­le­si­schen Ver­band auf Sané auf­merksam. Zwei Wochen vor Sanés geplantem Debüt für die Équipe tri­co­lore rief der Ver­band Sanés Vater an, der dar­aufhin dem Soh­ne­mann ins Gewissen redete, doch lieber für sein Hei­mat­land zu spielen. Sané wurde weich und machte 55 Län­der­spiele für den Senegal.

1982 – 1985: Elfen­bein­küste
1982 heu­erte Pfister bei der Elfen­bein­küste an. Weil die gol­dene Genera­tion um Didiger Drogba und Kolo Touré da kaum geboren war, musste Pfister mit weniger talen­tierten Kickern klei­nere Bröt­chen backen. 1983 wurde er mit dem Land immerhin afri­ka­ni­scher U20-Meister und durfte zur U20-WM nach Mexiko. Dort lief es fast so kata­stro­phal wie mit Ober­volta beim Afrika-Cup 1978: Zum Auf­takt setzte es ein 2:7 gegen Polen, gefolgt von einem 0:1 gegen die USA und einem 0:0 gegen Uru­guay. Das nennt man dann klas­si­sches Vor­runden-Aus.

1985 – 1989: Zaire
Ähn­lich bescheiden lief es in Zaire, das heute Kongo heißt. Auf der Haben­seite steht eine Teil­nahme beim Afrika-Cup 1988 in Marokko, der für Pfis­ters Mannen sieglos nach der Vor­runde endete.

1989 – 1995: Ghana
Mit Ghana fei­erte Pfister seinen größten Erfolg als Trainer: Mit der U17 wurde er in Ita­lien Welt­meister. Mit­ten­drin war einer, der als Profi in der Bun­des­liga noch viele wei­tere Erfolge feiern sollte: der lang­jäh­rige Bayern-Ver­tei­diger Sammy Kuf­four. Als größtes Talent der Mann­schaft aber galt Nil Lamptey. Dass aus ihm kein großer Spieler wurde, bringt Pfister immer noch auf die Palme: An dem hat sich sein Agent zum Mil­lionär ver­dient. Er wurde von einem Verein zum nächsten ver­kauft. Seine Kar­riere ist vorbei, er hat heute 10.000 Euro auf der Bank und ist wieder in Afrika.“

1995 – 1997: Ban­gla­desch
Seine erste Sta­tion in Asien ver­schlug Pfister nach Ban­gla­desch. Sein größter Erfolg: Das Land wurde Vize­meister bei den Süd­asia­ti­schen Spielen 1996 in Indien. Das weckte die Begehr­lich­keiten grö­ßerer asia­ti­scher Fuß­ball­na­tionen.

1997 – 1999: Saudi-Ara­bien
So kam Pfister ins reiche Saudi-Ara­bien. Dort gab es ein ein­ziges Auf und Ab. Im Oktober 1997 ver­pflichtet, schaffte er noch die nicht mehr für mög­lich gehal­tene Qua­li­fi­ka­tion für die WM in Frank­reich 1998. Nach zwei Auf­takt­pleiten beim Con­fe­de­ra­tions Cup im eigenen Land zwei Monate später (0:5 gegen Mexiko, 0:3 gegen Bra­si­lien) wurde er als Chef­trainer abge­setzt. Pfister damals zer­knirscht: Ja, die beiden Prinzen vom Ver­bands­prä­si­dium haben es mir bestä­tigt.“ Carlos Alberto Par­reira beerbte ihn, Pfister arbei­tete mit Nach­wuchs­teams und der Olym­pia­aus­wahl. Nach dem Vor­runden-Aus bei der WM 1998 der Salto rück­wärts: Pfister durfte zurück zur A‑Mannschaft.

1999 2002: Zamalek SC (Ägypten)
Zamalek SC aus Kairo war Pfis­ters erste Ver­eins­sta­tion als Trainer. Den Unter­schied zwi­schen Ver­bands- und Klub­ar­beit umschrieb Pfister so: Als Natio­nal­trainer hat man weniger Spiele und somit punk­tu­ellen Stress, im Klub hat man den Vor­teil, dass man von Woche zu Woche Fehler kor­ri­gieren kann.“ Offenbar konnte er gut damit umgehen. Seine Bilanz: Afrika-Pokal­sieger der Pokal­sieger 2000, Meister und Super­cup­sieger 2001 und Pokal­sieger 2002.

2002 2004: CS Sfa­xien (Tune­sien)
Danach heu­erte Pfister beim tune­si­schen Klub CS Sfa­xien an. Auch da holte er einen Titel, wurde 2003 Liga­po­kal­sieger. Weil er wäh­rend seiner Zeit dort das Ren­ten­alter von 65 Jahren erreichte, kam der kicker“ auf die abwe­gige Idee zu fragen, ob Sfax seine letzte Sta­tion sei. Pfister ant­wor­tete: Drei Mal wollte ich schon auf­hören. Aber immer kamen Anrufe. Fuß­ball ist für mich wie eine Sucht. Ohne Fuß­ball fühl‘ ich mich nicht wohl. Da fällt mir die Decke auf den Kopf.“

2004 – 2005: Al-Nejmeh (Libanon)
Um diesem Schicksal zu ent­gehen, ging Pfister in den Libanon zum Haupt­stadt­klub Al-Nejmeh. Hier sam­melte Pfister Titel wie zuvor nur in Ägypten: Er holte 2004 den Liga­pokal und den Super­pokal und 2005 den Meis­ter­titel. Die poli­ti­schen Unruhen im Land nach dem Mord an Minis­ter­prä­si­dent Hariri, der gleich­zeitig ein För­derer des Klubs war, sorgten dafür, dass Pfister dem Land den Rücken kehrte.

2005: Al-Masry
Er kehrte im Sommer 2005 nach Ägypten zurück und heu­erte fern der Haupt­stadt Kario bei Al-Masry in Port Said im Nord­osten des Landes an. Es wurde ein kurzes Inter­mezzo: Schon im Oktober ver­ließ er den Verein wieder.

2006: Togo
Pfister wurde im Februar 2006 Natio­nal­trainer von WM-Teil­nehmer Togo. Zu dem Job kam er wie die Jung­frau zum Kind“, wie er es umschrieb. Um ein Haar wäre Pfis­ters WM-Pre­miere noch geplatzt: Am 9. Juni trat er wegen eines Prä­mi­en­streits zurück, um drei Tage später kurz vor dem Auf­takt­spiel seines Teams zurück­zu­kehren. Unter diesen Umständen war etwas anderes als das Vor­runden-Aus nach drei Nie­der­lagen (1:2 gegen Süd­korea, 0:2 gegen die Schweiz, 0:2 gegen Frank­reich) schwer mög­lich.

2006 – 2007: Al-Mer­reikh (Sudan)
Eigent­lich sollte Pfister nach der WM in Togo ver­län­gern, eigent­lich war schon alles klar. Dann ent­schied Pfister sich um und ging zu Al-Mer­reikh in den Sudan. Seine Begrün­dung: Der Sudan hat mir noch gefehlt in meiner langen Liste.“ Er blieb gut ein Jahr, dann hatte er genug gesehen.

2007 – 2009: Kamerun
Im Oktober 2007 über­nahm Pfister die Natio­nal­mann­schaft Kame­runs. Beim Afrika-Cup in Ghana erreichte er mit seiner Mann­schaft um Samuel Eto’o und seiner Ent­de­ckung Alex­andre Song das Finale, unterlag dort Ägypten 0:1. 2009 trat er zurück, nachdem ohne sein Wissen Assis­tenz- und Tor­wart­trainer aus­ge­tauscht wurden. Selbst ein Anruf des Staats­prä­si­denten konnte Pfister nicht umstimmen: Das konnte ich nicht hin­nehmen, obwohl mir der Abschied schon weh getan hat.“

2011: Tri­nidad und Tobago
Sta­tion Nummer 16 ver­schlägt Pfister nach Tri­nidad und Tobago in die Karibik: Ich habe Luft geholt, aber ab dem 4. April bin ich wieder bei der Arbeit“, sagte er dem kicker“. Ziel ist die Qua­li­fi­ka­tion für die WM 2014 in Bra­si­lien. Selbst wenn er das schafft – kaum zu glauben, dass der rast­lose Pfister bis dahin dort Trainer ist.