Früher schienen Pro­fi­fuß­baller zufrieden, wenn sie eine Meis­ter­schaft gewannen oder Fans ihren Namen mit Edding auf ein Bett­laken schrieben und dieses dann am Zaun ihrer Kurve befes­tigten. Hru­besch vor, noch ein Tor!“ Manchmal, wenn die Spieler beson­ders gut am Ball waren, wurden Schuhe nach ihnen benannt, oder der Verein orga­ni­sierte ein exklu­sive Auto­gramm­stunde im ört­li­chen Auto­haus. Und im Grunde war das voll­kommen aus­rei­chend.
 
Zumin­dest bis zum neuen Jahr­tau­send. Denn plötz­lich war die Welt nicht mehr genug. Es gab erst Mys­pace, dann Face­book, schließ­lich Twitter und Insta­gram. Man foto­gra­fierte nun keine Land­schaften mehr, son­dern sich. Es ging um mein Haus, mein Boot, meinen Körper. Ego-Boos­ting galore. Aus guten Fuß­bal­lern wurden Top­fuß­baller, dann Stars, später Super­stars und bald Mega­stars.

Etwas, das größer und gewal­tiger ist als Fuß­ball
 
Selbst jemand wie Johan Cruyff erkannte just nach der Jahr­tau­send­wende, dass es nun nicht mehr aus­reichte, fuß­bal­le­risch gut zu sein und dafür einen schnöden Pokal oder eine Medaille zu bekommen. Es musste mehr sein. Etwas, das größer und gewal­tiger ist als Fuß­ball.
 
Als der Hol­länder im Jahr 2000 bei der Wahl zum Spieler des Jahr­hun­derts“ den zweiten Platz belegte, sagte er: Das ist der Höhe­punkt in meinem Fuß­ball­leben. Etwas Grö­ßeres ist nur, wenn eine Straße nach einem benannt wird.“
 
15 Jahre später wirkt selbst dieser Wunsch bei­nahe alt­ba­cken. Straßen haben sie mitt­ler­weile alle. Diego Mara­dona, Toni Turek oder Heinz Flohe. Nach Helmut Haller ist ein Bahn­hofs­vor­platz benannt. Die Spieler tau­chen in den Google-Such­ergeb­nissen nun­mehr nicht nur in der Rubrik News“, son­dern auch unter Maps“ auf. Für immer und ewig.
 
Bei­nahe täg­lich grün­deten sich neue PR-Firmen, die mit hyper­ge­nialen Ideen die neuen Mega­stars hyper­mäßig formen wollten. Manchmal war es auch ganz egal, wie gut der Spieler war. Solange er auf einer Beliebt­heits­skala im oberen Drittel ran­gierte, schien alles erlaubt.

Rind­fleisch­ein­topf David James“
 
Ein rus­si­sches Unter­nehmen ehrte etwa vor fünf Jahren den mit­tel­mäßig erfolg­rei­chen Stürmer Andrey Arshavin mit der soge­nannten Arsha­vinka“, eine Luxus-Sied­lung in St. Peters­burg mit 20 bis 30 Anwesen, samt Heli­ko­pter­lan­de­platz.
 
Auch andern­orts wurde auf­ge­rüstet. Die argen­ti­ni­sche Bodega Valentin Bianchi benannte in Absprache mit Lionel Messi eine Wein­sorte nach dem Barca-Spieler, in Bangkok gibt es im Restau­rant eines gewissen Tha­wat­chai Sri­wat­cha­rachai den Rind­fleisch­ein­topf David James“.

Und nach David Beckham ist nahezu alles benannt, was man kaufen kann: Filme, Unter­hosen, Kau­gummis und Tür­klinken. Ähn­lich ver­hält es sich mit Zlatan Ibra­hi­movic, der eine eigene Internet-Such­ma­schine hat. Zuletzt schaffte es das Verb zla­ta­ni­sieren“ in den schwe­di­schen Duden.
 
Am Ende ist es, als spiele man eine Partie Auto­quar­tett. Einer der Mega­stars legt vor, ein anderer sticht, ein Dritter über­bietet. Als mul­ti­pli­ziere man sich abseits des Fuß­ball­platzes selbst ins Unend­liche, in der Angst vor dem Bedeu­tungs­ver­lust – höher, schneller, weiter.

Galaxie CR7
 
Den abso­luten Trumpf hält nun Cris­tiano Ronaldo in der Hand. Die New York Times“ berich­tete jüngst, dass an der Uni­ver­sität von Lis­sabon eine neue Galaxie ent­deckt wurde. Man taufte sie CR7.
 
Und so wird es immer wei­ter­gehen. Und man muss sich nichts vor­ma­chen, das alles ist nicht auf­zu­halten. Wenn in zehn Jahren die erste bemannte Reise zum Mars vor­ge­nommen wird, wird der Planet bei der Lan­dung ver­mut­lich mit den Kon­ter­feis von Neymar oder Paul Pogba ange­strahlt. Schön wäre es nur, wenn jemand noch ein altes Bett­laken am Fah­nen­stock mit­nähme, um es dort oben in den Boden zu rammen: Hru­besch vor, noch ein Tor!“