Es ist Teil der per­fiden Stra­tegie der Ter­ro­risten, dass wir uns immer und überall fürchten sollen. Cafés, Bars, Kon­zert­säle, Fuß­ball­sta­dien – kein Ort, so die blu­tige Bot­schaft, ist noch sicher. Schon gar nicht jene Orte, die sym­bo­lisch sind für das, was wir Frei­heit nennen.

Für den Umgang mit so scho­ckie­renden Ereig­nissen wie dem Blut­ver­gießen in Paris muss jeder Mensch seine eigene Art des Umgangs finden. Klar ist aber, dass wir die Angst nicht unser Leben bestimmen lassen dürfen. Dass wir uns die Freude am Leben nicht nehmen lassen dürfen, am Feiern, am Tanzen, am Singen. Schon kurz nach den Anschlägen machte der Has­thag #pari­sisa­bout­life die Runde, in Umlauf gebracht von Joann Sfar, einem der Zeichner von Charlie Hebdo“. Cham­pagne and Joy“ steht auf der Zeich­nung, die er twit­terte, wort­wört­lich Cham­pa­gner und Freude“. Aber in diesen Tagen heißt das mehr. In diesen Tagen heißt das: Wenn uns die Angst die Freude am Leben nimmt, haben wir ver­loren.

Die Welt braucht Freude, Tanz, Gesang

Feiern, tanzen, singen – wer kann das besser als die Iren, die sich ges­tern für die EM 2016 in Frank­reich qua­li­fi­ziert haben. Aus­ge­rechnet in Frank­reich, das so kurz nach den Anschlägen noch von einer blei­ernen Schwere bedeckt liegt, eine Schwere, die auch nächstes Jahr das Tur­nier begleiten wird. Die Qua­li­fi­ka­tion der Iren ist ein Glücks­fall. Die Boys in Green können feiern wie kaum ein anderes Volk, immer fried­lich, immer sym­pa­thisch und empha­tisch, mit einer anste­ckenden, kind­li­chen Freude.

Und Freude ist das, was wir brau­chen. Freude am Leben, wie sie der Zeug­wart der Iren zeigt, ein gedrun­gener 60-jäh­riger Kerl namens Dick Red­mond, der nach dem 2:0 gegen Bos­nien im Superman-Kostüm durch die Kabine springt wie ein Flummi. Freude am Unsinn, wie die iri­schen Fans, die 2012 minu­ten­lang einen ent­fernt an Gio­vanni Trappa­toni erin­nernden pol­ni­schen Rentner fei­erten oder ukrai­ni­sche Poli­zisten beju­belten. Freude, die man sich nicht ver­bieten lässt, wie jene der iri­schen Fans im Pub vorm Sta­dion, die ges­tern dem Inde­pen­dent“ sagten: Man muss Paris im Hin­ter­kopf haben. Aber es wird uns von der Reise nicht abhalten.“

Und das ist gut so. Die Welt braucht Superman, die Welt braucht Freude, Tanz, Gesang. Das Tur­nier in Frank­reich wird anders, bedrü­ckender viel­leicht, und hof­fent­lich ohne Zwi­schen­fall. Aber die Iren werden da sein und auf ihre berühmte Art und Weise ihr Team unter­stützen und dabei sehr vielen Men­schen gute Laune bereiten, ein Stück­chen Freude. Darauf freuen wir uns, auch wenn Freude zur Zeit schwer fällt. Aber so wie Paris about life ist, ist auch Fuß­ball about life. Die Iren sind der beste Beweis.