Die Arme abge­spreizt, als trage er zwei Colts um die Hüften. Der Gang ker­zen­ge­rade. Den cha­rak­te­ris­ti­schen Schmiss flan­kiert ein erwar­tungs­frohes Lächeln. So stol­ziert Franck Ribéry in einer Gruppe von FC-Bayern-Profis durch das Spa­lier der Jour­na­listen auf den Trai­nings­platz im tren­ti­ni­schen Arco. Der baum­lange Daniel van Buyten wirkt neben ihm wie die Leib­garde des kleinen Gene­rals. Doch der staats­tra­gende Gestus ver­pufft, als der Fran­zose Rasen unter den Füßen spürt. Der Filou bricht heraus. Ein Kon­di­ti­ons­trainer ruft noch: Lasst die Bälle liegen.“ Das Verbot aber ani­miert ihn erst, bei­läufig eine der Kunst­stoff­ku­geln ins Tor zu chippen, um dann in typi­scher Manier an die Grund­linie zu sprinten, wo sich die Kol­legen auf­stellen. Hier bin ich: Leader of the Pack, der Chef auf diesem Spiel­platz, Franck Ribéry, der rasende Gockel, nie war ich so selbst­be­wusst wie heute.

Der Sommer 2013 ist der glück­lichste in seiner Lauf­bahn. Das Triple hat ihn bestä­tigt, dass die Ent­schei­dung, lang­fristig beim FC Bayern zu bleiben, die rich­tige war. Ribéry steht in der engeren Aus­wahl bei der Wahl zu Europas Fuß­baller des Jahres“, und auf­grund der mäßigen Saison, die Lionel Messi gespielt hat, wird er sogar als Welt­fuß­baller gehan­delt. Mit 30 bekommt der Junge aus Bou­logne-sur-Mer end­lich die Wert­schät­zung, die er sich immer gewünscht hat.

Das Trai­nings­lager am Gar­dasee ist ein ein­drucks­voller Beleg, dass der FC Bayern wieder oben auf der Popu­la­ri­täts­skala ange­kommen ist. Und mit ihm die Füh­rungs­kraft Ribéry. 4000 Fans ver­folgen das öffent­liche Trai­ning in Arco. Jeder Dop­pel­pass wird von Jubel begleitet. Zum Auf­wärmen don­nert Stern des Südens“ aus den Boxen. Wenn der Mann­schaftsbus den Motor anlässt, stehen Fans scha­ren­weise am Zaun. Ein Zirkus. Der Fran­zose aber genießt die durch­ge­knallte Som­mer­fri­sche sicht­lich.

Der Super­star ist die Mann­schaft – und Ribéry bekennt sich zu ihr. Lange hat er sich um das Bekenntnis zu den Bayern gedrückt. Als er 2007 nach Mün­chen kam, war er das feh­lende Mosa­ik­stein­chen für ein großes Ver­spre­chen. Uli Hoeneß wollte mit ihm den FC Bayern der Zukunft begründen. Doch er war nicht der erste Fran­zose, der trotz zuver­läs­siger Leis­tungen seine Legio­närs­men­ta­lität lange Zeit nicht ablegte. Ribéry machte keinen Hehl daraus, dass er Mün­chen als Zwi­schen­sta­tion ver­stand. Seine Sehn­sucht nach ganz großen Erfolgen, so glaubte er, würde sich nur in der spa­ni­schen oder eng­li­schen Liga befrie­digen lassen.

Bei Real Madrid machte sich Zine­dine Zidane für seinen Wechsel stark. An der Seite von Zizou war Ribérys Stern bei der WM 2006 auf­ge­gangen. Als 2009 auch Ribérys Kumpel Karim Ben­zema in die spa­ni­sche Metro­pole wech­selte, wurde der Wunsch, ihm zu folgen, sehn­li­cher. Bis dahin hatte er nur eine Meis­ter­schaft und einen Pokal mit dem FC Bayern gewonnen. Als das Jahr 2010 begann, schienen die Zei­chen auf Abschied zu stehen. 

Deut­sche Medien zeichnen seit jeher ein eher ver­söhn­li­ches Bild von Ribéry. Sie rühmen ihn für sein Allein­stel­lungs­merkmal, Gegner aus dem Stand heraus aus­spielen zu können und wie ein hung­riger Greif­vogel Löcher in die geg­ne­ri­schen Abwehr­reihen zu reißen. Ansonsten zim­mert die Presse beharr­lich am Image des Spaß­vo­gels. Die Was­ser­bomben vom Dach des Trai­nings­zen­trums auf den frisch­ge­föhnten Oliver Kahn. Die Zahn­pasta auf der Tür­klinke. Ribéry am Steuer des Mann­schafts­busses, der plötz­lich auf den Hotel­pool zurollt. Wahl­weise zer­schnit­tene oder zusam­men­ge­kno­tete Schnür­senkel. Die zuge­klebten Hotel­türen. Zuletzt das mil­lio­nen­fach geklickte You­tube-Video, wie er affen­artig über den Trai­nings­platz tigert und dem Co-Trainer das Bein stellt. Kein Bou­le­vard­blatt erscheint ohne den täg­li­chen Ribéry-Slap­stick. Und so mani­fes­tierte sich das Zerr­bild des schlichten Laus­bu­ben­ge­müts. Das Image des Kinds­kopfs. Dass Ribéry durch sein Vor­leben auch mit einer sen­si­blen Cle­ver­ness aus­ge­stattet ist, die man nur auf Straße lernen kann, wird oft unter­schlagen.

In seiner Heimat Frank­reich ist die Sicht auf ihn kri­ti­scher und oft von einer gewissen Abschät­zig­keit geprägt. Als Nord­fran­zose spricht er einen breiten Dia­lekt, der den Puristen im zen­tra­lis­ti­schen Land suspekt ist. Seine mar­gi­nalen Gram­matik-Fehler finden viele Fran­zosen pein­lich. In der Comedy-Show Les Gui­gnols de l’info“ auf Canal + ist die Ribéry-Puppe wegen ihrer Syn­tax­mängel ein großer Lacher. Die Kino­ko­mödie Will­kommen bei den Sch’tis“, die sich über die Eigen­heiten von Nord­fran­zosen lustig macht, soll nicht zuletzt wegen ihm zum Lein­wand­thema geworden sein.

Die Erwar­tungs­hal­tung als Fluch

Außerdem nehmen ihm manche Lands­leute übel, dass er das Vakuum, das sich nach Zidanes Rück­tritt in der Natio­nalelf auftat, nicht mit ent­spre­chender Würde zu füllen vermag. Für Ribéry, der von der Licht­ge­stalt als Juwel“ des fran­zö­si­schen Fuß­balls geadelt worden war, wurde die Erwar­tungs­hal­tung zum Fluch. Im Licht, ohne den langen Schatten der Ikone, wirkten seine Leis­tungen nach 2006 im Dress der Equipe Tri­co­lore plötz­lich weniger schil­lernd. Dass er dabei einer Spiel­erge­nera­tion vor­an­steht, die größ­ten­teils nicht über die Bega­bung der Welt­meister von 1998 ver­fügt, wird bei der Bewer­tung gern ver­gessen. Zumal ihm auch seine Sozia­li­sa­tion keine Rolle als hel­den­hafter Anführer zuge­dacht hat.

Denn Ribérys Story ist ein klas­si­scher Vom-Tel­ler­wä­scher-zum-Mil­lionär-Stoff. Ein tra­gi­sches Epos mit einem schwüls­tigen Happy End in der Gegen­wart. Er stammt aus Chemin Vert, dem Armuts­viertel in Bou­logne, einer Hafen­stadt am Ärmel­kanal. Er wächst mit drei Geschwis­tern Tür an Tür mit der Essens­aus­gabe für Bedürf­tige auf. Mit zwei Jahren zer­schneidet ihm das Fens­ter­glas des elter­li­chen Autos nach einem Ver­kehrs­un­fall das Gesicht. Der Junge aus dem Scher­ben­viertel mit der Narbe, die ihn bald wie den Killer aus einem Lino-Ven­tura-Krimi aus­sehen lässt, ist ein Außen­seiter. Als Teen­ager fällt er ständig durch Dis­zi­plin­lo­sig­keiten auf. Mit 16 fliegt er von der Fuß­ball­aka­demie in Lille, weil er einem Mäd­chen, das ihn hän­selt, den Arm bricht. Von seinem Jugend­trainer José Pereira ist der Satz über­lie­fert: Franck war wie ein Milch­topf. Ständig musste man ein Auge auf ihn haben, weil er kurz vorm Über­ko­chen war.“ Als er mit zwanzig noch immer nicht vom Fuß­ball leben kann, hilft er seinem Vater Fran­cois, dem Stra­ßen­bauer, einige Zeit mit der Spitz­hacke auf dem Bau. Die Schat­ten­seiten des Instinkt­fuß­bal­lers mit dem ver­meint­li­chen Dau­er­schalk im Nacken.

Väter­lich Auto­rität

Erst Jean Fer­nandez, der Trainer, der ihn 2004 beim FC Metz unter seine Fit­tiche nimmt, befreit ihn aus dem Jam­mertal. Der Übungs­leiter besitzt genau die Art von väter­li­cher Auto­rität, die ihm noch öfter in seiner Kar­riere zu Höchst­leis­tungen ver­helfen soll. Fer­nandez – der schon der Kar­riere von Zidane einen wich­tigen Kick gab – erkennt, dass auch Ribéry von der Natur mit dem spiel­ent­schei­denden Talent aus­ge­stattet wurde, das sich nicht trai­nieren lässt. Er kana­li­siert Ribérys Wut auf die Welt in Explo­si­vität und Spiel­freude auf dem Platz. Metz wird für ihn zur Abschuss­rampe Rich­tung Fuß­ball­himmel. Plötz­lich geht alles ganz schnell: Gala­ta­saray, Olym­pique Mar­seille, Natio­nal­mann­schaft. Vize­welt­meister!

Als er 2007 zum FC Bayern kommt, findet er in Ottmar Hitz­feld einen Trainer, der Fer­nandez nicht unähn­lich ist, und der seinen 25-Mil­lionen-Euro-Ein­kauf mit großer Für­sorge emp­fängt. Ribéry tut sich schwer mit Befehlen. Seine Pflicht­be­reit­schaft ent­wi­ckelt sich eher durch das Gefühl, wahr­ge­nommen, aner­kannt und gemocht zu werden. Hitz­feld redet so oft es geht mit ihm. Das Ergebnis spie­gelt sich auf dem Rasen wider, wo das tra­di­tio­nell eher von Ergeb­nis­ori­en­tie­rung geprägte Spiel der Bayern plötz­lich unge­ahnte Rasanz erfährt.

Das WM-Jahr 2010 soll seine Kar­riere krönen. Der Transfer zu Real Madrid scheint nur noch Form­sache zu sein. In der Natio­nalelf ist er eine feste Größe, auch wenn er die exklu­siven Vor­stel­lungen, die er im Verein ablie­fert, im Trikot der Blauen oft schuldig bleibt. Mit rund elf Mil­lionen Euro Jah­res­ge­halt ist er der best­ver­die­nende fran­zö­si­sche Sportler. Doch dann geht wieder alles schief: Als im April die Affäre mit einer 17-jäh­rigen Pro­sti­tu­ierten bekannt wird, lässt Real ihn wie eine heiße Kar­toffel fallen. Aus dem Cham­pa­gner-Fuß­baller wird auch in Deutsch­land über Nacht der ver­lo­gene Sohn“ („Spiegel“). Eine Haft­strafe droht. Dazu die Umstände: Er, der ver­hei­ra­tete Fami­li­en­vater, der für seine alge­risch­stäm­mige Frau zum Islam kon­ver­tiert ist und den Namen Bilal Yusuf Mohammed ange­nommen hat, der als ein­ziger Bayern-Spieler auf dem Pro­mo­bild des Weiß­bier-Spon­sors dem Foto­grafen nicht mit einem Bier­glas zuprostet, hat Sex mit einer Min­der­jäh­rigen gehabt. Seine Exis­tenz steht plötz­lich auf der Kippe. Und mit ihr der Respekt, auf den er so lange hat ver­zichten müssen. Als er bei der WM in Süd­afrika auch noch als einer der Rädels­führer bei der Meu­terei gegen Natio­nal­coach Ray­mond Domenech iden­ti­fi­ziert wird, wird er in der Heimat vor­über­ge­hend zur Per­sona non grata. In Bou­logne sorgt der Bür­ger­meister dafür, dass ein über­di­men­sio­nales Spon­so­ren­plakat mit Ribérys Kon­terfei ver­schwindet.

„ Isch abe gemacht fünf Jahre mehr.“

Der FC Bayern erkennt den schick­sal­haften Augen­blick, besinnt sich auf seine Urtu­genden und baut einen Schutz­wall um seinen Star. Mann­schafts­ka­pitän Mark van Bommel steht am Abend nach Bekannt­werden der Pro­sti­tu­ier­ten­af­färe vor der Haustür der Ribérys und tritt im Ehe­kon­flikt als Ver­mittler auf. Uli Hoeneß lädt den geschun­denen Sch’ti zu sich an den Tegernsee ein und schmeißt ihn zu mit all seiner Für­sorge. Die Ereig­nisse öffnen Ribéry die Augen. Als die Mann­schaft am Mari­en­platz das Double 2010 feiert, spricht er die Worte, die für Bayern-Fans bald den Stel­len­wert ein­nehmen, den Ken­nedys Rede einst für West-Berlin besaß: Isch abe gemacht fünf Jahre mehr.“

Er wird seine Kar­riere beim FC Bayern beenden. Wenn der kürz­lich erneut ver­län­gerte Kon­trakt aus­läuft, ist er 34. Sein Deutsch wird stetig besser, was auch posi­tive Effekte auf seine Mut­ter­sprache haben soll, wie man aus der Heimat hört. Ribéry ist kein Legionär mehr, er ist nun inte­graler Bestand­teil der Bayern-Familie. Neben dem baju­wa­ri­schen Kum­peltyp Thomas Müller und dem recht­schaf­fenen Klas­sen­spre­cher Philipp Lahm ist er die Sym­bol­figur des modernen, welt­läu­figen FC Bayern. Galt lange nur der Geschäfts­sinn von Uli Hoeneß als Inbe­griff für bay­ri­sche Schlitz­oh­rig­keit, ver­leiht neu­er­dings der anar­chi­sche Nord­fran­zose diesem Leit­bild auch eine spie­le­ri­sche Kom­po­nente. Früher prägten Leit­wölfe wie Stefan Effen­berg oder Oliver Kahn mit Ell­bogen und Gebrüll das Auf­treten des Klubs, nun sind es das uner­schöpf­liche Fin­ten­re­per­toire und der reni­tente Indi­vi­dua­lismus des Franck Ribéry. Keinem Bun­des­li­gisten ist es in sechs Spiel­zeiten gelungen, den Ribéry-Code, diese Kombi aus hohem Tempo, belast­barer Physis und unor­tho­doxen Bewe­gungen, voll­ends zu ent­schlüs­seln.

Rat­schläge

Und Ribéry ist neu­er­dings auch bereit, Rat­schläge anzu­nehmen. Als ihn Pep Guar­diola zum Trai­nings­auf­takt fragte, ob er sich vor­stellen könne, statt über Links­außen auch auf der Zeh­ner­po­si­tion zu spielen, ant­wor­tete er, man könne ihn offensiv fle­xibel ein­setzen. Als Louis van Gaal 2009 nach Mün­chen kam, sah das anders aus. Louis wollte ihn als Nummer 10 und ihn mit allen Frei­heiten aus­statten“, erin­nert sich Van Gaals Co-Trainer Andries Jonker, aber das Angebot lehnte Franck ab, er wollte weiter auf Links spielen. Also sagte Louis: ›Dann musst du auch nach hinten arbeiten.“

Womög­lich hat Van Gaal nur den Fehler gemacht, ihn nicht wie Hitz­feld freund­lich zu fragen, ob er die Auf­gabe über­nehmen wolle, son­dern sie ihm brüsk auf­ge­tragen. Und mit Bevor­mun­dungen ist das eben so eine Sache. Die selbst­ge­wisse Art von Van Gaal, der nicht akzep­tiert, dass ein Frei­geist wie Ribéry sich nicht voll­ends in eine Scha­blone pressen lässt, führte zur Ent­zweiung mit dem Stra­ßen­fuß­baller, der fortan oft schmol­lend über den Trai­nings­platz trot­tete. Mög­li­cher­weise ist er unter Louis van Gaal das erste Mal mit Dis­zi­plin kon­fron­tiert worden“, erklärt Andries Jonker. Man merkte, dass er nicht gewohnt war, auf man­gelnden Ein­satz ange­spro­chen zu werden.“

Erst der weise Fuß­ball-Methu­salem Jupp Heynckes gab Ribéry seine Freude zurück und rang ihm die Bereit­schaft ab, dazu­zu­lernen. Im intimen Zwie­ge­spräch machte er ihm bewusst, dass Aus­er­wählte wie er für atem­be­rau­bende Dribb­lings zwar ver­ehrt, aber nur für Grät­schen in der eigenen Abwehr und das Spiel ohne Ball wirk­lich geliebt werden. Seither ist Ribéry in der Umschalt­be­we­gung viel aktiver geworden. Die Chancen, dass sich diese Ent­wick­lung unter Guar­diola fort­setzt, stehen gut. Schließ­lich wirkt auch der Spa­nier bescheiden und inte­grativ auf die Mann­schaft – und ins­be­son­dere auf den Fran­zosen, den er sich offenbar auf der Messi-Posi­tion vor­stellen kann.

Zum Welt­fuß­baller wird es wohl den­noch nicht rei­chen. Denn selten hing der Erfolg eines Klubs so sehr mit mann­schaft­li­cher Geschlos­sen­heit zusammen. Beim FC Bayern waren es in der Saison 2012/13 immer wieder andere, die in wich­tigen Spielen den Unter­schied aus­machten. Und: Für einen Profi mit seiner Bega­bung hat Ribéry im direkten Ver­gleich zu Lionel Messi und Cris­tiano Ronaldo noch zu viele Ball­ver­luste. Um Welt­fuß­baller zu werden,“ urteilt Andries Jonker, muss er dem Spiel noch mehr seinen eigenen Rhythmus geben. Er hat manchmal noch zu viel Zug zum Tor.“

Ein Erin­ne­rungs­foto mit Lionel Messi

Dass ihm ein Quänt­chen fehlt, scheint er irgendwie akzep­tiert zu haben. Als die Bayern im April daheim den FC Bar­ce­lona mit 4:0 demü­tigten, war­tete Ribéry mit seiner Entou­rage hin­terher brav vor der Umkleide auf Messi, um Erin­ne­rungs­fotos mit ihm zu machen. Dabei ist es gerade diese Form der Unbe­küm­mert­heit, die ihn zur Attrak­tion macht. Wie auf dem Platz agiert er auch im Leben ohne Netz und dop­pelten Boden. Seine ent­waff­nende Nai­vität stiftet ihn zu seinen Max & Moritz-Strei­chen an, macht ihn auf uneitle Art sym­pa­thisch, ver­leitet ihn aber auch oft zu Über­sprungs­hand­lungen. Wenn sich irgendwo ein Rudel bildet, ist Ribéry der erste, der sein Revier mar­kiert und die Brust her­aus­drückt, wie früher bei den Wochenend-Hand­ge­mengen.

Das Trai­ning ist vor­über, die Zuschauer haben das Sta­dion in Arco ver­lassen, da hält Franck Ribéry mit den Youngs­tern David Alaba, Emre Can, Diego Con­tento und Mit­chell Weiser am Mit­tel­kreis immer noch den Ball hoch. Wer einen Fehler macht, wird von den anderen mit einer sanften Ohr­feige bestraft. Es ist klar, dass der Fran­zose die Regeln vor­gibt, denn er wird so gut wie nie gezüch­tigt. Als Alaba zum Ohr­feigen antreten muss, tritt der Fran­zose auf ihn zu, blin­zelt und klatscht ihm mit aller Kraft links und rechts ein paar an den Hals. Es muss weh tun, man hört es bis auf die Tri­büne klat­schen. Der Öster­rei­cher schaut erschro­cken, doch als er Ribéry los­rennen sieht, muss er lachen und macht Jagd auf ihn. Wie zwei Welpen rasen sie über den Platz. Zwei begna­dete Fuß­baller, die rennen und rennen. Doch Franck Ribéry ist nicht zu fassen.