Die 20er Jahre: 1. FC Nürn­berg

Schon vor der ersten deut­schen Meis­ter­schaft 1920 wurden fast alle Spiel­be­richte über den Club“ in der Fach­zeit­schrift Fuß­ball“ mit dem Stan­dard­satz ein­ge­leitet: Bald nach Beginn stand bereits der Sieg der Nürn­berger fest…“ Unge­schlagen zogen die Wein­roten 1920 ins Finale um die Deut­sche Meis­ter­schaft ein und gewannen auch diese Partie gegen den Lokal­ri­valen und größten Kon­kur­renten SpVgg Fürth mit 2:0. Die sou­ve­räne Titel­ver­tei­di­gung im darauf fol­genden Jahr mit einem 5:0 im Finale gegen Vor­wärts Berlin fes­tigte den Nimbus der Nürn­berger, die abso­lute Fuß­ball­macht in Deutsch­land zu sein.

Die Domi­nanz der Club­berer ging sogar soweit, dass die Spieler selbst nach der durch­zechten Meis­ter­nacht 1921 am nächsten Tag Borussia Mön­chen­glad­bach bei einem Freund­schafts­spiel mit 6:0 abfer­tigten. Wir hatten so einen Kater und waren so kaputt, dass wir uns mit dem Ball nicht lange beschäf­tigen konnten“, erin­nerte sich Nürn­bergs legen­därer Tor­wart Heiner Stuhl­fauth. Jeder war froh, wenn er den Ball abgeben konnte, um nicht laufen zu müssen.“ Schließ­lich stellten die Nürn­berger einen ein­ma­ligen Rekord auf: Vom 8. Juli 1918 bis zum 5. Februar 1922 verlor der Club nicht eines seiner 104 Ver­bands­spiele (Gesamt­tor­ver­hältnis: 480:47).

Im 2 – 3‑5-System der 20er Jahre pflegte die Mann­schaft die damals als schot­ti­scher Stil“ benannte Spiel­weise: Mit end­losen Kurz­pass-Sta­fetten wurde der Ball ins geg­ne­ri­sche Tor getragen“. Beson­ders in der Technik und Ball­be­hand­lung waren die Club­berer ihren Geg­nern haus­hoch über­legen. Die größten Spieler waren der schier unüber­wind­bare Tor­hüter Stuhl­fauth und Mit­tel­läufer Hans Kalb. Kalb war das Hirn der Mann­schaft, Sepp Her­berger bezeich­nete ihn gar als den besten deut­schen Fuß­baller aller Zeiten. So galt damals auch der Spruch Club ohne Kalb – halb.“ Kalb war der Archetyp der spä­teren Effen­bergs, Stoitch­kows und ihrer Epi­gonen: Genial auf dem Spiel­feld, und um keine Aus­ein­an­der­set­zung mit dem Gegner, dem Schieds­richter und beson­ders den Zuschauern ver­legen.

1922 erreichten die Nürn­berger erneut das Finale. Der Ham­burger SV hielt jedoch mit Kick and Rush und über­hartem Ein­steigen dagegen. Nach Ende der regu­lären Spiel­zeit stand es 2:2 und da es zu jener Zeit noch keine Zeit­vor­gabe für die Ver­län­ge­rung gab, brach der Schieds­richter die Partie in der 190. (!) Minute wegen ein­set­zender Dun­kel­heit ab. Das Wie­der­ho­lungs­spiel musste der Schieds­richter beim Stande von 1:1 eben­falls abbre­chen, denn die Ham­burger hatten vier Nürn­berger so übel gefoult, dass die Roten nur noch zu siebt auf dem Feld standen – noch heute wird für dieses Jahr kein offi­zi­eller Meister geführt www​.11freunde​.de/​f​a​n​s​/​1​00297 .

Zwei Jahre später bezwangen die Nürn­berger den HSV im Finale dann ein­deutig mit 2:0. Von der Meis­ter­mann­schaft 1924 waren 13 der 14 Club­berer Natio­nal­spieler. Im fol­genden Jahr sicherte sich der 1. FC Nürn­berg mit dem vierten Tri­umph auch den Titel Rekord­meister“.

Den letzten Meis­ter­schafts­ge­winn in der gol­denen Ära errang der Club 1927 mit einem 2:0 über Hertha BSC. In den Jahren 1929 und 1930 erreichten die Nürn­berger noch das Halb­fi­nale, aber mit dem Kar­rie­re­ende von Kalb und Co. endete auch die große Domi­nanz des Clubs. Nicht nur das Aus­scheiden der besten Spieler machte den Nürn­ber­gern jedoch zu schaffen, auch das neue W‑M-Spiel­system mit fünf statt zwei Ver­tei­di­gern gab die große Club-Stärke, das Kurz­pass-Spiel, der Nutz­lo­sig­keit preis. So klingt Hans Kalbs deut­liche Mei­nung zu dieser Spiel­weise wie ein Ver­mächtnis an heu­tigen Ver­fechter des Catenaccio und Ergeb­nis­fuß­balls: Als wahrer Sportler soll man auch ver­lieren können – nur bla­mieren darf man sich nicht! Das Mauern aber ist Bla­mage!“

Die 30er Jahre: Schalke 04

Anfang der Drei­ßiger Jahre hat Schalke in etwa den glei­chen Status wie heute: ein großer Klub mit vielen Fans und starken Spie­lern – aber ohne Titel. Ähn­lich wie in der ver­gan­genen Saison, als die favo­ri­sierten Königs­blauen mit 0:2 in Dort­mund ver­loren und die Meis­ter­schaft ver­spielten, ver­mas­selten sie auch ihr erstes End­spiel 1933. Mit 0:3 gingen die Knappen gegen For­tuna Düs­sel­dorf unter und mussten die fest ein­ge­plante Feier mit den Fans absagen. Noch in der Kabine schworen sich die Spieler, allen voran Ernst Kuzorra und seine Schwager Szepan: Das pas­siert uns nie mehr. Im nächsten Jahr schaffen wir es.“

Sou­verän erreichten die Schalker auch 1934 das Finale. Und die Aus­sicht, gegen den Rekord­meister 1. FC Nürn­berg den ersten Titel zu errei­chen setzte bei allen Spie­lern unglaub­liche Kräfte frei. Beson­ders bei Kuzorra, er kämpfte sich mit einem Leis­ten­bruch herum, lief trotzdem auf und peitschte seine Mit­spieler an: Ich bin euer Kapitän. Ich weiß, dass ihr mich braucht. Also lasse ich euch nicht im Stich.“ Kuzorra steckte wäh­rend der gesamten Partie nie auf, und in der letzten Minute erzielte er aus 22 Metern das ent­schei­dende 2:1. Durch seinen Schuss hatte sich die Ver­let­zung jedoch so ver­schlim­mert, dass er vom Platz getragen werden musste.

Erneut leis­tete die Mann­schaft nach dem End­spiel einen Kabi­nen­schwur. Diesmal wollten sie unbe­dingt die Titel­ver­tei­di­gung errei­chen. Der Zusam­men­halt trieb die Schalker auch im fol­genden Jahr zur Meis­ter­schaft. Im Finale gegen Stutt­gart standen acht Spieler in den Reihen der Königs­blauen, die in Gel­sen­kir­chen geboren waren. So eine Quote gab es nie wieder bei einem deut­schen Titel­träger.

Zusätz­lich zu dem über­ra­genden Team­geist war natür­lich das schnelle Pass­spiel, der Schalker Kreisel“, das große Erfolgs­ge­heimnis der Knappen. Im End­spiel 1937 strömten 101.000 Zuschauer ins Ber­liner Olym­pia­sta­dion, um die beiden besten deut­schen Mann­schaften, Schalke und Nürn­berg, zu sehen. Auf dem Schwarz­markt wurden für die begehrten Ein­tritts­karten sogar Fahr­räder oder Damen­hüte geboten. Dank des Wun­der­stür­mers Kal­witzki tri­um­phierten die Schalker mit 2:0 und konnten zum dritten Mal die Vik­toria“ in den Armen halten. Trainer Bumbas“ Schmidt lobte seine Spieler als die beste Schalker Mann­schaft von allen“.

Der dritte Titel war nur die Grund­lage für eine scheinbar unan­tast­bare Domi­nanz der Königs­blauen wäh­rend der fol­genden Jahre. Im Januar 1938 gewann Schalke 04 als erster Verein in Deutsch­land mit dem Pokal­sieg das Double. Im Meis­ter­schafts­fi­nale 1939 deklas­sierten die Gel­sen­kir­chener Admira Wacker Wien gar mit 9:0, auch ein Jahr später siegten sie im End­spiel – dieses Mal gegen Helmut Schöns Dresdner SC mit 1:0. Das Finale von 1940 war ein Sinn­bild für die Erfolgs­serie der Schalker. Die Sachsen ver­suchten mit einer mas­siven Deckung vor­nehm­lich das geg­ne­ri­sche Kom­bi­na­ti­ons­spiel zu zer­stören, doch die Knappen zogen stur ihre Offen­siv­taktik durch und gewannen durch eine Ein­zel­ak­tion von Kal­witzki, dem Bomber vom Dienst“. Egal, was der Gegner damals auch ver­suchte, die Schalker hatten immer eine pas­sende Ant­wort.


Die 50er Jahre: 1. FC Kai­sers­lau­tern

Auch wenn der FCK 1948 sein erstes Meis­ter­schafts­end­spiel gegen den 1. FC Nürn­berg verlor, so war diese Partie doch die Geburts­stunde einer legen­dären Mann­schaft, der Walter-Elf“. Fritz Walter führte den Klub in den Nach­kriegs­wirren zusammen und arbei­tete für kurze Zeit sogar als Spie­ler­trainer. Die Stützen der Mann­schaft waren auch die spä­teren Welt­meister von ´54: Ottmar und Fritz Walter, Werner Lie­bich, Horst Eckel und Werner Kohl­meyer.

Den ersten Meis­ter­titel gewannen die Roten Teufel“ 1951 nach einem 2:1 über Preußen Münster. Bei diesem Spiel zeigte Ottmar Walter aller­größten Ein­satz. Wegen einer Ver­let­zung drohte ihm eine Ope­ra­tion – was damals auch die Fuß­bal­ler­kar­riere stark gefähr­dete. Doch Ottmar Walter spielte durch und erzielte sogar beide Tore per Kopf.
Nach dem erneuten Meis­ter­schafts­ge­winn 1953 mussten die deut­schen Ver­eine die Vor­macht­stel­lung des FCK nahtlos aner­kennen. In der End­runde verlor die Walter-Elf nicht ein Spiel, und im Finale wurde der VfB Stutt­gart mit 4:1 deklas­siert.

Auch in den fol­genden zwei Jahren erreichten die Roten Teufel“ das End­spiel, ver­loren beide Par­tien jedoch sen­sa­tio­nell mit 1:5 gegen Han­nover (1954) und mit 3:4 gegen Essen (1955). Die Spieler um Fritz Walter wussten also auch nur zu gut, was es heißt, als hoher Favorit den fest ein­ge­planten Titel nicht zu gewinnen.

Die 60er Jahre: 1. FC Köln

Was die Bayern vor dieser Saison mit mil­lio­nen­schweren Ein­käufen erzwingen wollen, ver­suchte der 1. FC Köln schon Anfang der Sech­ziger Jahre: mit großem finan­zi­ellen Auf­wand sollte mit aller Macht der Meis­ter­titel errungen werden. Spek­ta­ku­lärster Neu­zu­gang war der Boss“, Helmut Rahn. Aber auch Mit­tel­stürmer Chris­tian Müller (er sollte in dieser Saison in 28 Spielen eben so viele Tore schießen) und den tür­ki­schen Links­außen Coskun Tas lotste der cha­ris­ma­ti­sche FC-Prä­si­dent Franz Kremer an den Rhein.

Mit dem für dama­lige Zeiten rie­sigen Kader von 21 Spie­lern erreichten die Kölner zawr das Finale, dort mussten sie sich aller­dings dem HSV um Natio­nal­stürmer Uwe Seeler mit 2:1 geschlagen geben. Getreu der Kölner Fei­er­kultur berei­teten die Dom­städter ihrer Mann­schaft den­noch einen großen Emp­fang und kut­schierten die Spieler auf einem Rosen­mon­tags­wagen durch die Stadt.

1962 ver­pflich­tete der FC für sein Star­auf­gebot um Karl-Heinz Schnel­linger, Hans Schäfer und Leo Wilden end­lich den rich­tigen Trainer: Tschik Caj­kovski. Obwohl er sich von seinen Spie­lern duzen ließ, genoss er unein­ge­schränkte Auto­rität und war ein großer Moti­vator. Vor dem Finale 1962 gegen Nürn­berg wit­zelte er sogar: Wer ist diese komi­sche Nürn­berg? Wir putzen diese Team mit 5:1! Ist sich klar, werden wir auch Deut­scher Meister.“ Schließ­lich gewannen seine Spieler nur“ mit 4:0 und konnten end­lich die erste Meis­ter­schaft feiern. Und in Köln konnte end­lich Kar­neval im Mai gefeiert werden. Auf dem Rück­flug mit der Mann­schaft drehte der Pilot sogar ein paar Ehren­runden über dem Mün­gers­dorfer Sta­dion.

Die kon­se­quente Stra­tegie des FC-Prä­si­denten Kremer, den Verein zu moder­ni­sieren und pro­fes­sio­nelle Struk­turen zu eta­blieren, machte sich immer mehr bezahlt. Die Kölner brachten durch gezielte Nach­wuchs­ar­beit außerdem Talente wie Wolf­gang Overath und Wolf­gang Weber hervor. Selbst die Ver­eins­füh­rung eines auf­stre­benden Klubs namens Bayern Mün­chen besuchte das Trai­nings­ge­lände und holte sich sehr viele Anre­gungen.

Den größten Tri­umph fei­erten die Kölner jedoch in der ersten Bun­des­li­ga­saison 1963/64. Vom Beginn der Spiel­zeit an domi­nierte der FC die Liga, die Mann­schaft war ein­fach zu gut und zu aus­ge­gli­chen besetzt. Nur kurz nach der Win­ter­pause strau­chelten die Kölner und konnten ihre ersten drei Rück­run­den­par­tien nicht gewinnen. Dann stauchte Trainer Georg Feld­webel“ Knöpfle seine Spieler ordent­lich zusammen, die Geiß­böcke“ blieben in den rest­li­chen 14 Par­tien unge­schlagen und wurden der erste Meister der Bun­des­liga. Dieser Erfolg stieg den Kölner wohl etwas zu Kopf. Sie ver­pflich­teten für die nächste Saison den ersten Bra­si­lianer der Bun­des­liga, Zeze. Der als Ball­künstler Geprie­sene war ein gran­dioser Flop und ver­ließ den Verein nach fünf Bun­des­li­ga­spielen. Auch die große Domi­nanz kam den Köl­nern abhanden. Sie spielten in den fol­genden Jahren zwar regel­mäßig um den Titel, konnten ihn aber nicht mehr gewinnen.

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Im neuen 11FREUNDE-Heft findet Ihr die Geschichte der Frank­furter Mann­schaft, die die späten 50er Jahre domi­nierte. Ihr Geheimnis: Ein Bier bei Uschi.