Seite 2: Nicht zu verteidigen

Auch Lever­ku­sens Tor­wart Lukas Hra­decky stellte nach dem Vier­tel­final-Aus der Werkself gegen Inter kon­ster­niert fest: Es ist unmög­lich, so eine Mauer zu ver­tei­digen.“ Beim Treffer zum 2:0 hatte Lukaku seinen Gegen­spieler Edmond Tap­soba, der mit 1,90 Meter Kör­per­größe wahr­lich kein Leicht­ge­wicht ist, in Rin­ger­ma­nier abge­schüt­telt und den Ball im Fallen akro­ba­tisch um Hra­decky ins Tor gespit­zelt. Der Spiegel titelte pas­sen­der­weise: Lever­ku­sens Europa-League-Träume zer­bre­chen an Lukaku“.

Von Ander­lecht an die Welt­spitze

Der Prot­ago­nist beschrieb die Aktion gegen­über DAZN prag­ma­ti­scher: Sie haben mich gewarnt, dass er (Tap­soba, Anm. d. Red.) stark sei. Doch ich kann stärker sein als alle anderen.“ Was wie eine arro­gante War­nung klingt, zeigt viel­mehr den sehr ehr­gei­zigen Cha­rakter des Bel­giers. Bereits im Kin­des­alter ver­sprach Lukaku seiner Mutter, dass er pro­fes­sio­neller Fuß­baller werden und die Familie damit aus der Armut holen würde.

Und Lukaku hielt Wort. Im Alter von nur 16 Jahren fei­erte er für den RSC Ander­lecht sein Debüt in der ersten bel­gi­schen Liga. Schnell war vom nächsten Wun­der­kind die Rede. Jedoch konnte sich Lukaku beim FC Chelsea, zum dem er 2011 als 18-Jäh­riger wech­selte, nie richtig durch­setzen. Erst beim nicht ganz so schil­lernden FC Everton folgten Tore wie am Fließ­band und der vor­läu­fige Durch­bruch. Lukakus zwei Jahre bei Man­chester United ver­liefen dagegen wie­derum eher ent­täu­schend. Zwar traf der Bel­gier auch im Trikot der Red Devils regel­mäßig, Titel blieben aber aus. Nun hat er sein sport­li­ches Glück gefunden und ist bei Inter Mai­land end­gültig in der abso­luten Welt­spitze ange­kommen.

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Lau­taro Mar­tinez und Romelu Lukaku testen ihre Sta­bi­lität beim Jubeln.

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Bester Sturmduo der Welt?

Dabei kommt Lukaku das von Antonio Conte favo­ri­sierte 3 – 5‑2-System sehr ent­gegen. Es ist gera­dezu prä­de­sti­niert für ihn. Als Ziel­spieler von Inters Angriffen schießt er nicht nur Tore, son­dern agiert auch als mensch­ge­wor­dener Prell­bock, der Bälle behauptet und auf seine nach­rü­ckenden Team­kol­legen ablegt. Zusammen mit dem quir­ligen und drib­bel­starken Argen­ti­nier Lau­taro Mar­tinez, der gegen Donezk eben­falls dop­pelt traf, bildet Lukaku ein Sturmduo, das sich der­zeit wohl am aller­besten ergänzt. Beide legen sich gegen­seitig immer wieder Treffer auf, ackern für die Mann­schaft, indem sie geg­ne­ri­sche Ver­tei­di­gungs­li­nien atta­ckieren und nehmen somit per­ma­nent am Spiel ihres Teams teil.

So über­rascht es auch nicht, dass Lukaku auf die aus­ge­zeich­nete Team­chemie hin­weist: Wir wachsen jeden Tag enger zusammen. Es ist ein per­fekter Mix aus erfah­renen und jungen Spie­lern.“ Im Kader von Inter ist Lukaku trotz Rou­ti­niers wie Diego Godín oder Samir Hand­a­novic schon einer der erfah­rensten. Und das mit 27 Jahren. Da Lukaku schon seit über zehn Jahren im Pro­fi­zirkus mit­mischt, wird oft ver­gessen, dass er erst jetzt im besten Fuß­ball­alter ist.

Keine guten Nach­richten für die Kon­kur­renz. Vor allem der FC Sevilla hätte sich trotz fünf gewon­nener Europa-League-End­spiele in Folge wohl eher einen anderen Gegner gewünscht. Wenn Lukaku seine beängs­ti­gende Form auch im Finale am Frei­tag­abend auf den Platz bringt, dürften auch die anda­lu­si­schen Träume auf den sechsten Titel regel­recht am Bel­gier zer­schellen. So eine Mauer ist eben nicht zu ver­tei­digen.