Heu­relho Gomes
Die TSG Hof­fen­heim hat tur­bu­lente Wochen hinter sich. Zunächst hatte Trainer Marco Kurz ver­kündet, dass Tim Wiese wieder Stamm­tor­hüter sei. Nach zwei Spielen war diese Aus­sage aber wieder hin­fällig, denn Wiese wurde zum eigenen Schutz“ aus dem Kader gestri­chen. Gleich­zeitig ver­pflich­tete die TSG den dritten Keeper von Tot­tenham Hot­spur: Heu­relho Gomes. Der Spott folgte auf dem Fuße, denn bei You­tube kur­siert ein Clip mit dem Namen The Best of Heu­relho Gomes“. Das Video ver­brei­tete sich in Win­des­eile. Das Dumme: Es han­delt sich dabei um ein Pleiten-Pech-Pannen-Best-of. Im Spiel gegen den SC Frei­burg spot­tete Gomes mit guten Paraden und Reflexen zurück und spä­tes­tens nach 60 Minuten war klar: die TSG-Fans haben einen neuen Publi­kums­lieb­ling. Hat jemand behauptet, das Fuß­ball­ge­schäft sei lang­lebig?

Levin Özt­u­nali
0:2 gegen Frank­furt ver­loren und dann auch noch dieses: Levin Özt­u­nali, Kenner wissen: der Enkel von Uwe Seeler, wech­selt zu Bayer Lever­kusen. Was für ein beschei­denes Wochen­ende für den Ham­burger SV. Gut, Özi“ ist zwar erst 16 Jahre alt und könnte der dar­benden HSV-Offen­sive des­halb ohnehin noch nicht helfen, aber dass aus­ge­rechnet ein hoch­be­gabter Nach­kömm­ling des ewigen Uns Uwe“ den Bun­des­liga-Ever­green ver­lässt, um fortan in Lever­kusen zu kicken, zeigt, wie es aktuell um die Ham­burger steht. Beim HSV reagiert man viel zu oft zu spät!“, moserte auch Uwe him­self und meinte damit die ver­passten Ver­hand­lungen mit seinem Enkel. Er hätte auch die Leis­tung der Pro­fi­ab­tei­lung meinen können.

Stefan Reinartz
Der Lever­ku­sener Stefan Reinartz ist defi­nitiv kein Typ für viele Tore. Bis Sonn­tag­abend hatte er in 147 Pro­fi­spielen sieben Mal getroffen. Doch im Top­spiel gegen den amtie­renden Deut­schen Meister schoss er gleich zwei Tore – und verlor trotzdem. Schade, denn Reinartz ist ein grund­sym­pa­thi­scher Typ, der in Inter­views nicht über von Spiel zu Spiel denken“ spricht, son­dern sich gerne mal Gedanken über Altru­ismus“ oder pro­duk­tive Frei­zeit­ge­stal­tung macht.

Chris­tina Graf
Wir suchen deine Stimme“ hieß im ver­gan­genen Jahr nicht die sie­ben­und­zwan­zigste Popstern­chen-Show, son­dern eine Cas­ting-Sen­dung von Sky, bei der der Bezahl­sender die erste deut­sche Fuß­ball­kom­men­ta­torin suchte. Am Ende reg­nete es Lametta und Marcel Reif über­reichte den Sie­ger­pokal an Chris­tina Graf. Sonntag war es schließ­lich soweit. Graf durfte die Kra­cher­partie Jahn Regens­burg kom­men­tieren und tat unauf­ge­regt und solide. Die Welt“ fand das so toll, dass sie Grafs Debüt sogar tickerte. Das liest sich dann so: „›Ganz tro­cken von Sandro Wagner‹, sagt Graf. Und auch ihre Stimme hebt sich nur ganz nuan­ciert.“

Robert Lewan­dowski
Kein Zweifel: Robert Lewan­dowski ist momentan der modernste Stürmer der Bun­des­liga. Er stopft Löcher, er gewinnt Zwei­kämpfe, er spielt Spiel­ma­cher-Pässe und schießt Tore. Und wenn er einen guten Tag erwischt, dann darf man all diese Qua­li­täten in nur einem Spiel bewun­dern. Wie am Sonntag beim sen­sa­tio­nellen 3:2 gegen Bayer Lever­kusen. War das ein Genuss.

Srdan Lakic
Ach­tung, Senio­ren­heim-Meta­pher: Wie Phönix aus der Asche kehrte Srdan Lakic auf die Bun­des­li­ga­bühne zurück. Nach seinem Weg­gang aus Kai­sers­lau­tern wirkte der Stürmer wie das mensch­ge­wor­dene Abstell­gleis, in Wolfs­burg machte er 18 Spiele (0 Tore), in Hof­fen­heim lief er sechsmal auf (0 Tore). Der Neu­an­fang in Frank­furt ist mehr als geglückt. Zwei Tore in bester Straf­raum­stür­mer­tra­di­tion. Oder – Ach­tung, Senio­ren­heim-Meta­pher Teil 2! – Srdan Lakic bombte wie wei­land Gerd Müller.

Mario Mandzukic
Früher war es doch so: Wenn sich die Bayern für einen zwar talen­tierten, aber doch nicht unbe­dingt in Welt­klas­se­form befind­li­chen Stürmer ent­schieden, trug der meist Namen wie Adolfo Valencia, Rug­giero Riz­zi­telli oder Emil Kosta­dinov, spielte mehr schlecht als recht und war dann auch schon bald ver­gessen. Mit Mario Mandzukic ist das anders. Der kam vor der Saison vom VfL Wolfs­burg und man wird ihm nicht zu nahe treten, wenn man behauptet, dass er damals unge­fähr auf Kosta­dinov-Niveau ver­mutet wurde. Nach zwei wei­teren Toren gegen Mainz 05 führt Mandzukic nun die Tor­schüt­zen­liste der Bun­des­liga an. Mit 14 Tref­fern. Das sind schon zwei mehr, als Rug­giero Riz­zi­telli in 45 Spielen gelangen. Mandzu­kics Leis­tungen sind umso erstaun­li­cher, da auf der Bayern-Bank mit Claudio Pizarro und Mario Gomez zwei wasch­echte Tor­jäger sitzen. Dem Kroaten macht das offenbar nichts aus. Wie wohl Adolfo Valencia reagiert hätte?

Michel Bastos
Erste Spiel, gleich geil! Bzw.: Mit­tel­geil. Denn trotz seines Tores verlor Schalke gegen den Tabel­len­letzten aus Fürth mit 1:2. Das ist erschre­ckend. Ebenso wie die Tat­sache, dass Bastos‘ erste Worte auf Deutsch irgendwie die Stim­mung auf Schalke ein­fangen. In einem Inter­view nach dem Spiel sagte er: Gute Nacht.“

Kevin Volland
Man kennt solche Typen aus jeder Spiel­klasse, die der Fuß­ball zu bieten hat: nicht unbe­dingt in Talent gebadet, aber immer etwas bis­siger, knur­riger, unver­wüst­li­cher als der Rest der Mann­schaft. Und damit erfolg­reich. Hof­fen­heims Stürmer Kevin Volland ist so ein Urviech, er hat den Vor­teil, sogar tat­säch­lich in Talent gebadet worden zu sein (sonst wäre er schließ­lich nicht Bun­des­li­ga­spieler). Beim ebenso über­ra­schenden wie wich­tigen 2:1‑Sieg gegen den SC Frei­burg schoss Volland zwei Tore. Kein Bra­si­lianer, kein Peruaner, kein Ita­liener, nein, ein 20-Jäh­riger aus dem Ost­allgäu wird für die TSG zum Match­winner. Sachen gibt’s.

Nils Petersen
Werder ent­fachte ab der ersten Minute ein Offen­siv­feu­er­werk erster Güte. Doch bis zur 85. Minute rannte die Offen­sive gegen eine Wand aus Beton. Dann kam Nils Petersen. Aus dem Nichts. Ein Dop­pel­pack in drei Minuten. Es blieb die Gewiss­heit, dass sich Werder mit aller Kraft gegen das Image als neue graue Maus der Liga stemmt.

Mat­thias Sammer
Dieser Mann ist wie ein Tin­itus. Am Anfang ein leises Piepen, das man zunächst ver­sucht zu igno­rieren. Irgend­wann glaubt man, sich damit abge­funden zu haben. Aber dann reift doch die leid­liche Erkenntnis: Es geht einem ziem­lich auf den Sack. Mat­thias Sammer, Sport­vor­stand FC Bayern, hätte eigent­lich allen Grund, ein­fach mal gute Laune zu haben. Sein Arbeit­geber ist momentan wahr­schein­lich der hei­ßeste Scheiß in Fuß­ball-Europa. Doch Sammer? Meckert und motzt und mault wie ein Gar­ten­lauben-Rentner, dem jemand in den Gold­fisch-Teich gepin­kelt hat. Selbst beim sou­ve­ränen 3:0‑Sieg gegen Mainz fand Sammer etwas, um seiner noto­risch schlechten Laune Aus­druck zu ver­leihen. Diesmal war es Mainz-Trainer Thomas Tuchel, der von Sammer einen Ein­lauf erhielt: Tuchel hatte es gewagt, sich über das Sam­mer­sche Ver­halten nach einem Foul an einem seiner Ange­stellten zu beschweren. Es folgte ein wütender Dialog. Es ist wie ein Tin­itus: Immer da, aber irgend­wann reicht es.