Ansi Agolli, Alba­nien ist das erste Mal bei einer EM dabei. Ihr schönstes Erlebnis bis­lang?
Puh, wie soll ich da eine Szene hervor heben? Für mich ist das immer noch sur­real, dass wir dabei sind. Allein diese Tat­sache ist ein­fach groß­artig. Ich genieße jede Sekunde.

Bekommen Sie mit, was in der Heimat los ist?
Im Moment sind die Albaner die stol­zesten Men­schen auf der Welt! Überall im Land wehen die Fahnen, singen sich die Leute für uns die Seele aus dem Leib. Natür­lich bekommen auch wir Spieler das mit, wir brau­chen das, um uns in Tur­nier­stim­mung zu bringen. Das Gefühl ist über­wäl­ti­gend. Gleich­zeitig lastet aber auch ein enormer Druck auf uns – aber das nehmen wir gerne in Kauf, um unsere Lands­leute glück­lich zu machen.

Alba­nien ist ver­mut­lich eines der Länder, über die deut­sche Fans am wenigs­tens wissen. Ändern Sie das doch bitte und ver­raten uns die Stärken und Schwä­chen der Natio­nal­mann­schaft.
Wir leben von unserem Mann­schafts­geist, unserem Spirit. Also das, was Fuß­ball für mich aus­macht. Die Har­monie in unserer Mann­schaft ist wirk­lich fan­tas­tisch, viel­leicht sogar ein­zig­artig bei diesem Tur­nier. Und jeder von uns möchte bei dieser EM das Beste aus sich her­aus­holen. Wir ver­gießen hier unser Herz­blut, das ist unsere große Stärke. Und gleich­zeitig wissen wir natür­lich um unsere Schwä­chen: Wir haben keine her­aus­ra­genden Ein­zel­spieler, keinen Messi, keinen Ronaldo. Und wir sind sehr uner­fahren – wie das nun mal so ist als Debü­tant.

Alba­niens Trainer ist Gio­vanni De Biasi. Bitte beschreiben Sie uns seine Phi­lo­so­phie und seine tak­ti­sche Aus­rich­tung?
Er for­dert eiserne Dis­zi­plin, tak­ti­sche Ver­läss­lich­keit und das jeder Spieler in jeder Minute alles gibt. Der Trainer hat die Men­ta­lität dieser Mann­schaft nach­haltig geän­dert und uns zu einer echten Ein­heit geformt. Es ist kein Wunder, dass er es war, der uns nach Frank­reich geführt hat.

Das erste Spiel gegen die Schweiz ging knapp mit 0:1 ver­loren, Aus­löser der Nie­der­lage war die frühe Gelb-Rote Karte für ihren Kapitän Logik Cana nach 36 Minuten. In deut­schen Ama­teur­ver­einen müsste er dafür min­des­tens einen Kasten Bier ble­chen. Wie hält man das in Alba­nien?
Sie wissen doch, dass sich auch der Außen­seiter kein Bier vor dem Spiel leisten kann. (Lacht.) Ich fühle wirk­lich mit Lorik, schließ­lich ist die EM-Teil­nahme der Höhe­punkt seiner Kar­riere, und er ist einer unserer wich­tigsten Spieler. Und dann muss er im ersten Spiel so früh vom Platz, das ist mehr als unglück­lich. Aber hey, so ist Fuß­ball und das Spiel lebt nun mal davon, dass genau so was pas­sieren kann. Jetzt geht es darum, dass wir als Team reagieren und damit fertig werden.

Nun treffen Sie in Mar­seille auf den Gast­geber Frank­reich. Was erwarten Sie sich von dem Spiel?
Es wird hart, es wird ver­dammt schwierig, wir spielen gegen den Gast­geber und einen der Mit­fa­vo­riten auf den Titel – aber genau wegen sol­cher Spiele sind wir doch hier! Ich kann den Anpfiff kaum erwarten.

Wie werden Sie gegen Frank­reich spielen?
Jetzt muss ich Ihnen eine Fuß­baller-Ant­wort geben: Da fragen Sie besser den Trainer! Der wird sich schon was ein­fallen lassen, selbst gegen den Gast­geber. Wir Spieler sind bereit, um jeden Zen­ti­meter zu kämpfen. Wir haben Respekt vor den Fran­zosen – aber ganz sicher keine Angst.

Haben Sie die Kra­walle in Mar­seille ver­folgt?
Ja, natür­lich, so was geht an keinem Spieler vorbei. Dass so was pas­siert, ist natür­lich eine Tra­gödie. Solch ein Tur­nier ist dafür da, dass Fans aus ganz Europa zusammen kommen und gemeinsam feiern. Und nicht, um sich blutig zu schlagen. Die alba­ni­schen Fans haben in Lens beim Spiel gegen die Schweiz gezeigt, wie man fried­lich feiert, darauf bin ich stolz.

Haben sie schon Pläne, wie sie einen mög­li­chen Sen­sa­ti­ons­sieg bei dieser EM feiern?
(Lacht.) Allein die Teil­nahme ist für mich eine ein­zige Feier. Und ich kann ihnen ver­raten, dass die Party nach dem ent­schei­denden Qua­li­fi­ka­ti­ons­spiel gegen Arme­nien legendär war! Aber ganz ehr­lich: Für mich ist es der größte Erfolg, dass wir die Herzen unserer Fans gewonnen haben. Alles, was jetzt noch kommen sollte, ist die Kir­sche auf der Torte.