Seite 2: „England ist bereit für schwule Profis“

Drei Teams von Stone­wall FC gehen regel­mäßig auf Tore­jagd. Neben der ersten Mann­schaft, die am offi­zi­ellen Liga­be­trieb teil­nimmt (ver­gleichbar mit der deut­schen Lan­des­liga), nennen sich die beiden anderen Mann­schaften bewusst Sonn­tags- und Frei­zeit­ki­cker. Mehr als 70 Mit­glieder zählt der Club. Fast könnte man meinen, es han­dele sich um einen ganz nor­malen Fuß­ball­verein. Nach dem Spiel geht es gemeinsam ins Pub, es wird dis­ku­tiert, über den hart ein­stei­genden Gegner, den Schieds­richter, der viel­leicht etwas gegen Schwulen haben könnte – und die homo­phoben Sprüche, die auch heute noch fallen.

Wir werden als Men­schen wahr­ge­nommen, die ernst­haft Fuß­ball betreiben.“

Nicht ver­gessen sind die Beschimp­fungen von Geg­nern und Zuschauern in der Anfangs­zeit. Doch vieles habe sich in den ver­gan­genen Jahren gebes­sert, so Eric Najib, der sich 2001 dem Verein anschloss. Ein Grund dafür sieht Najib darin, dass sich sein Team von den Ste­reo­typen, die immer noch als Vor­ur­teil in den Köpfen vieler her­um­geis­tern, unter­scheiden. Wir werden als Men­schen wahr­ge­nommen, die ernst­haft Fuß­ball betreiben. Das hilft auf dem Weg zur Nor­ma­lität unge­mein.“ Natür­lich sei Eng­land ein auf­ge­schlos­senes Land“, London eine kos­mo­po­li­ti­sche Stadt, doch Najib will sich nicht zurück­lehnen.

Die Fuß­baller aus Stone­wall wollen aber nicht nur auf dem Fuß­ball­platz zeigen, dass Schwule durchaus mit dem runden Leder umgehen können. Najib sieht es als gesell­schaft­liche Auf­gabe an, die ver­staubte Ein­stel­lung man­cher Men­schen zu ändern. Stone­wall enga­giert sich des­halb in der Com­mu­nity, betreibt Netz­werk-Arbeit. Dass sich aus­ge­rechnet die Groß­bank Bar­clays, Namens­geber und Haupt­sponsor der Pre­mier League, in Stone­wall enga­giert, gibt den schwulen Kickern zusätz­li­chen Auf­trieb. Ob die Zeit auch reif ist für das Outing eines eng­li­schen Profis? Eric Najib schaut jetzt über­haupt nicht mehr grimmig drein. Es wird eines Tages pas­sieren und ich denke, dieser Fuß­baller wird große Unter­stüt­zung erfahren. Ja, Eng­land ist bereit, einen schwulen Fuß­ball­profi zu akzep­tieren.“

Bis es jedoch soweit ist, müssen sich die Fuß­baller von Stone­wall FC immer mal wieder einen schwu­len­feind­li­chen Spruch anhören. Doch Eric Najib reagiert in sol­chen Momenten nicht etwa wie sein Namens­vetter Can­tona es viel­leicht tun würde. Najib, der nicht ver­lieren kann, wird zum Diplomat: Meine Ant­wort auf Pro­vo­ka­tion ist die Bil­dung.“ Er knöpft sich den Gegner nicht vor, son­dern redet mit ihm. Nach dem Spiel. Ruhig und sach­lich erklärt er ihm dann, dass ein als Spaß ver­stan­dener Spruch zuweilen auch ras­sis­tisch sein kann. Und ver­let­zend. Eric Najib muss im vor­nehmen Barnes nicht nur Bälle halten, son­dern manchmal auch junge Fuß­baller erziehen. Alltag beim erfolg­reichsten schwulen Fuß­ball­verein der Welt.