Vier lange Tage hatte er alle warten lassen auf seine Worte. Poli­tiker, Fans, Trainer und die vielen Ehren­amt­li­chen, die sich Woche für Woche auf den Sport­plätzen dieses Fuß­ball­landes für ihre Ver­eine ins Zeug legen. Aus Sicht des Fuß­ball­spie­lers Mesut Özil kommen seine Worte sicher­lich einige Tage, wenn nicht gar Wochen zu spät. Aber immerhin hat sich Rein­hard Grindel jetzt geäu­ßert – und das für seine Ver­hält­nisse durchaus per­sön­lich und selbst­kri­tisch. Nur Kon­se­quenzen für sich zieht er nicht. Ich gebe offen zu, dass mich die per­sön­liche Kritik getroffen hat“, ließ der der Prä­si­dent des Deut­schen Fuß­ball-Bundes (DFB) über die Home­page des Ver­bands mit­teilen.

Gemeint war der Vor­wurf des Ras­sismus, den Özil am Sonntag so nach­haltig über Face­book und Twitter ver­breitet hatte – und der seither mehr als alles andere hier­zu­lande dis­ku­tiert wird. Rück­bli­ckend hätte ich als Prä­si­dent unmiss­ver­ständ­lich sagen sollen, was für mich als Person und für uns alle als Ver­band selbst­ver­ständ­lich ist: Jeg­liche Form ras­sis­ti­scher Anfein­dungen ist uner­träg­lich, nicht hin­nehmbar und nicht tole­rierbar“, ließ Grindel jetzt mit­teilen. Das galt im Fall Jerome Boateng, das gilt für Mesut Özil, das gilt auch für alle Spieler an der Basis, die einen Migra­ti­ons­hin­ter­grund haben.“

In den Augen von Grindel und seinen Hel­fern bin ich Deut­scher, wenn wir gewinnen“

Der 29-jäh­rige Özil war aus der deut­schen Natio­nal­mann­schaft zurück­ge­treten wie kein Fuß­baller vor ihm. Sein Abschied in drei Bot­schaften über vier Seiten war gleich­zeitig eine Abrech­nung mit dem DFB und vor allem dessen Prä­si­denten. Er wolle nicht länger als Sün­den­bock dienen für seine Inkom­pe­tenz und seine Unfä­hig­keit, seinen Job ordent­lich zu erle­digen“, schrieb Özil. Und: In den Augen von Grindel und seinen Hel­fern bin ich Deut­scher, wenn wir gewinnen, und ein Migrant, wenn wir ver­lieren.“

Eigent­lich war klar, dass der DFB-Prä­si­dent solch bar­sche Vor­würfe nicht auf sich sitzen lassen kann. Und doch mut­maßten einige, dass er den Skandal ein­fach aus­sitzt – weil es zu seinem unge­lenken Ver­halten bisher passen würde. Als ein Foto von Ilkay Gün­dogan und Özil mit dem tür­ki­schen Prä­si­denten Erdogan auf­ge­taucht war, ver­suchte der ehe­ma­lige Bun­des­tags­ab­ge­ord­nete, die Geschichte her­un­ter­zu­spielen. Dann sagte er lange Zeit gar nichts mehr, wäh­rend selbst die Natio­nal­mann­schaft sich in ihrer Ruhe von der Debatte gestört fühlte.

Und schließ­lich – nachdem die WM für das deut­sche Team das bekannt schlimme Ende genommen hatte -, gab Grindel Özil indi­rekt eine Mit­schuld daran und for­derte ihn auf, nun end­lich Stel­lung zu beziehen. Das tat der Mit­tel­feld­spieler vom eng­li­schen Pre­mier-League-Klub FC Arsenal dann auch, nur ganz anders und mit viel mehr Wucht, als es sich Grindel wohl jemals hätte vor­stellen können.