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3. Liga

Seite 2: Was die 3. Liga so besonders macht

Diese Teams spielen noch in Sta­dien, nicht in Arenen. Denn in der Regel ist die 3. Liga der fal­sche Zeit­punkt in der Ver­eins­ge­schichte, um in die Infra­struktur zu inves­tieren. See­len­lose Neu­bauten sind des­halb selten. Außerdem sind die Anfor­de­rungen an die Immo­bi­lien geringer als in der 2. Liga. Ein Dach ist nicht vor­ge­schrieben, sodass Pap­peln und Häuser den Spiel­stätten der Liga Cha­rakter geben.

Und auch das Per­sonal der Liga ist ein wildes Gemisch. Denn es ist ja so: Jeder, der in der 3. Liga spielt, tut das aus Gründen. Ent­weder ist er schnell oder tech­nisch bril­lant. Ent­weder er kann oder er will. Auf wen beides zutrifft, spielt höher. So lebt die Liga von einer herr­li­chen Dis­kre­panz. Unbe­dingter Wille trifft tech­ni­sches Unver­mögen oder eben andersrum. Sym­bol­bauch für dieses Phä­nomen ist die Wampe von Gie­sing. Sascha Möl­ders, Tor­schüt­zen­könig der ver­gangen Saison, fuß­bal­le­risch stark, dis­zi­pli­na­risch eben höchs­tens dritt­klassig. Wes­halb ihn Trainer Michael Köllner in dieser Woche sus­pen­dierte, doch die Frei­stel­lung des Kapi­täns, der in der Kabine sich angeb­lich manche Ver­bal­in­jurie geleistet haben, habe keine nega­tiven Aus­wir­kungen“ auf die Mann­schaft gehabt – ganz im Gegen­teil, und soviel dazu. 

Besser als Sex

In der 3. Liga ver­bar­ri­ka­dieren sich die Spieler und Funk­tio­näre nicht hinter Phrasen, son­dern geben bereit­willig Ein­blick in see­li­sche Abgründe. So kann es schon mal vor­kommen, dass ein ange­sta­chelter Spieler wie Jan Löh­manns­röben ober­kör­per­frei, mit um den Kopf geschwun­genen Schal davon schwa­dro­niert, dass der Auf­stieg mit Hansa Ros­tock schöner sei als der beste Sex”, den er in seinem Leben je hatte. Gedanken an die Außen­wir­kung bzw. über­haupt Gedanken muss man sich in der 3. Liga nicht machen. Sie ist kein Mas­sen­er­eignis, die Akteure wissen, dass nicht jedes Wort auf die Gold­waage gelegt wird.

Doch die Liga lebt eben nicht nur von mor­bidem Charme, son­dern von ihrer Span­nung. In der 3. Liga sind die Res­sourcen begrenzt, die Clubs können ihren Erfolg des­halb weniger prä­zise planen. Die 3. Liga ist der Tri­umph des Zufalls. Nicht selten kommt es vor, dass Mann­schaften zeit­gleich in Auf- und Abstiegs­kampf ver­strickt sind. Das führt auch dazu, dass Mann­schaften an roman­ti­sche Tugenden wie Wille, Ein­satz und Team­geist noch glauben, statt von der Men­ta­li­täts­scheiße zu spre­chen. 

Im Zweifel ent­scheidet hier nicht der Match­plan

So begrün­dete Mep­pens Trainer Rico Schmitt den Höhen­flug seiner Mann­schaft jüngst etwas eigen­artig: Wir haben unsere eigene 3G-Regel auf­ge­stellt. Wir waren gierig, gallig, giftig.” Dass mag in diesem Fall nur rhe­to­ri­sches Mittel gewesen sein, zeigt aber doch: Im Zweifel ent­scheidet hier nicht der Match­plan – son­dern die Ein­stel­lung. 

Ein letztes Detail passt übri­gens per­fekt zur frü­heren 2. Bun­des­liga: Trost­lose Mon­tags­spiele. Morgen emp­fängt Wehen Wies­baden den Hal­le­schen FC in der Brita-Arena vor geschätzten 2000 Zuschauern. Im Dezember. Schnee­treiben nicht aus­ge­schlossen und viel­leicht kom­men­tiert Markus Höhner. Das klingt ganz nach der guten alten Zeit. Das klingt nach Per­fek­tion des Unper­fekten.