Peer Kluge konnte die ganz dicken Geld­scheine ste­cken lassen, als er die Kol­legen nach seinem letzten Spiel für seinen alten Arbeit­geber zum Essen einlud. Denn es erschienen gerade einmal sechs Mann zu seinem Aus­stand. Hätte der Sachse alle Mit­spieler aus seiner Zeit bei Borussia ein­ge­laden, der Platz beim Ita­liener in Mön­chen­glad­bach hätte nicht aus­ge­reicht: Denn Kluge hatte in seinen sechs Jahren am Nie­der­rhein unge­fähr 100 Mann­schafts­kol­legen.

Vor allem in den ver­gan­genen drei Jahren war er Augen­zeuge einer Schwindel erre­genden Ein­kaufs­tour. Die Ver­eins­füh­rung wurde vor allem nach dem Sta­di­on­neubau schnell unge­duldig; statt durch Kon­ti­nuität sollten die Ziele durch Kraft­akte erreicht werden. Das Per­so­nal­ka­russel drehte sich in einem Höl­len­tempo und spuckte bei­spiels­weise in der Saison 2004/05 gleich 15 Neu­zu­gänge aus. Ein sport­li­ches Kon­zept war beim Kauf­haus des Wes­tens“ kaum zu erkennen – wie denn auch, wenn das Schloss im Spind der Trai­ner­ka­bine ständig aus­ge­tauscht werden musste. Dass man sich trotz ver­ein­zelt guter Ein­käufe (Oliver Neu­ville, Kasey Keller) nicht nur quan­ti­tativ, son­dern vor allem qua­li­tativ zu häufig ver­hoben hat, zeigt die fol­gende Hit­liste der absur­desten Trans­fer­ver­feh­lungen der letzten Jahre:

5. Der Balkan-Bal­lack

Im Som­mer­trai­nings­lager 2004 über­raschten Sport­di­rektor Hoch­stätter und Trainer Fach die Spieler mit Vla­dimir Ivic. Doch der per­fekten Neu­ver­pflich­tung“ wurde nur fünf Monate später dem Wunsch nach Ver­trags­auf­lö­sung nach­ge­kommen“. Neben Ivic kamen auch Marek Heinz oder David Degen über den roten Tep­pich und nahmen zum Abschied den Hin­ter­aus­gang.

4. Das Tor­un­ge­heuer

Alle schauten sie ver­legen zu Boden. Fans, Mit­spieler, Jour­na­listen. Alle hatten sie gelacht über den schwer­fäl­ligen Mit­tel­stürmer Kahe, auch genannt Shrek, das Tor-Unge­heuer“. Noch in der abge­lau­fenen Saison tum­melte er sich überall auf dem Spiel­feld, nur nicht im Straf­raum. Und nun hatte der Bra­si­lianer seine Borussia am fünften Spieltag über Nacht an die Tabel­len­spitze und sich auf Platz 1 der Tor­jä­ger­liste geschossen. Danach ver­lief Kahes Form­kurve syn­chron zu der Borus­sias.

3. Die Mit­tel­feld-Sturm­hoff­nung

Mikkel Thy­gesen schaute nervös. Nein, ein Stürmer sei er nicht, sagte er den erstaunten Jour­na­listen beim Antritts­ge­spräch, eher ein linker Mit­tel­feld­spieler. Komisch, immerhin wurde der Däne noch wenige Minuten zuvor von Trainer Jupp Heynckes als Angreifer vor­ge­stellt. Und den hätten die Borussen nach schlappen 13 Toren in 17 Hin­run­den­spielen und der bevor­ste­henden Ope­ra­tion von Oliver Neu­ville drin­gend nötig gehabt. Die Folge: Borussia schoss in der Rück­runde sogar nur zehn Tore und stieg ab. Thy­gesen saß meist nur draußen.

2. Die bel­gi­sche Diva

So jubelt man nicht“, schimpfte der dama­lige Trainer Jupp Heynckes, als Mit­tel­stürmer Wesley Sonck das 1:0‑Führungstor in Osna­brück erzielte. Sonck hatte alle Kol­legen weg­ge­schubst, um mit beiden Daumen auf seine Rücken­nummer zu deuten. Eine Szene, die alles aus­sagte über den ego­zen­tri­schen Bel­gier. Sonck brachte in seiner Zeit bei Borussia mehr Unruhe in den Verein als in des Geg­ners Straf­raum.

1. Der ein­bei­nige Star­stürmer

Auf Krü­cken kam Gio­vane Elber zur Ver­trags­un­ter­zeich­nung – ein Schien- und Waden­bein­bruch war noch nicht ganz aus­ge­heilt. Ich bin bald wieder am Ball“, lächelte der smarte Bra­si­lianer in die Kameras und zwar noch sehr häufig, denn der Hei­lungs­pro­zess sollte die kom­plette Rück­serie andauern. Zum Auf­takt der fol­genden Saison war Elber scheinbar fit und trom­melte: Wenn ich ein Tor schieße, renne ich nackt über den Platz.“ Elber schoss kein Tor, nach drei wei­teren Ein­wechs­lungen waren er und Borussia geschie­dene Leute. Gerade einmal 50 Minuten spielte er für Borussia
– da dürfte er zuletzt im Pri­vat­fern­sehen mit Tanz­part­nerin Isabel länger über das Par­kett gefegt sein.

Peer Kluge war Augen­zeuge, wie das Per­so­nal­ka­rus­sell zur Abwärts­spi­rale mutierte und Borussia in die 2. Liga hin­un­terzog. Man hätte die Mann­schaft punk­tuell ver­stärken sollen, anstatt mit vielen teuren Spie­lern“, lau­teten seine letzten Worte im
Trikot mit der Raute. Und weiter: Ich hoffe, dass hier end­lich Kon­stanz her­ein­kommt.“ Kon­stanz scheint nun wieder da zu sein. Sport­di­rektor Chris­tian Ziege macht auf der Kom­man­do­brücke einen unauf­ge­regten Job, die Neu­zu­gänge Alex­ander Voigt oder Roel Brou­wers, Sascha Rösler oder Patrick Paauwe ver­sprühen nicht mehr den Grö­ßen­wahn der ver­gan­genen Jahre. Borussia scheint mit dem Abstieg unten ange­kommen, die Ver­ant­wort­li­chen geerdet. Zeit, dass es wieder bergauf geht.