Lucien Favre kann froh sein, dass Donald Trump nicht Trainer in der Bun­des­liga ist, womög­lich sogar beim FC Bayern. Dann würde es Dort­munds Trainer vor dem Spiel gegen die Münchner, (das übri­gens bitte, bitte nie­mand mehr deut­scher Cla­sico“ nennen sollte), ver­mut­lich ganz schön abbe­kommen. Im Stil seiner typi­schen Rüpe­leien würde ihn Trump zwar nicht als Sleepy Lucien“ bezeichnen, denn ver­schlafen wirkt Favre nun wirk­lich nicht, aber ansonsten lie­fert der erra­ti­sche Schweizer genug Vor­lagen für Spott. Wegen seiner Lei­se­klatsch­technik mit den Hand­ballen würde Trump ihn viel­leicht Clap­ping Lucien“ nennen. Oder, wenn Favre mal wieder wie ein kon­ster­niertes Eich­hörn­chen drein­schaut, das gerade vom Licht­kegel eines Auto­schein­wer­fers erwischt worden ist, The Squirrel“. Sicher würde ihm noch gemei­nere Gemein­heiten ein­fallen, Lucien Favre ist halt der Nerd unter den Bun­des­li­ga­trai­nern.

Mur­mel­tiertag in Schwarz-Gelb

In seinen knapp zwei­ein­halb Jahren beim BVB ist er aber auch zum Trainer mit den sieben Leben geworden. Schon mehr­fach war er nur eine wei­tere Nie­der­lage von der Ent­las­sung ent­fernt – und begann prompt zu gewinnen. Zuletzt vor zwei Wochen braute sich mal wieder Unge­mach zusammen, als der BVB mit 1:3 bei Lazio Rom verlor. Wir haben die Abstands­regel vor­bild­lich ein­ge­halten“, spot­tete Sport­di­rektor Michael Zorc, nachdem die Dort­munder Mann­schaft beein­dru­ckend lah­mar­schig über den Rasen des Olym­pia­sta­dions geschlurft war. Es war Mur­mel­tiertag in Schwarz-Gelb, denn wieder mal stand die gute alte Men­ta­li­täts­frage im Raum, die der Ent­rückte am Sei­ten­rand bis­lang nie ganz beant­worten konnte.

Nur: Seitdem hat der BVB vier Spiele gewonnen, ohne ein Gegentor zu kas­sieren. Die Gegner waren mit Schalke, St. Peters­burg, Bie­le­feld und Brügge zuge­geben nicht aus der geho­benen Kate­gorie, aber bemer­kens­wert ist das den­noch. Zumal Favre von Spiel zu Spiel teil­weise rotieren, teils gezwun­ge­ner­maßen wech­seln musste, etwa wegen der Ver­let­zung von Mats Hum­mels. Beim Sieg in Brügge fand er über­ra­schend mit Axel Witsel einen starken Ersatz für Dort­munds zuletzt wich­tigsten Spieler.