Am 26. Mai 2004 ist der AS Monaco an Europas Spitze ange­kommen. Mil­lionen Fuß­ball­fans sehen das Cham­pions-League-Finale und der Klub aus dem Fürs­tentum ist mit­ten­drin. End­lich hat der Verein den Gla­mour, den der Stadt­staat seit jeher aus­strahlt. Auf dem Platz steht ein ein­ge­spieltes Team um Patrice Evra, Fer­nando Mori­entes und Ludovic Giuly, das auf dem Weg ins End­spiel auch Real Madrid aus dem Weg geräumt hatte. Obwohl das Finale gegen den FC Porto letzt­lich klar mit 0:3 ver­loren geht, ist es Monacos größter inter­na­tio­naler Erfolg. Er hat das Selbst­ver­ständnis des Ver­eins geprägt.

Ludovic Giuly, im Finale von 2004 ver­letzt aus­ge­wech­selt, wech­selte anschlie­ßend als gefürch­teter Rechts­außen zum FC Bar­ce­lona. 2011 kehrte er nach Monaco zurück, aller­dings unter ganz anderen Vor­zei­chen. Er erin­nert an die Glanz­zeit des Ver­eins wie ein spie­lendes Denkmal. Bevor er 2004 nach Spa­nien wech­selte, führte er den AS Monaco in sieben Jahren viermal unter die besten vier Mann­schaften der fran­zö­si­schen Eli­te­klasse. Mit heute 35 Jahren läuft Giuly aber wie sein Klub der alten Form hin­terher.

Der sport­liche Erfolg ist an der Côte d’Azur schon längst nicht mehr zu Hause. Immer schlech­tere Plat­zie­rungen fanden ihren Höhe­punkt im Abstieg im ver­gan­genen Sommer. Und auch der Sai­son­start in der Ligue 2 hätte ernüch­ternder kaum laufen können: Statt dem Wie­der­auf­stieg ent­gegen zu eilen, belegte der Klub zur Win­ter­pause den letzten Rang. Fehler in der Per­so­nal­pla­nung mussten daher mit neuem Geld aus­ge­bü­gelt werden.

Dün­ge­mittel, dann Fuß­ball

Nachdem man sich zuvor lange dagegen gewehrt hatte, sah sich der Verein im Dezember dazu gezwungen, die Ver­ant­wor­tung erst­mals an einen aus­län­di­schen Investor zu ver­kaufen. Eine kleine Revo­lu­tion: In der Heimat der Rei­chen und noch Rei­cheren hat nun der rus­si­sche Mil­li­ardär Dmitri Rybo­lowlew das Sagen. Der 45-Jäh­rige hat einen Groß­teil seines Ver­mö­gens als Besitzer eines Unter­neh­mens für Dün­ge­mittel gemacht. Jetzt erwarb er zwei Drittel der Anteile der Pro­fi­ab­tei­lung des ASM und instal­lierte sich als neuer Prä­si­dent. 

Der AS Monaco steht für den Stolz und die Tra­di­tionen des Fürs­ten­tums“, gibt sich der Russe gegen­über der fran­zö­si­schen Zei­tung L´Equipe“ pflicht­be­wusst. Als lang­jäh­riger Wahl­mo­ne­gasse fühle er sich mit dem Klub ver­bunden; er hofft auf eine effi­zi­ente Part­ner­schaft“. Die Pläne sind ehr­geizig, in den nächsten vier Jahren sollen min­des­tens 100 Mil­lionen Euro in den Verein fließen. Geld scheint für den Russen nur ein gering­fü­giges Pro­blem zu sein: Kurz vor der Über­nahme hatte Rybo­lowlew seiner Tochter ein Appar­te­ment in New York gekauft – für knapp 67 Mil­lionen Euro.

Neun Neu­zu­gänge im Winter. Dar­unter auch Andreas Wolf

Zunächst einmal gilt es in Monaco aber, den Sturz in den Ama­teur­be­reich abzu­wenden. Neun Spieler kamen dank der neuen Kauf­kraft bereits im Winter. Konnte man im Vor­jahr mit Maha­madou Diarra noch einen Spieler von Real Madrid in den Stadt­staat locken, heißen die Hoff­nungs­träger jetzt Andreas Wolf, Geor­gios Tzavellas und Nacer Bara­zite. 

Es war der dritte Umbau binnen eines Jahres. Ledig­lich fünf Akteure aus dem aktu­ellen 36-Mann-Kader standen schon Anfang 2010 unter Ver­trag, die meisten davon Talente aus der eigenen Jugend. Da kommt die Erfah­rung von Andreas Wolf gerade recht. Nach 190 Bun­des­liga-Spielen für Bremen und Nürn­berg ver­steht er sich in der neuen Mann­schaft als Füh­rungs­spieler: Ich will vor­an­gehen. Ich denke, dass die neuen Spieler dem sehr jungen Team gut tun.“

Das erste Ziel: Nicht­ab­stieg!

Obwohl er wegen eines Faser­risses noch kein Spiel bestritten hat, spürt er den fri­schen Wind, der seit dem Ver­kauf am Stade Louis II weht: Es hat sich einiges getan im Verein.“ In Rybo­lowlew sieht Wolf einen super Back­ground“ für die lang­fris­tige Ent­wick­lung. Der per­so­nelle Umbau auf dem Platz und in den Logen habe für Opti­mismus gesorgt. Tat­säch­lich wurde der Abwärts­trend gestoppt: Seit Januar wurden fünf Siege ein­ge­fahren, der Anschluss an die Nicht-Abstiegs­plätze somit her­ge­stellt. 

Zu den Heim­spielen in Monaco, wo die Ein­woh­ner­zahl unwe­sent­lich größer ist als das Fas­sungs­ver­mögen des Sta­dions, kommen den­noch oft nicht mehr als 4.000 Gäste. Wolf sieht das prag­ma­tisch: Mit dem sport­li­chen Erfolg werde auch der Zuspruch wieder wachsen. Aber schon 2009/2010 konnte Monaco nur zwei Mil­lionen Euro an Zuschau­er­ein­nahmen ver­bu­chen – bei Olym­pique Mar­seille war es zwölf Mal so viel. 

Auf dem Platz gegen Istres, in den Plänen gegen Real Madrid

Den Träumen der Ver­eins­füh­rung tut das keinen Abbruch. Als sie­ben­fa­cher fran­zö­si­scher Meister ver­steht man sich als Teil des Eta­blis­se­ments. Spieler wie Youri Djor­kaeff und George Weah, Thierry Henry und David Tre­ze­guet schafften hier den Durch­bruch. Das Anspruchs­denken bleibt des­halb hoch. 

Ein­ziges Thema bei einer Pres­se­kon­fe­renz für vier der Win­ter­trans­fers war das neue Pro­jekt“, Monaco zu alter Glorie zurück­zu­führen. Zurück in die Königs­klasse des euro­päi­schen Fuß­balls, wo man 2004 schon einmal stand. Ein bemer­kens­werter Anspruch für einen Tabel­len­sieb­zehnten der Ligue 2. Trainer Marco Simone spricht sogar offen davon, dass der Klub durch die rus­si­schen Mil­lionen wieder näher an Real oder Chelsea“ rücken könnte.

Für Rou­ti­nier Wolf zählt hin­gegen nur das nächste Spiel: Lang­fris­tige Pläne sind okay für die Ver­eins­füh­rung. Wir Spieler dürfen aber nicht anfangen zu träumen.“ Beson­nene Worte in einem ansonsten sehr emo­tio­nalen Umfeld. Die Rea­lität in der Ligue 2 ist bis­weilen hart, wenn es vor acht Jahren noch um den Cham­pions-League-Titel ging. Zur Erin­ne­rung: Aktuell belegt die Mann­schaft Platz 17. Es ist der erste Nicht­ab­stiegs-Platz. Auf Andreas Wolf und den AS Monaco wartet noch viel Arbeit.