Es sind wirk­lich selt­same Zeiten, in denen wir leben. Das hat auch Carsten Bangel fest­ge­stellt. Seit 20 Jahren ist er Sta­di­on­spre­cher bei Tennis Borussia. Aber dass die geg­ne­ri­schen Fans seinen Anwei­sungen anstandslos folgen, das hat Bangel selten erlebt. Bei TeBes Heim­spiel gegen Lich­ten­berg 47 war das der Fall, als aus dem Block der Gäste leichte Gesänge anschwollen. Sie mögen das doch bitte unter­lassen, mahnte der Sta­di­on­spre­cher. Singen im Fuß­ball­sta­dion ist laut der Ber­liner Infek­ti­ons­schutz­ver­ord­nung näm­lich nicht erlaubt.

Dass die Lich­ten­berger tat­säch­lich ihren Sup­port ein­stellten, fand Bangel unge­fähr so bemer­kens­wert wie die Bilder, die er seitdem aus anderen Ber­liner Sta­dien gesehen hat: beim BFC Dynamo zum Bei­spiel, beim 1. FC Union oder bei Hertha BSC. Bei deren Spielen wurde zum Teil eifrig gesungen und geschrien – und offenbar fand das nie­mand bean­stan­dens­wert. Dabei gilt die Infek­ti­ons­schutz­ver­ord­nung nicht nur im Momm­sen­sta­dion, son­dern für ganz Berlin.

In Para­graf 5 (Wei­tere Hygiene- und Schutz­re­geln für beson­dere Bereiche) Absatz 8 heißt es dort: Fan-Gesänge und Sprech­chöre sind zu unter­lassen.“ Eine Aus­sage, die relativ wenig Inter­pre­ta­ti­ons­spiel­raum lässt. Eigent­lich. Doch wie so oft in Berlin, vor allem wäh­rend der Corona-Epi­demie, scheint es keine ein­heit­liche Anwen­dung der Regel zu geben.

Fans sangen und schrien – was sie nicht hätten tun dürfen

Der Text ist erst­mals im Tages­spiegel erschienen und Teil einer Medien-Koope­ra­tion

Das irri­tiert uns“, hat Carsten Bangel in der Pres­se­kon­fe­renz nach dem Heim­spiel von TeBe in der ver­gan­genen Woche ver­kündet. Wir sind durchaus gewillt, alle Maß­nahmen mit­zu­tragen, die epi­de­mio­lo­gisch ver­tretbar sind. Bloß wenn diese Maß­gabe in anderen Ber­liner Sta­dien offen­sicht­lich nicht gilt, haben wir dafür wenig bis gar kein Ver­ständnis.“ Für das Heim­spiel an diesem Freitag gegen Union Fürs­ten­walde haben die Fans jeden­falls ein paar gas­be­trie­bene Fan­faren bestellt, um wenigs­tens auf diese Weise gegen die unge­wohnte Stille anzu­kämpfen.

Als der Fuß­ball-Bun­des­li­gist Union Anfang Sep­tember, beim Test gegen den 1. FC Nürn­berg, erst­mals wieder vor Zuschauern an der Alten Förs­terei spielen durfte, hatte das Gesund­heitsamt Treptow-Köpe­nick eigens ihren Hygie­ne­refe­renten Denis Hedeler ins Sta­dion geschickt. Er sollte die Ein­hal­tung des Hygie­nekon­zepts begut­achten. Die Fans sangen und schrien – was sie nicht hätten tun dürfen. Trotzdem lobte Hedeler nach dem Spiel die Umset­zung der hygie­nere­le­vanten Vor­gaben. Beson­ders beein­druckt bin ich von den Fans, die die not­wen­digen Maß­nahmen annehmen und die Hygie­ne­re­geln ein­halten“, sagte er.