Heute ist Welt­fern­sehtag. Wir feiern das mit ein paar Klas­si­kern zum Thema. Lest heute vier Inter­views aus unserem Archiv: Heri­bert Faß­bender über die Sport­schau“, Wolf­gang Ley über Euro­sport“, Gaby Papen­burg über ran“ und Ulli Potofski über Anpfiff“. Gesam­melt findet ihr alle Inter­views hier.

Gaby Papen­burg, stimmt es eigent­lich, dass Rein­hold Beck­mann vor der ersten ran“-Sendung eine Index-Liste von alt­ba­ckenen Wör­tern und Phrasen an das Team ausgab?

Die gab es. Aller­dings galt diese Liste eher für die Kom­men­ta­toren.

Was durfte nicht mehr gesagt werden?
Das fass­ben­der­sche N’Abend aller­seits“ war natür­lich ver­pönt. Zudem Phrasen wie Olaf Thon steht heute auf dem Prüf­stand“ oder Mühsam ernährt sich das Eich­hörn­chen“. Schlimm auch Red­un­danzen wie Die nach­fol­gende Ecke brachte nichts ein“. Bei Ernst Huberty gingen bei sol­chen Null­sätzen die Alarm­glo­cken an.

Bei Ernst Huberty?
Er war einer von unseren Rhe­torik-Trai­nern, die Rein­hold Beck­mann für die Sen­dung enga­giert hatte. Das mag ver­wun­der­lich klingen, schließ­lich kam Huberty von der ARD, also von dort, wo dieser Sprech sich über Jahre ver­selb­stän­digt hatte. Doch Huberty war ein extrem guter Lehrer, und ich glaube, er hatte stets genü­gend Distanz zu dem Thema, um Plat­ti­tüden und Wort­hülsen ein­schätzen zu können.

Sie ver­ab­schie­deten sich aller­dings nicht nur vom Sportschau“-Vokabular. Was gerade zu Beginn für Ver­wir­rung sorgte, war die große Anzahl an Kameras.
Das war eines unser Haupt­an­liegen. Wir wollten mit den Gepflo­gen­heiten bre­chen, ein Spiel mit zwei oder drei Kameras zu erzählen. Bei ran“ hatten wir in Hoch­zeiten ja bis zu elf Kameras. 

Kri­tiker nör­gelten, dass ran“ diese aus­schließ­lich dafür ver­wen­dete, um die Ränge abzu­filmen?
Das war ja kein Geheimnis. Und das rief damals natür­lich etliche Fuß­ball­pu­risten auf den Plan, die meinten, dieser Schi­cki­micki-Rat­ten­schwanz gehöre nicht zum Fuß­ball. Nach dem Motto: Wichtig ist auf dem Platz.“ Das war auch unser Credo: Natür­lich ist wichtig auf dem Platz, doch wichtig ist eben auch neben dem Platz. Und daher scannte ein Kame­ra­team 90 Minuten die Ränge, und wenn was Inter­es­santes pas­sierte, dann hielten sie die Kamera drauf. Die rest­li­chen Kameras waren aber auf dem Spiel­feld, neun oder zehn Kameras. So konnte ein Spiel viel dichter und rasanter erzählt werden. Wir ori­en­tierten uns somit an dem Ver­such, den RTL zuvor mit Anpfiff“ unter­nommen hatte, die unserer Mei­nung nach schon vieles richtig gemacht hatten.

Auf das Sportschau“-geschulte Auge wirkte das neue Tempo gewöh­nungs­be­dürftig.
Viel­leicht haben wir den Zuschauer anfangs über­for­dert. Aller­dings schien sich das Publikum schnell daran gewöhnt zu haben, nach einigen ver­nich­tenden Kri­tiken in der Presse, gab es fast nur noch posi­tives Feed­back. Wobei ich nicht weiß, ob uns die Redak­ti­ons­as­sis­tenten die nega­tiven Kri­tiken unter­schlagen hat. (Lacht.)

Sie gehörten neben Nach­wuchs­mo­de­rator Johannes B. Kerner und dem Gründer Rein­hold Beck­mann zum ersten Team von ran“. Wie kamen Sie in das Team?

Als Rein­hold Beck­mann bei Sat1 anfing, arbei­tete ich bereits bei dem Sender. Ich war in der Sport­re­dak­tion tätig und hatte diverse Sport­über­tra­gungen mode­riert. Schon kurz nach seinem Ein­tritt bei Sat1 sagte Rein­hold mir, dass er gerne eine Frau im Team hätte und dass ich diese sein sollte.



Seit Carmen Thomas’ Schalke 05“-Fauxpas im Aktu­ellen Sport­studio“ hatte keine Frau mehr eine Fuß­ball­sen­dung mode­riert. Wie hoch war der Druck?
Eine gewisse Ner­vo­sität vor meiner ersten Sen­dung im Sep­tember 1992 war durchaus vor­handen. Zumin­dest war da die Sorge, dass die Män­ner­welt meine Mode­ra­tion nicht annehmen könnte.

Und dann trö­tete Peter Neururer noch: Ach, jetzt ver­sucht’s wieder mal eine Frau. Sollte die doch besser lassen.“
Ach, der Peter. (Lacht.) Das meinte der nicht so. Er hat diesen Satz damals in seiner typisch-flap­sigen Art gesagt, und somit nahm ich das nicht per­sön­lich. Ich hatte jeden­falls nie das Gefühl, dass er mir bei Inter­views Steine in den Weg legte oder mich in irgend­einer Art sabo­tierte.