Seite 2: Hummels hat sich in den letzten Monaten politisiert

Bei Borussia Dort­mund ist in der Saison, als es noch eine gab, viel pas­siert. Manchmal hat die Mann­schaft hin­rei­ßend gespielt, aber … Mats Hum­mels fällt in den Satz und sagt: „… man konnte sich bei uns absolut nicht sicher sein, ob man das in der nächsten Woche wieder bekommt.“ Er lacht und beginnt dann die Pro­bleme des BVB aus­ein­an­der­zu­nehmen. Dass näm­lich etwa das, was so oft als feh­lende Men­ta­lität bezeichnet wurde, ein viel­schich­tiges Pro­blem aus feh­lendem Mut und Übermut ist, aber auch einem Mangel an Läufen in die Tiefe, weil es bis zur Ankunft von Erling Haa­land keinen Stürmer gab, der das konnte.

Außerdem spricht er über zu großes Risiko an der fal­schen Stelle auf dem Platz und man­gelnde Ziel­stre­big­keit. Ziel­stre­big­keit mag ein etwas bieder klin­gender Begriff sein, aber für Hum­mels ist er ganz wichtig – spä­tes­tens seit seiner Zeit bei den Bayern. Das habe ich da noch mal mehr gelernt. Wenn Trai­nings­spiele in Mün­chen anstanden, wollten die Leute gewinnen. Da war richtig Feuer drin, und wer ver­loren hat, war sauer.“ Auch beim BVB sei es mal so gewesen, dass es auf dem Trai­nings­platz mal richtig schep­perte, wie bei den Bayern in diesem Jahr zwi­schen Leon Goretzka und Jerome Boateng. So was hatten wir in den frühen Dort­munder Jahren auch häu­figer, nur dass es nicht nach draußen gedrungen ist.“

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Hum­mels ver­tei­digt seinen Trainer Lucien Favre gegen­über dem aus­dau­ernden Gegrummel, das es gegen­über dem Schweizer gibt. Er mag seine Spiel­idee, seine Arbeits­weise und Liebe zum Detail. Für ihn erklärt sich die Unruhe des Publi­kums durch den langen Schatten von Favres Vor­vor­vor­vor­gänger. Die Leute ver­glei­chen seine Nach­folger immer noch mit Kloppo, so wie ich immer noch manchmal Euro in D‑Mark umrechne. Die Zeit mit ihm war unend­lich schön, aber das muss irgend­wann mal vorbei sein.“

Noch klarer gegen Ras­sismus

Doch Mats Hum­mels beschäf­tigt sich nicht nur mit Fuß­ball (oder Tennis, Bas­ket­ball und Hand­ball), die letzten Monate haben ihn auch poli­ti­siert. Die Argu­men­ta­tion der AfD und deren Art, poli­ti­sche Gegner zu dif­fa­mieren, stößt mir schon lange übel auf.“ Lange hätte er gedacht das sind halt ein paar Ver­irrte, die keinen Ein­fluss haben“. Diese Wahr­neh­mung hat sich aller­dings geän­dert, und des­halb will er sich, wie andere Fuß­bal­ler­profis in der letzten Zeit auch, noch klarer gegen Ras­sismus posi­tio­nieren.

Eigent­lich könnten wir noch viel länger zusam­men­sitzen, um über Fuß­ball, Politik und das Leben zu spre­chen, aber Mats Hum­mels muss jetzt noch ins Sta­dion, wo Urban Zintel auf ihn wartet, um ihn zu foto­gra­fieren. Für die letzte Aus­gabe von 11FREUNDE, die im Zeit­alter vor Corona (B.C.) ent­standen ist. Dank Mats Hum­mels hat das Gespräch mit ihm die Zei­ten­wende gut über­standen, auch wenn ganz aktuell andere Themen auf der Agenda stehen. In dieser Woche bittet Mats Hum­mels über das Twitter-Profil der Uni­klinik Essen für Blut­spenden, weil die Zahl der Spenden in der Corona-Krise ein­ge­bro­chen waren. Dem schließen wir uns gerne an.

Das Inter­view lest ihr in der neuen Aus­gabe von 11FREUNDE – jetzt im Handel!