Heri­bert Bruch­hagen, wie viel HSV steckt noch in Ihnen?
Meine beiden Töchter wohnen in Ham­burg, ich bin wei­terhin Mit­glied des HSV – eine gewisse emo­tio­nale Bin­dung kann ich also nicht ver­leugnen.
 
Dann werden Sie sich sicher­lich über den Klas­sen­er­halt des HSV gefreut haben.
Sagen wir es so: Ich bin sehr froh dar­über, dass wir auch in der nächsten Saison mit Ein­tracht Frank­furt Pflicht­spiele gegen den Ham­burger SV bestreiten werden.
 
Sie waren zwi­schen 1992 und 1995 Manager beim HSV. Trauern Sie eigent­lich immer noch dem ganz großen Trans­fer­kra­cher hin­terher?
Wen meinen Sie?
 
Hand Gottes“, Pibe de oro“, el Diez“ – klin­gelt es?
Diego Mara­dona. Jetzt kommen Sie auch mit der Geschichte um die Ecke? Nach 22 Jahren!
 
Im Oktober 1992 titelte die Sport Bild“: Mara­dona zum HSV – drei waren zu blöd“. Haupt­ver­ant­wort­lich für die Nicht-Ver­pflich­tung von Mara­dona sollen Sie gewesen sein.
Das war der größte Blöd­sinn aller Zeiten: Der Wechsel von Mara­dona zum HSV stand nie­mals zur Debatte. Nie! Und ehr­lich gesagt, hätte ich erwartet, dass Sie sich ein biss­chen besser infor­mieren, bevor Sie mir mit dieser alten Posse kommen.
 
Was meinen Sie?
Draht­zieher des Ganzen war ein Mann namens Johnny Sol­ter­beck…
 
…der wird in dem Artikel als Kieler Bau­un­ter­nehmer“ und schwer­rei­cher HSV-Neben­sponsor“ prä­sen­tiert.
Soll ich Ihnen mal was sagen? Herr Sol­ter­beck war zu diesem Zeit­punkt bereits vor­be­straft, ging später Pleite und konnte nicht mal die Rech­nungen für seine HSV-Tickets beglei­chen! Ein Träumer, der einem Jour­na­listen seine Geschichte erzählte und von angeb­li­chen Ver­bin­dungen zu Diego Mara­dona berich­tete. Der Jour­na­list schrieb das dann ein­fach auf. Für mich ist die Story noch immer der Pro­totyp für schlechte Recherche.
 
Mara­dona war also nie wirk­lich eine Option?
Wo denken Sie hin? Unser best­be­zahlter Spieler war 1992 Thomas von Heesen mit rund 30.000 DM im Monat.
 
Dafür wäre Mara­dona wahr­schein­lich nicht mal zum Trai­ning erschienen.
Ich wie­der­hole noch einmal: Die ganze Geschichte war die reine Lust am Blöd­sinn.
 
Schade eigent­lich. Sie sind seit nun­mehr 26 Jahren im Geschäft – wie häufig haben Sie es da mit sol­chen Fan­tasie-Geschichten zu tun gehabt?
Unmög­lich, darauf eine genaue Ant­wort zu geben. Das gehört leider zum Alltag dazu. Ich erlebe das doch gerade wieder im Zuge unserer Trai­ner­suche in Frank­furt: Jedes Medium nennt andere Kan­di­daten und ver­sucht seinen Wunsch­trainer in Posi­tion zu bringen. Aber wenn man sich davon beein­flussen lässt, hat man im Pro­fi­fuß­ball nichts zu suchen.
 
Nur, um das noch mal klar­zu­stellen: Diego Mara­dona als neuen Trainer von Ein­tracht Frank­furt wird es also nicht geben?
Tut mir leid, wenn ich Sie ent­täu­schen muss, aber die Chancen, dass Mara­dona Trainer bei der Ein­tracht wird, sind tat­säch­lich sehr gering.