Der kom­mende WM-Gast­geber war in letzter Zeit sehr oft im Gerede – Stich­wörter: Men­schen­rechte, Doping, Ner­ven­gift. Da wollen wir an dieser Stelle daran erin­nern, dass die Russen nicht immer nur Täter waren. Im Gegen­teil. Kaum einer Mann­schaft ist in der WM-Geschichte so hart­nä­ckig so übel mit­ge­spielt worden wie der Vor­gän­gerelf des rus­si­schen Teams, der Sowjet­union.

Der Höhe­punkt der Skan­dale wurde 1990 erreicht. Aber um zu ver­stehen, warum dem sowje­ti­schen Ver­band bei dieser WM der Kragen so gründ­lich platzte, dass Vize­prä­si­dent Nikita Simonyan per­sön­lich ins FIFA-Büro stürmte und Kraft­aus­drücke los­ließ, muss man zunächst weiter zurück in die Ver­gan­gen­heit bli­cken.

Zwei ver­wei­gerte Elf­meter

Zur WM 1982 in Spa­nien reisten die Sowjets mit Super­star Oleg Blochin an und trauten sich einiges zu, obwohl sie in eine schwie­rige Gruppe mit dem Wun­der­team der Bra­si­lianer um Socrates und Zico gelost worden waren. Im direkten Duell zeigte sich, wie begründet der Opti­mismus der Männer aus Ost­eu­ropa war. Sie ver­langten den Bra­si­lia­nern alles ab und lagen lange in Füh­rung. Dass sie am Ende 1:2 ver­loren, war nicht ihre Schuld, son­dern die von Lamo Cas­tillo, dem Mann in Schwarz.

Schieds­richter im Kreuz­feuer der Kritik,“ schrieb der Kicker“ in seiner nächsten Aus­gabe und setzte noch einen drauf: Cas­tillo half den Bra­si­lia­nern!“ Beim Stand von 0:0, so berich­tete das deut­sche Magazin, wurde der geor­gi­sche Wir­bel­wind Ramas Schen­gelia im Straf­raum umge­rissen. Außerdem beging der Bra­si­lianer Junior unmit­telbar nach dem Aus­gleich durch Socrates ein dreistes Hand­spiel im eigenen Straf­raum. Beide Male blieb der Elf­me­ter­pfiff jedoch aus.

In Spa­nien selbst wird man über die dürf­tige Leis­tung des Señor Cas­tillo kaum über­rascht gewesen sein. Einige Monate vor dem Tur­nier hatte näm­lich ein Unbe­kannter der Tages­zei­tung El Pais“ Doku­mente zuge­spielt, aus denen her­vor­ging, dass der Referee für die WM nomi­niert worden war, obwohl er höchst bedenk­liche Fit­ness­werte auf­wies. Es hieß, er wäre über­haupt nur des­wegen berufen worden, weil er ein gutes Ver­hältnis zum Chef der spa­ni­schen Schieds­richter pflegte.

Zwei Abseits­tore 

Vier Jahre später, bei der WM in Mexiko, hatte die Sowjet­union einen neuen Star – Igor Belanow. Der ukrai­ni­sche Stürmer war in so toller Ver­fas­sung, dass er einige Monate nach dem Tur­nier sogar zu Europas Fuß­baller des Jahres gewählt wurde. Und auch bei der WM zeigte er seine Klasse. Im Ach­tel­fi­nale gegen Bel­gien brachte Belanow seine Farben zweimal in Füh­rung. Zweimal glich der Gegner aus. Doch warum er das tat, das wusste allein der schwe­di­sche Referee Erik Fre­driksson.

Als Franky Ver­cau­teren in der 56. Minute eine Flanke vors Tor der UdSSR schlug, stand Enzo Scifo dort knapp, aber sehr gut erkennbar im Abseits. Und als Sté­phane Demol zwanzig Minuten später einen langen Ball nach vorne auf Jan Ceu­le­mans prü­gelte, lun­gerte der Stürmer so deut­lich im Abseits herum, dass der Lini­en­richter sofort seine Fahne hoch­riss. Doch dann ließ er sie aus uner­klär­li­chen Gründen wieder sinken. Beide Treffer zählten. Die Sowjets, die außerdem noch Latte und Pfosten trafen und mit­an­sehen mussten, wie ein Ball von der bel­gi­schen Linie gekratzt wurde, ver­loren die Partie in der Ver­län­ge­rung.