Rücken­nummer: 31. Name: Raheem Ster­ling. Posi­tion Links­außen. Geburts­datum: 8. Dezember 1994.

17 Jahre ist der Spieler jung, doch wer an einen Ergän­zungs­spieler denkt, hat weit gefehlt. Ster­ling ist fester Bestand­teil der ersten Mann­schaft der Reds“ und gilt jetzt schon als der Senk­recht­starter dieser Saison. Zum Ver­gleich: Alex Fer­guson ist acht Jahre länger Trainer von Man­chester United, als Ster­ling auf der Welt ist.

Die eng­li­schen Gazetten beju­beln das whizzkid“ eupho­risch. Und auch in Lever­kusen kennt man Raheem Ster­ling bereits. Gerade einmal zwei Minuten und drei Sekunden war Bayers Test­partie an der Anfield Road im August alt, als er seinen Gegen­spieler Daniel Schwaab wie mit Rake­ten­an­trieb über­lief, von links nach innen zog und den Ball gekonnt mit rechts ins lange Eck schlenzte. Ein Tor der Marke Robben. Fast noch dyna­mi­scher.

Er wuchs in Wem­bley auf – kein schöner Stadt­teil

Wer ist dieser Mann? Sein Klub ver­sucht, so gut es geht, die schüt­zende Hand über den New­comer zu halten. Bekannt ist, dass der gebür­tige Jamai­kaner mit fünf Jahren mit seiner Mutter nach Eng­land kam. Auf­ge­wachsen ist Raheem in Wem­bley, was für Fuß­ball­fans schöner klingt, als es tat­säch­lich ist. Der ehe­mals reiche Stadt­teil hatte zur Jahr­tau­send­wende viel vom alten Glanz ver­loren.

Ster­lings fuß­bal­le­ri­sche Strahl­kraft dagegen fielen früh auf. Über West Ham United gelangte er zu den Queens Park Ran­gers. Dort bril­lierte er so sehr, dass ihm die jamai­ka­ni­sche Tages­zei­tung The Gleaner“ bereits mit 14 Jahren die Titel­seite wid­mete. Darin gab sich Ster­ling, was die Län­der­spiel­kar­riere angeht, noch unent­schieden: Wenn Jamaika ruft, warum nicht?“

Dieses Thema scheint sich erle­digt zu haben. 21 Par­tien für Eng­lands Jugend­mann­schaften (vier Tore) folgte vor einem Monat über­ra­schend die erste Nomi­nie­rung für die A‑Elf der Three Lions“. In Eng­land hofft man seit 2010 auf einen Jugend­boom nach deut­schem Vor­bild. Nachdem der Ärger über die ver­passte Chance, Lewis Holtby für sich zu gewinnen, gewi­chen ist, setzt man große Erwar­tungen in Spieler wie Jack Wils­here, Alex Oxlade-Cham­ber­lain oder Danny Wel­beck – und neu­er­dings auch in Raheem Ster­ling.

Schon in der Jugend­liga wies der Hoff­nungs­träger regel­mäßig seine außer­ge­wöhn­liche Ball­be­hand­lung, Technik und Schnel­lig­keit nach – pas­send zum Nach­namen, zu Deutsch: gediegen“. Nur seinem zweiten Vor­namen Shaquille wird er nicht wirk­lich gerecht. Denn der 1,70 Meter kleine Ster­ling ist eher von schmäch­tiger Statur.

Wenn du gut genug bist, bist du auch alt genug“

Im Sommer 2010 folgte der Transfer nach Liver­pool, für eine Ablöse von rund 600.000 Pfund, die je nach Ein­satz­zeiten aber auf bis zu fünf Mil­lionen steigen kann. Schon kurz darauf, im Alter von 15 Jahren, durfte Ster­ling erst­mals für die erste Mann­schaft ran, im Test gegen Mön­chen­glad­bach. Auch sein neuer Trainer Brendan Rogers setzt auf ihn. Er hat mir gesagt: Wenn du gut genug bist, bist du auch alt genug“, gab Ster­ling gegen­über Liver­pools Video­kanal zu Pro­to­koll.

Schaut man auf seine bis­he­rige Sai­son­bi­lanz (fünf Liga­spiele, alle in der Startelf), dürfte sich Ex-Klub QPR schon bald über eine Nach­zah­lung freuen. Selbst Steven Ger­rard, seit Jahren der Fix­punkt in Liver­pools schwan­kendem Team, ist begeis­tert. Er ist ein fan­tas­ti­sches Talent, eines unserer Glanz­lichter dieses Jahr“, schwärmte er gegen­über dem Guar­dian“.

Noch ist Ster­ling in der Pre­mier League zwar kein Treffer gelungen, doch das scheint ledig­lich eine Frage der Zeit. Beflü­gelt von der Län­der­spiel­no­mi­nie­rung durch Roy Hodgson drehte er anschlie­ßend gegen Sun­der­land schon mal auf: Nachdem er den Aus­gleichs­treffer vor­be­reitet hatte, wählten ihn die Fans zum Man of the Match“.

Schon tau­chen die ersten Klatsch­ge­rüchte auf

Über­haupt scheint bei Ster­ling einiges schneller zu gehen als bei seinen Alters­ge­nossen. So will das Bou­le­vard­blatt The Sun“ von einer Twitter-Userin erfahren haben, dass der Flü­gel­spieler der Vater ihrer Tochter sei. Der Spieler oder sein Klub bestä­tigten diese Berichte nicht, doch es würde zu seiner rasanten Ent­wick­lung passen.

Die Regen­bo­gen­presse in Eng­land ist berüch­tigt für sol­cherlei Star­fieber. Wird Ster­ling zum Natio­nal­spieler, werden diese Gerüchte erst der Anfang gewesen sein. Steven Ger­rard mahnt daher auch mit Blick auf die Medien: Wir müssen Geduld haben. Wir dürfen nichts erzwingen und zu viel zu früh erwarten.“ Ein auf­rich­tiger, wich­tiger Appell. Doch wer wird schon darauf hören, wenn Ster­ling auf dem Platz die nächste Rakete startet?