Martin Kind redet gerne über seine Pläne mit Han­nover 96. Gibt große Inter­views in der Lokal­presse, in denen kri­ti­sche Fragen weit weniger wichtig sind als das anschlie­ßende Grup­pen­foto mit dem mäch­tigen Ver­eins­boss. Kri­ti­sche Fans bezeichnet Kind kate­go­risch als Min­der­heit, spricht dann schnell von radi­kalen Hard­core-Fans“, die mit Argu­menten nicht zu errei­chen seien. Was Kind nicht sehen will: Sein Verein ist tief gespalten. Die Mehr­heit der Mit­glieder hat ihm gerade das Ver­trauen ent­zogen. Für Vor­stände in anderen Ver­einen, denen wirk­lich etwas an ihrem Verein liegt, wäre das ein klares Signal: Das Ver­trauen ist futsch, jemand neues muss her. Doch Kind küm­mert das nicht.

Am Don­ners­tag­abend fand in Han­nover die jähr­liche Mit­glie­der­ver­samm­lung statt. Die Ent­schei­dungen und Kon­se­quenzen der letzten Ver­samm­lung sind noch heute spürbar. Ultras und wei­tere Teile der Fan­szene boy­kot­tieren im Sta­dion die Stim­mung. Es kam zu Anfein­dungen zwi­schen Geg­nern und Befür­wor­tern von Martin Kind. Der sah den Beschluss der Mit­glie­der­ver­samm­lung 2017, sie vor dem Antrag auf Aus­nah­me­ge­neh­mi­gung von der 50+1‑Regel bei der DFL infor­mieren zu müssen, ledig­lich als Emp­feh­lung“. Der Kon­flikt eska­lierte.

Kein Demo­kra­tie­ver­ständnis

Die Mit­glie­der­ver­samm­lung ist das oberste beschlie­ßende Organ des Ver­eins. Ihre Beschlüsse sind für alle Mit­glieder ver­bind­lich“, so steht es in der Sat­zung von Han­nover 96. Wo ist hier Spiel­raum für eine Emp­feh­lung“? Was der Unter­nehmer Kind nicht ver­steht, ist der grund­le­gende Gedanke eines Ver­eins: Demo­kratie. Als Vor­stand ist er dazu ver­pflichtet, die Beschlüsse der Mit­glie­der­ver­samm­lung umzu­setzen. Auch das steht in der Sat­zung.

Auf der Mit­glie­der­ver­samm­lung gab es jetzt für das Ver­halten des Vor­stands im ver­gan­genen Jahr die Quit­tung. Er wurde nicht ent­lastet, 548 Mit­glieder stimmten gegen eine Ent­las­tung, 543 dafür. Recht­lich bedeutet das Miss­trau­ens­votum, dass der Vor­stand nicht von mög­li­chen Scha­dens­er­satz­an­sprü­chen frei­ge­stellt wird. Das Votum zeigt aber vor allem, dass die Mehr­heit der Mit­glieder dem Vor­stand nicht mehr ver­traut und unzu­frieden mit dessen Arbeit ist.

Die Mehr­heit der Migieder ver­traut Kind nicht mehr – Was ist die Kon­se­quenz?

Wenn Martin Kind Rück­grat hat, muss er sich spä­tes­tens jetzt ernst­hafte Gedanken über sich, sein Han­deln als Vor­stand und die Außen­dar­stel­lung von Han­nover 96 machen. Seine erste Reak­tion deutet auf das Gegen­teil hin. Nach der Ver­samm­lung sagte er: Das ist nur unbe­deu­tend und nur optisch rele­vant.“ Und zeigte sich erfreut dar­über, dass ein Antrag auf Sat­zungs­än­de­rung – der sein Han­deln als Vor­stand aus seiner Sicht ein­ge­schränkt hätte – an der not­wen­digen Zwei­drit­tel­mehr­heit schei­terte. Aber auch hier stimmte eine knappe Mehr­heit für die Sat­zungs­än­de­rung.

Martin Kind muss end­lich ein­sehen, dass er für die Mit­glieder von Han­nover 96 nicht der­je­nige ist, für den er sich hält. Er muss ein­sehen, dass es nicht nur die Ultras sind, die ihm kri­tisch gegen­über­stehen. Er muss ver­stehen, dass es für seine Tätig­keit im Verein egal ist, dass die kri­ti­schen Fans im Sta­dion nur einen Bruch­teil der Zuschauer dar­stellen. Was in einem Verein zählt bestimmen einzig und allein die Mit­glieder des Ver­eins. Und die haben gerade deut­lich gezeigt, was sie von ihm und dem Vor­stand halten. Die Kon­se­quenz wäre ein­deutig – und liegt doch fern von jeg­li­cher Rea­lität.