Max Kruse, wäh­rend im Sommer die WM lief, haben Sie äußerst erfolg­reich an einem großen Poker-Tur­nier in Las Vegas teil­ge­nommen. Wie war’s?
Das war richtig cool. Es tat gut mal raus­zu­kommen. Wir Fuß­ball-Profi beschäf­tigen uns ja fast das ganze Jahr aus­schließ­lich mit dem eigenen Sport. In den USA bin ich auf andere Gedanken gekommen, auch weil man relativ uner­kannt unter­wegs sein konnte.

War diese Anony­mität beim Pokern auch noch gegeben?
Bis ich am Final Table“ saß, hat mich tat­säch­lich kaum jemand erkannt. Dann wurde es natür­lich ein biss­chen mehr, aber es hielt sich im Rahmen. Es war auf jeden Fall schön mal seinem Hobby in einem Land nach­gehen zu können, in dem Fuß­ball nicht an erster Stelle steht.

Ihr Sommer hätte auch anders ver­laufen können. Viele Experten hätten mit Ihrer Nomi­nie­rung für die WM gerechnet, Joa­chim Löw ver­zich­tete aber auf Sie. Ist der Frust schon abge­klungen?
Ich denke gar nicht mehr dar­über nach. Was bringt es mir auch? Die Welt­meis­ter­schaft ist vorbei, wir haben den Titel geholt. Damit ist das Thema abge­schlossen. Es ist doch auch so: In der letzten Woche fanden schon wieder zwei Län­der­spiele statt, wir dis­ku­tieren wieder über ganz andere Dinge. Daran sieht man doch wie schnell­lebig unser Geschäft ist.

Die Natio­nal­mann­schaft sucht nach dem Rück­tritt von Miroslav Klose hän­de­rin­gend nach Stür­mern. Sehen Sie darin nicht auch Ihre Chance?
Miro war ein außer­ge­wöhn­li­cher Stürmer, jetzt sind andere gefor­dert. Es ist doch klar, dass in einem fuß­ball­ver­rückten Land wie in Deutsch­land über die Posi­tion des Sturm­füh­rers dis­ku­tiert wird. Ich möchte mich an der Debatte aber nicht betei­ligen. Für mich zählen aktuell nur die anste­henden Auf­gaben bei Borussia Mön­chen­glad­bach.

Aber Sie haben mit der Natio­nal­mann­schaft doch noch nicht abge­schlossen, oder?
Warum sollte ich? Ich weiß, dass ich einen guten Fuß­ball spielen kann. Also gilt es meine Leis­tung in der Bun­des­liga und im Euro­pa­pokal zu zeigen. Alles andere ent­scheidet der Bun­des­trainer…

In der ver­gan­genen Woche wurde Mario Gomez vom Län­der­spiel-Publikum wegen ver­ge­bener Tor­chancen aus­ge­pfiffen. Wie nimmt man das als Sturm-Kol­lege wahr?
Für die Pfiffe habe ich über­haupt kein Ver­ständnis. Natür­lich ist man als Fan sehr emo­tional dabei, über eine solche Reak­tion muss man aber nach­denken. Mario Gomez hat seine Qua­li­täten in den ver­gan­genen Jahren unter Beweis gestellt. Dass er nach fünf, sechs Monaten Pause nicht direkt wieder am Fließ­band trifft, ist doch ganz normal.

Hatten Sie Mit­leid mit Gomez?
Ich weiß nicht, ob Mit­leid das rich­tige Wort ist. Wir sind gerade Welt­meister geworden, da sind Pfiffe im ersten Heim-Län­der­spiel nach der WM totaler Quatsch.

Sie per­sön­lich haben in dieser Saison wegen einer Harn­leiter-Ope­ra­tion noch nicht auf dem Platz gestanden. Wann startet die Saison für Sie?
Eigent­lich hatte ich schon vor ein­ein­halb Wochen gegen Frei­burg ein gutes Gefühl, der Trainer hat aber anders ent­schieden. Ich bin jetzt seit gut zwei Wochen im Trai­ning, habe alle Rück­stände auf­ge­holt. Jetzt will ich voll angreifen – und am liebsten schon am Samstag gegen Schalke wieder von Anfang an spielen.

Auch wenn Ihnen bisher nur die Zuschau­er­rolle blieb: Wie zufrieden sind Sie mit dem Sai­son­start von Borussia Mön­chen­glad­bach?
An erster Stelle steht, dass wir in der Bun­des­liga, im DFB-Pokal und in der Europa League noch kein Pflicht­spiel ver­loren haben. Das ist eine gute Bilanz. Wir dürfen uns aber auch nicht davon blenden lassen. Die Spiele im DFB-Pokal gegen Hom­burg und in der Europa League gegen Sara­jevo waren Pflicht­auf­gaben. In der Bun­des­liga müssen wir dagegen noch eine Schippe drauf legen.

Sie haben gegen Stutt­gart und Frei­burg jeweils einen Punkt geholt. Eher eine magere Aus­beute, oder?
Wir haben zwar noch kein Spiel ver­loren, aber eben auch noch keins gewonnen. Wenn wir jetzt gegen Schalke ver­lieren, stehen wir schon nach drei Spiel­tagen ein wenig unter Druck. So ist das Geschäft, wir wissen das aber ein­zu­ordnen. Daher heißt es: kon­zen­trieren und bes­ten­falls siegen.

Nach dem Schalke-Spiel geht es gleich Schlag auf Schlag weiter. Zunächst Europa League gegen den FC Vil­lar­real, dann das Derby beim 1. FC Köln. Eine rich­tungs­wei­sende Woche für Ihr Team?
Nein, dafür ist es noch zu früh. Ich freue mich ein­fach riesig auf die Spiele. So einen Sai­son­start wünscht man sich doch. Uns erwarten drei Spiele, die ich zumin­dest in der Kon­stel­la­tion noch nicht erlebt habe. Erst das Pres­tige-Duell gegen Schalke, dann mein Europa-League-Debüt und mein erstes Derby. Ein per­fekter Sai­son­start.

In die Europa League starten Sie per­sön­lich mit einem Jahr Ver­spä­tung. Im ver­gan­genen Sommer wech­selten Sie vom Europa-League-Teil­nehmer SC Frei­burg nach Glad­bach, das gerade knapp am inter­na­tio­nalen Geschäft geschei­tert war.
Des­halb war es für mich auch sehr wichtig, dass wir uns in den Play-offs gegen Sara­jevo qua­li­fi­zieren konnten. Die Teil­nahme am inter­na­tio­nalen Geschäft war schon immer mein Traum. Es wäre sehr unglück­lich gewesen, wenn wir das nicht gepackt hätten und ich nicht dabei gewesen wäre.

Der Glad­ba­cher Kader ist in diesem Jahr wesent­lich breiter auf­ge­stellt, es drohen Här­te­fälle. Haben Sie Angst vor der Bank?
Jeder Spieler, der nicht spielt, ist unzu­frieden. Angst habe ich aber nicht – im Gegen­teil. Ich gehe die Sache locker an und freue mich über die neuen Mög­lich­keiten in unserem Kader. Durch die Europa League werden wir einen sehr extremen Spiel­rhythmus haben, da wird jeder Spieler gebraucht.

Mit den Neu­zu­gängen André Hahn, Ibrahima Traoré oder Thorgan Hazard kommt die Borussia in dieser Saison ver­mehrt über die Flügel. Was bedeutet das für den Stürmer Max Kruse?
Wir ver­su­chen noch fle­xi­bler zu sein und mehr Mög­lich­keiten zu ent­wi­ckeln, wie wir zum Abschluss kommen. Es kommen daher mehr Flanken in den Straf­raum, ich muss dort prä­senter sein als zuvor und meine Lücken suchen. Das ist gar nicht so ein­fach, wenn man kein klas­si­scher Mit­tel­stürmer ist.