Seite 3: „Haarefärben? Als Kapitän ging ich voran“

Schöner als Ihr Tor zum 3:1 gegen Kolum­bien?
Immerhin ein Schuss aus 35 Metern. Oscar Cor­doba stand ein­fach zu weit vor dem Tor. Das machte er oft, und das wussten wir. Wir hatten Kolum­bien einen Monat lang ana­ly­siert, weil sie eine fan­tas­ti­sche Mann­schaft hatten. Wäh­rend der Ana­lyse war mir auf­ge­fallen, dass Cor­doba gerne raus­lief. Im Spiel hab ich es dann mit Weit­schüssen pro­biert. Einmal, zweimal, beim dritten Mal hat es geklappt.

Bei der WM 1994 war die rumä­ni­sche Natio­nal­mann­schaft auf ihrem Höhe­punkt.
Trotzdem schied sie gegen Schweden im Vier­tel­fi­nale aus.

Es war bitter, ein Tor­wart­fehler. Uns hätten fünf Minuten gefehlt, um ins Halb­fi­nale zu kommen. Wir konnten mit allen mit­halten. Glauben Sie mir! Es war sowieso ein tolles Tur­nier, schon als ich unser WM-Trikot das erste Mal sah, dachte ich: Das wird super. Da hat alles gestimmt, das Aus­sehen, die Qua­lität, der Stoff –und natür­lich die Rücken­nummer.

1998 galt Rumä­nien wieder als WM-Geheim­fa­vorit.
Aber auch diesmal schieden wir nach einer guten Vor­runde früh aus, im Ach­tel­fi­nale gegen Kroa­tien. Dabei star­teten wir sehr gut und gewannen die ersten beiden Spiele gegen Eng­land und Kolum­bien.

Warum lief die Mann­schaft im dritten Spiel mit blonden Haaren auf?
Das war eine Wette zwi­schen dem Trainer Anghel Ior­da­nescu und uns Spie­lern. Wir sagten ihm, dass wir mit Sicher­heit die ersten beiden Spiele gewinnen werden, er glaubte, dass die Gegner zu stark sind.

Und Sie mussten sich als Gewinner die Haare färben?
Der Ein­satz war: Er muss sich eine Glatze rasieren, und wir färben unsere Haare blond. Als Kapitän ging ich natür­lich voran. Zum Glück haben die anderen mit­ge­macht.

Hat diese Aktion die Kon­zen­tra­tion beein­flusst?
Zwei Tage später verlor Rumä­nien 0:1 gegen Kroa­tien. Ich denke nicht. Wir hatten eigent­lich ein tolles Mann­schafts­ge­fühl. Es herrschte sehr viel Respekt unter­ein­ander. Das Aus­scheiden hatte andere Gründe. Wir konnten gegen Kroa­tien ein­fach nicht unsere Leis­tung bringen.

Auch in den Jahren danach blieb Ihr Ein­fluss groß. 2000 wurde Rumä­niens Natio­nal­trainer Victor Piturca ent­lassen, weil er gesagt hatte: Wir hätten auch ohne Hagi die EM-Qua­li­fi­ka­tion geschafft.“
Ich hatte das Gefühl, dass er zu wenig Respekt für die Spieler hatte. Eigent­lich war das alles ein großes Miss­ver­ständnis. Schlechte Kom­mu­ni­ka­tion. Vom Trainer, von mir und vom Ver­band. Mitt­ler­weile haben wir ein sehr gutes Ver­hältnis.

Mit wel­cher Ein­stel­lung gingen Sie in die EM?
Es war mein letztes Tur­nier, und es drehte sich nicht mehr um mich. Mir war wichtig, dass eine neue Genera­tion um Cris­tian Chivu und Adrian Mutu in der rumä­ni­schen Natio­nal­mann­schaft über­nimmt. Ich habe mich in den letzten Jahren meiner Kar­riere viel um junge Spieler geküm­mert. Ich lud sie zum Abend­essen ein und stärkte ihnen den Rücken. Zumin­dest zwei, drei Jahre lang muss man ihnen Ver­trauen schenken und darf sie nicht unter Druck setzen. Mir lag Emre bei Gala­ta­saray beson­ders am Herzen. Bei mir haben das Ilie Balaci und Mircea Lucescu gemacht. Sie haben mir bei­gebracht, wie man Fuß­ball spielt und sich in Mann­schaften behauptet.

In Ihrem letzten Spiel für die Natio­nal­mann­schaft, der 0:2‑Niederlage im Vier­tel­fi­nale gegen Ita­lien, flogen Sie wegen einer Schwalbe mit Gelb-Rot vom Platz. Fast so tra­gisch wie das letzte Län­der­spiel von Ziné­dine Zidane.
Moment! Es war ein Elf­meter. Zu hun­dert Pro­zent Elf­meter. Aber egal. So ist das Leben, so ist der Fuß­ball, und da läuft das manchmal so. Ich hatte so eine tolle Kar­riere mit der Natio­nal­mann­schaft, da ist es ganz, egal wie das letzte Spiel läuft. Als ich vom Platz ging, haben mir auch die geg­ne­ri­schen Fans applau­diert. Sie lieben offen­sive Spieler, die Tore schießen und vor­be­reiten. Wer will schon Mann­schaften sehen, die sich hinten rein­stellen und auf 0:0 spielen?