Seite 2: Luthe und das Limit

3. Luthe als Rück­halt

Nicht jeder Union-Fein weinte Rafal Gikie­wicz eine Träne nach, als dieser im Sommer Berlin gen Augs­burg ver­ließ. Der Tor­hüter eckte mit seiner Art an. Einig dürften sich die Fans in der sport­li­chen Bewer­tung gewesen sein: Gikie­wicz hielt in den ver­gan­genen Jahren fast alles, was zu halten war.

Sein Nach­folger Andreas Luthe patzte hin­gegen in Augs­burg einige Male. Diese Patzer sind mitt­ler­weile jedoch ver­gessen. Beim 2:2 gegen Wolfs­burg zeigte Luthe zum wie­der­holten Male in dieser Saison seine Klasse. Gleich mehr­fach parierte er Schüsse aus nächster Nähe. Seine Paraden sind Garant für die wenigen Gegen­tore der Union.

4. Fuß­bal­le­risch noch nicht am Limit

So beein­dru­ckend die Bilanz der Ber­liner in dieser Saison ist: Zu einem Spit­zen­team fehlt ihnen natur­gemäß Einiges. Das Spiel gegen Wolfs­burg lie­ferte ein plas­ti­sches Bei­spiel. Ab der 52. Minute sah eigent­lich alles rosig aus für die Ber­liner: Wolfs­burgs Maxi Arnold war nach einer Not­bremse vom Platz gestellt worden, And­rich hatte den fäl­ligen Frei­stoß zum 2:1 ver­wan­delt.

Doch statt das Spiel zu beru­higen und Ball und Gegner laufen zu lassen, spielte Union dem Gegner in die Karten. Teil­weise rückten sie weit vor, teil­weise ließen sie sich bis an den eigenen Sech­zehner fallen. Die Über­zahl nutzten sie bis zum Spiel­schluss nicht effektiv aus. Das spricht für feh­lende Cle­ver­ness.

Doch auch fuß­bal­le­risch ist Union (noch) kein Spit­zen­team. Ihre Stärken können sie beson­ders dann aus­spielen, wenn der Gegner den Ball hat. Im Spiel­aufbau haben sie zwar klare Fort­schritte gemacht; gegen gut sor­tierte Gegner tun sie sich aber wei­terhin schwer. Kein Wunder: Indi­vi­duell sind sie einem Gegner wie Wolfs­burg unter­legen.

Die feh­lende spie­le­ri­sche Klasse zeigt sich in einer Sta­tistik: 33 Pro­zent aller eigenen Tor­schüsse haben die Ber­liner nach ruhenden Bällen abge­geben. Das ist der zweit­höchste Wert der Liga. Spit­zen­teams wie Borussia Dort­mund oder Bayern Mün­chen liegen bei 25 Pro­zent.

Aller­dings würde auch kein Union-Fan den Fehler machen, das eigene Team mit dem Geld­adel der Liga zu ver­glei­chen. Union weiß, wo es her­kommt. Mit der Mischung aus defen­siver Sta­bi­lität, hohem Tempo und ver­ein­zelten spie­le­ri­schen Glanz­lich­tern wird die Mann­schaft wei­terhin ver­su­chen, so viele Punkte wie mög­lich zu sam­meln. Für den Klas­sen­er­halt und nicht für Europa, ver­steht sich.