Seite 3: „Was wir jetzt brauchen, ist Ruhe“

Der mit reich­lich Vor­schuss­lor­beeren aus­ge­stat­tete Cocu ließ den Nach­wuchs jedoch meist auf der Bank und expe­ri­men­tierte viel mit For­ma­tionen, ohne dabei in seiner vier­mo­na­tigen Amts­zeit zu einem sta­bilen Mann­schafts­ge­füge zu finden. Dar­über hinaus ent­täuschten auch die erfah­renen Neu­zu­gänge um Stürmer Islam Sli­mani auf ganzer Linie.

Schnell wuchs der Druck auf Cocu, der viel­leicht auch die Sprach­bar­riere und Anpas­sungs­schwie­rig­keiten in Istanbul unter­schätzt hatte. Selbst ein Total­umbau und ein gedul­diger Prä­si­dent schützen in Kadıköy nicht vor der Erwar­tungs­hal­tung von Mil­lionen von Fans, die spä­tes­tens ab Mitte Oktober einen alten Bekannten for­derten: Ersun Yanal, mit dem Fener 2014 den letzten Meis­ter­titel holte. Nach einigen durch­wach­senen Wochen mit Inte­rims­trainer Erwin Koeman gab Koç schließ­lich nach und die Anhänger bekamen, was sie wollten.

Was wir jetzt brau­chen, ist Ruhe“

Zurück in Char­lot­ten­burg läuft im Wett­büro auf allen Screens end­lich das Top­spiel des Abends: Der Tabel­len­sieb­zehnte Fener­bahçe trifft auf den Tabel­len­sech­zehnten Erzu­r­um­spor. Drei Tage nach seiner Ver­pflich­tung sitzt Ersun Yanal zum ersten Mal an der Sei­ten­linie. Das Şükrü Sara­coğlu Sta­dion in Kadıköy ist für einen Mon­tag­abend gut gefüllt und die Partie beginnt ver­hei­ßungs­voll mit zwei schnellen Toren für das Heim­team.

Die Kamera zeigt immer wieder in Groß­auf­nahme Yanal, der lei­den­schaft­lich die Mann­schaft anpeitscht. Das ist es, was uns gefehlt hat“, wirft Fener-Fan Ceylan mit einer geht doch!“-Geste ein. Wie bestellt, stimmen auf einmal die Kurven Ersun-Yanal“-Sprechchöre an, wäh­rend das Team ansehn­lich den Ball laufen lässt. Doch direkt nach der Pause fällt nach hane­bü­chenem Defen­siv­ver­halten der Anschluss­treffer, in der Nach­spiel­zeit das 2:2. Fener­bahçe steht weiter auf einem Abstiegs­platz.

Für Ceylan bleibt es indes dabei, Koç war die rich­tige Wahl: Man kann Alis Arbeit nicht nach nur sechs Monaten bewerten. Was wir jetzt brau­chen, ist Ruhe für lang­fris­tige Pla­nung, wie sie Manager in der Pre­mier League gewährt bekommen.“ Ruhe und Weit­sicht – gelingt es dem neuen Prä­si­denten diese Tugenden in den Süper Lig-Alltag ein­zu­führen, wäre es nicht weniger als die erhoffte Revo­lu­tion für den Verein.