Peter Nie­meyer, das Rück­spiel der Rele­ga­tion begann für die Hertha, wie es enden sollte: eher durch­wachsen. Nach einer Minute erzielte For­tuna Düs­sel­dorf das 1:0. Haben Sie da bereits gespürt, dass der Tag nicht der Ihrer werden sollte?
Natür­lich war der Start für uns absolut unglück­lich. Aller­dings brauchten wir, nach der 1:2 Nie­der­lage im Hin­spiel, auch schon vor dem Spiel zwei Tore. Da hat das 1:0 für die For­tuna uns nicht allzu sehr zurück­ge­worfen.

In der 85. Minute erzielte die Hertha den Aus­gleich, ein wei­teres Tor hätte bedeutet, dass Sie die Klasse gehalten hätten. Ab wann hat man auf dem Platz gespürt, dass es auf den Rängen unru­higer wurde?
Das gesamte Spiel über war auf den Rängen eine Unruhe aus­zu­ma­chen. Auch unsere Fans haben durch das Werfen von Pyro einen Teil dazu bei­getragen. Zum Ende hin, als uns nur noch ein Tor fehlte, hat man auf dem Platz gespürt, dass es deut­lich enger wird. Plötz­lich standen die Zuschauer teil­weise direkt am Rand.

Nach einem Abstoß haben Teile der Zuschauer den Platz gestürmt und die Spieler sind in die Kata­komben geflüchtet. Wie war die Stim­mung in der Kabine?
Das war für uns alle eine ganz schwie­rige Situa­tion, da wir über­haupt nicht wussten was als nächstes pas­sieren würde. Wir standen zunächst sehr lange in der Mixed-Zone und haben unsere Infor­ma­tionen über das Geschehen auf dem Platz aus­schließ­lich von den Mit­ar­bei­tern des Fern­se­hens bekommen.

Was wurde Ihnen gesagt?
Uns wurde der Ein­druck ver­mit­telt, dass da heute jeden­falls kein Fuß­ball­spiel mehr statt­finden könnte. Die Jour­na­listen haben gesagt die nehmen den ganzen Platz aus­ein­ander, selbst der Elf­me­ter­punkt ist weg“.

Wie ging es dann weiter?
Wir sind zurück in die Kabine. Es herrschte eine komi­sche Stim­mung. Auf der einen Seite hat man ver­sucht die Span­nung hoch­zu­halten. Das feh­lende Tor war ja für uns absolut im Bereich des Mög­li­chen, da noch einige Minuten zu spielen waren. Wir waren am Drü­cker, trotz Unter­zahl. Auf der anderen Seite konnte man sich nicht vor­stellen, wie es, nach den Schil­de­rungen der Jour­na­listen, wirk­lich wei­ter­gehen sollte. Das war eine Situa­tion, die ich nicht mal meinem ärgsten Feind wün­schen würde.

Wie hat Ihr dama­liger Trainer Otto Rehagel reagiert?
Otto? (lacht) Es war natür­lich auch für unser Trai­ner­team eine Aus­nah­me­si­tua­tion. Gene­rell ist Otto Rehagel ein Trai­nertyp, der einem das Gefühl ver­mit­telt, dass am Ende doch alles gut werden wird. Aber an den genauen Wort­laut unseres Trai­ners kann ich mich, auch auf­grund der Fülle an Ereig­nissen in dieser Situa­tion, nicht genau erin­nern.

Mit wel­chem Gefühl haben Sie nach dem Spiel das Sta­dion ver­lassen?
Das ist schwer zu sagen. Ich konnte zu dem Zeit­punkt nicht ein­schätzen, inwie­weit ein Wie­der­ho­lungs­spiel mög­lich wäre. Aber grund­sätz­lich hatte ich das Gefühl, dass das ent­schei­dende Rück­spiel, was uns letzt­lich den Abstieg bescherte, irre­gulär beendet wurde. Dabei steht auf einem anderen Blatt ob wir in den letzten Minuten noch ein Tor geschossen hätten oder nicht. Los­ge­löst von dieser Dis­kus­sion, ist das Spiel um ein gerechtes Ende gebracht worden.