Dieser Text beginnt, wie könnte es anders sein, mit einem deut­schen Hünen. Einem großen Blonden. Einem, der im eigenen Land nahezu durch­fiel und sich erst im eng­lisch­spra­chigen Raum einen Namen machte. Dieser Text beginnt mit Robert Huth.

Der hatte vor kurzem, nahezu bei­läufig, seine Kar­riere beendet. Via Twitter, denn: Ich habe nur kein Inter­view gegeben und dar­über geweint“. Doch in einem Gespräch nach seiner Kar­riere sagte Robert Huth das: Ich habe Fuß­ball gespielt, um besser zu werden. Meine Genera­tion hat mehr ins Sport­ler­leben inves­tiert. Jetzt ist es umge­dreht. Viele spielen Fuß­ball, um berühmt zu werden.“

Beschei­dener Abschied

Ges­tern Abend erklärte Dirk Nowitzki seine Lauf­bahn für beendet. Heute Nacht wird er ver­mut­lich noch ein letztes Mal in San Antonio spielen, dann ist für den größten deut­schen Bas­ket­baller Schluss. Ganz so geräuschlos wie Huth konnte Nowitzki seine Kar­riere nun wirk­lich nicht beenden. Zu sehr lag der Fokus auf ihm in den letzten Tagen und Wochen. Macht er noch einmal weiter? Steckt noch ein letztes Jahr im Tank? Nowitzki selbst trieb die Spe­ku­la­tionen immer wieder an. Er wolle bei einem Karibik-Urlaub abwarten, in sich hin­ein­hören und schauen, wie der Körper auf die Belas­tungen reagiere. Die Hoff­nung seiner Fans blieb. Nach dem Spiel gegen die Phoenix Suns sagte Nowitzki dann aber: Ihr habt das ja wahr­schein­lich schon erwartet: Das ist mein letztes Heim­spiel gewesen.“ Er hatte das Ende bis zum letzten Moment hin­aus­ge­zö­gert. Nicht, weil er fest­halten wollte. Wohl eher, damit der Abschied um den beschei­denen Super­star etwas kleiner aus­fällt.

Dirk Nowitzki ist ein Modell­athlet. Nicht im opti­schen Sinne, dem Würz­burger fehlte es gerade zu Beginn seiner Kar­riere an Kör­per­masse. Viele andere Stars in der NBA sind wesent­lich mus­ku­löser, wen­diger, kräf­tiger. Und doch: Nowitzkis Kar­riere ver­lief in jede Rich­tung per­fekt. Natür­lich, die iko­ni­sche Saison 2010/11, als Nowitzki mit den Dallas Mave­ricks die NBA-Meis­ter­schaft gewann und er zum Most Valu­able Player“ der Final-Serie gekürt wurde. Spiel Vier, das Nowitzki unter Fie­ber­schüben spielte, und in dem er den ent­schei­denden Korb 14,4 Sekunden vor Schluss traf. Aber auch das ver­lo­rene Finale 2006, die MVP-Saison 2007 mit dem Play-Off-Aus in der ersten Runde, 14 All-Star-Game-Beru­fungen, Bronze- und Sil­ber­me­daillen mit der Natio­nal­mann­schaft, Siege, Nie­der­lagen – ach, es gäbe genug zu erzählen.

Wie kann man diese Leis­tung messen?

Und es wäre auch unfair, die Leis­tungen in ver­schie­denen Sport­arten mit­ein­ander zu ver­glei­chen. Es wäre ver­messen, den Fuß­ball anzu­klagen, weil keiner seiner Prot­ago­nisten 31.540 Punkte geschossen hat. Dass nie­mand 1.519 Spiele für einen ein­zigen Klub gemacht hat. Dass kein Fuß­baller bisher in einer Sta­tistik an Michael Jordan vor­beizog. Das alles liegt in der Natur der Sache. Und sicher­lich pro­fi­tierte Nowitzki in der öffent­li­chen Wahr­neh­mung auch davon, dass er außer­halb Europas spielte und das meis­tens mitten in der Nacht. Seine Leis­tungen waren für Deut­sche oft nur als High­light­clips zugäng­lich. Die eine Ver­dich­tung von Schlag­lich­tern waren.

Nowitzki war die blonde Kon­stante. Er ver­stand es, sich selbst nie zu ernst zu nehmen, und trotzdem voller Ehr­geiz zu ste­cken.