Seite 2: Zu eindimensionales Offensivspiel

3. Wer domi­niert, neigt zu Aus­set­zern

In der ersten halben Stunde schien es nur eine Frage der Zeit, bis die Bayern den Füh­rungs­treffer erzielen. Hof­fen­heim hatte keinen ein­zigen Tor­schuss, nicht einmal einen Ball­kon­takt im geg­ne­ri­schen Straf­raum zu ver­bu­chen. 

Doch die Bayern hatten die Rech­nung ohne den Ball­jungen gemacht. Bei einem Ein­wurf brachte er den Ball schnell ins Spiel, Mark Uth stand frei vor dem Tor. Hier zeigte sich eine alte Fuß­ball­weis­heit: Wer ein Spiel durch­ge­hend domi­niert, neigt in den kleinen Situa­tionen eher dazu, die Span­nung zu ver­lieren. Bay­erns Schlaf­müt­zig­keit ver­half Hof­fen­heim, das Spiel auf den Kopf zu stellen.

4. Bayerns altes Pro­blem: Tief­ste­hende Gegner kna­cken

Nach dem Füh­rungs­treffer konnte man eine Schwäche der Bayern bestaunen, die sich durch nahezu die gesamte Ance­lotti-Ära zieht: Sie hatten enorme Pro­bleme, die nun noch tiefer ver­tei­di­genden Hof­fen­heimer zu kna­cken. Nachdem Nagels­manns Elf mit dem ersten sehens­werten Angriff des Teams das 2:0 erzielt hatte (51.), ver­tei­digten sie nur noch am eigenen Sech­zehner.

Den Bayern fiel dagegen wenig ein. Immer wieder suchten sie den Weg über die Flügel. Die Räume im offen­siven Zen­trum blieben aber unbe­setzt. Hof­fen­heims Sechser Dennis Geiger konnte sogar häufig her­aus­rü­cken und Bay­erns Mit­tel­feld stören, da in seinem Sech­ser­raum kein Gegen­spieler stand. Die Bayern kannten nur noch eine Angriffs­route: den Weg über die Flügel. Doch trotz Umstel­lung auf ein 4−2−3−1 und später auf ein 3−2−5 konnten sie sich über Flanken keine Tor­chancen erar­beiten. Ihr Offen­siv­spiel war zu ein­di­men­sional.

5. Bay­erns neues Pro­blem: Gegner wit­tern Mor­gen­luft

Diese Ein­di­men­sio­na­lität dürfte mit­tel­fristig das größte Pro­blem der Bayern sein. Die Liga könnte Mor­gen­luft wit­tern: Diese Bayern wirken alles andere als unbe­zwingbar. Hof­fen­heim zeigte nicht einmal die stärkste Leis­tung an diesem Abend. Eine auf­op­fe­rungs­volle und kom­pakte Defen­siv­leis­tung genügte, um die Bayern nach dem Füh­rungs­treffer schach­matt zu setzen. 

Die Bun­des­liga wird dieses Spiel auf­merksam ver­folgt haben. Bei aller indi­vi­du­eller Klasse und der starken Anfangs­phase zum Trotz: Diese Bayern wirken nicht mehr unbe­zwingbar.