Ja, es sind noch sieben Spiele zu spielen. Ja, der FC Bayern ist noch nicht Deut­scher Meister. Aber ver­mut­lich gibt es selbst in Mün­chen nur noch sehr wenig Zweifel am achten Titel in Folge, dem neunten in den letzten zehn Jahren und dem 15. in den letzten 20 Jahren. Sport­lich gesehen gibt es gegen diese Meis­ter­schaft wenig Ein­wände. Seit Hansi Flick die Mann­schaft über­nommen hat, spielt sie den besten Fuß­ball der Liga: aktiv, offensiv und meis­tens unter­haltsam. Ange­sichts sym­pa­thi­scher Prot­ago­nisten wie des zurück­hal­tenden Trai­ners selbst, wie Leon Goretzka oder Serge Gnabry, die sich auch gesell­schaft­lich enga­gieren, dürfte selbst ein­ge­fleischten Bayern-Hatern das Bayern-Hassen nicht leicht fallen.

Das ändert aber nichts am grund­sätz­li­chen Pro­blem, dass die Bayern schon zu lange der Titel­staub­sauger des deut­schen Fuß­balls sind. Die größte Mann­schaft ihrer Geschichte, jene mit Franz Becken­bauer, Gerd Müller, Sepp Maier, Paul Breitner und Uli Hoeneß, zugleich Kern der Euro­pa­meister von 1972 und Welt­meister von 1974, gewann gerade mal drei Deut­sche Meis­ter­schaften hin­ter­ein­ander. Becken­bauer wurde vier Mal Deut­scher Meister mit den Bayern, Jerome Boateng acht Mal.

Die Logik des Tröp­felns

Die Erklä­rung dafür, warum es für die Bayern inzwi­schen fast unmög­lich ist, nicht Deut­scher Meister zu werden, ist ein­fach und in den letzten Jahren hun­dert­fach gelie­fert worden. Ihr wirt­schaft­li­cher Vor­sprung auf den Zweiten, der ähn­lich beharr­lich Borussia Dort­mund heißt, ist so groß, dass meh­rere Fuß­ball­wunder gleich­zeitig ein­treten müssten, damit mal wieder ein anderer Ver­eins­name in die Meis­ter­schale ein­gra­viert wird.

Auch, wie es dazu gekommen ist, dass der Wett­be­werb kein wirk­li­cher mehr ist, ist hin­rei­chend beschrieben worden. Einer­seits sorgen die Ein­nahmen aus der Cham­pions League für gewal­tige Unter­schiede in der Liga, und dann wurden auch noch die natio­nalen Fern­seh­gelder so ver­teilt, dass die Großen mehr bekommen als die Kleinen. Sie sollen schließ­lich auch im Wett­be­werb mit den Big Playern aus anderen Ligen gestärkt werden.

Hinter dieser Logik steckt eine Vari­ante der Trickle-down-Theorie aus dem Arsenal neo­li­be­raler Wirt­schafts­po­litik. Dort besagt sie, dass wenig Staat, Dere­gu­lie­rung und nied­rige Steuern für die Rei­chen dafür sorgen, dass alle anderen davon pro­fi­tieren, weil vom so gewonnen Wohl­stand etwas auf sie her­un­ter­tröp­felt, denn genau das heißt trickle down“. De facto hat das in vielen Län­dern die wirt­schaft­liche Ungleich­heit ver­stärkt.

Auf den Fuß­ball über­tragen, heißt das: geht es den Großen gut, pro­fi­tieren auch alle anderen davon. Mit einer sport­li­chen Logik hat das nichts zu tun. Viele große Klubs wollen gar keinen offenen Wett­be­werb mehr, in dem auch ihr Schei­tern mög­lich ist, weil sie ver­läss­lich die Ein­nahmen aus der Cham­pions League und die inter­na­tio­nale Prä­senz brau­chen. Letzt­lich sehen wir des­halb seit Jahren im Fuß­ball, nicht nur in der Bun­des­liga, den glei­chen Effekt wie in vielen Volks­wirt­schaften: eine immer größer wer­denden Abstand zwi­schen Groß und Klein, Oben und Unten.