Seite 2: Effe muss auch mal Kontra geben

Denn der Russe hat die Ver­drän­gung eines Wal­rosses. Wenn ihm etwas nicht passt, macht er kurzen Pro­zess. Gut mög­lich, dass einer wie er sich unter­be­wusst in Effen­berg sogar einen Kon­ter­part erhofft, der ihm auf Augen­höhe begegnet. Der ihm, wenn es sein muss, auch mal sagt, aus wel­chen Belangen er sich raus­zu­halten kann. Der die Inter­essen des Mäzens mode­riert, ihm aber in wich­tigen Fragen auch mal Kontra gibt. Denn eins ist sicher: So unge­ordnet und ohne erkenn­bare Stra­tegie kann es beim KFC nicht wei­ter­gehen.

Frü­here Bun­des­liga-Stars wie Kevin Groß­kreutz, Jan Kirch­hoff oder Assani Lukimya laufen ihrer Form mei­len­weit hin­terher. Der Kader wirkt unaus­ge­goren und gehemmt. Dass es einen Funk­tionär braucht, der sport­liche Exper­tise mit­bringt, der einen groben Über­blick über den Trans­fer­markt hat und eine Idee, wie erfolg­reiche Mann­schaften funk­tio­nieren, steht außer Frage. Nie­mand würde Effen­berg diese Eigen­schaften abspre­chen. Nun muss er beweisen, dass er auch über die Empa­thie, das päd­ago­gi­sche Geschick und aus­rei­chend Ratio­na­lität ver­fügt, um auf allen Klub­ebenen die Ver­kramp­fung zu lösen, die die hohen sport­li­chen Erwar­tungen in Ver­bin­dung mit den jüngsten mensch­li­chen Ver­wer­fungen offenbar aus­ge­löst haben.

Effe kann viel Repu­ta­tion ver­spielen

Dass Stefan Effen­berg den Mut auf­bringt, sich auf dieses unsi­chere Ter­rain zu begeben, um wieder Anschluss im aktiven Geschäft zu findet, ver­dient Respekt. Er hätte es sich leicht machen können und wäre wie die Ex-Kol­legen Mat­thäus und Basler den Rest seines Berufs­le­bens als schlaffer TV-Experte über die Runden gekommen. Doch offenbar fehlt ihm der Geruch von Gras so sehr, dass er lieber den Sprung ins eisige Wasser von Uer­dingen ris­kiert, in dem sich einige nam­hafte Pro­tag­nisten – Stefan Krämer, Nor­bert Meier, Michael Wie­singer, you name it – eine fiese Grippe ein­ge­han­delt hatten.

Und die Repu­ta­tion, die ein Mann wie Effen­berg bei diesem Deal ver­spielen kann, ist da frei­lich noch um einiges bedeut­samer. Als Stefan Effen­berg im Oktober 2015 bei seiner ersten Pres­se­kon­fe­renz in Pader­born die Bühne betrat, sagte er: Ich bin es wirk­lich“. Als müsse er sich selbst noch einmal ver­si­chern, dass er nun als Trainer in den Nie­de­rungen der zweiten Bun­des­liga ange­kommen sei. Ihm ist nur zu wün­schen, dass er sich vor dem Enga­ge­ment in Uer­dingen gut über­legt hat, wohin er sich begibt: Als Manager-Green­horn zu einem schlin­gernden Dritt­li­gisten im Greifarm eines selbst­ver­liebten Inves­tors.

Gehen wir davon aus, dass er sich der Gefahr bewusst ist, was für ihn hier auf dem Spiel steht. Ansonsten könnte es Effen­bergs letzte Patrone im großen Fuß­ball-Mono­poly gewesen sein.