Der Cla­sico elek­tri­sierte nicht nur ganz Spa­nien, auch in Mün­chen und London warf man am Samstag einen Blick gen Bar­ce­lona, schließ­lich treffen die Bayern und der FC Chelsea im Cham­pions-League-Halb­fi­nale auf die beiden spa­ni­schen Über­mächte. Doch welche Erkennt­nisse konnte man aus dem Gigan­ten­duell ziehen? Unsere Experten von spiel​ver​la​ge​rung​.de haben die zehn wich­tigsten tak­ti­schen Schluß­fol­ge­rungen in ihrer Spiel­ana­lyse zusammen gefasst.

Die erste Erkenntnis des Spiels: Barca kehrte erneut vom klas­si­schen 4−3−3 ab. Das als heilig gel­tende System wurde in dieser Saison bereits öfters erschüt­tert. Barca begann mit einer Drei­er­kette, wobei der etat­mä­ßige Rechts­ver­tei­diger Dani Alves vor­ge­zogen als Außen­stür­mers spielte. Obwohl Thiago und Bus­quets nomi­nell auf einer Höhe spielten, exis­tierten extreme Unter­schiede in ihren Posi­tionen auf dem Feld. Wie im Hin­spiel sollte Bus­quets in einer Hybridrolle aus Innen­ver­tei­diger und defen­sivem Mit­tel­feld­spieler agieren, Thiago durfte sich auf der eigent­li­chen Xavi-Posi­tion unter Beweis stellen. Mit dieser Ver­än­de­rung schob Pep Guar­diola seinen älteren Spiel­ma­cher Xavi weiter nach vorne, Cesc Fab­regas fiel also aus der Start­auf­stel­lung.

Xavi sollte also noch mehr die Offen­sive stärken und vor allem Messi ent­lasten. Als Folge dieser Umstel­lung war Xavi sehr oft weit in der geg­ne­ri­schen Hälfte zu finden und half nur ver­ein­zelt im Spiel­aufbau. Am Ende über­nahm sogar Lionel Messi diese Auf­gabe immer öfter als das etat­mä­ßige Mas­ter­mind des Barca-Spiels. Noch stärker als sonst ließ sich der Argen­ti­nier in die Tiefe fallen, zog sich bei eigenem Ball­be­sitz weit zurück und unter­stützte das Mit­tel­feld.

Damit war das spiel­ge­stal­te­ri­sche Duo Bar­ce­lonas, Xavi und Iniesta, zer­schlagen da Iniesta auf einer Halb­po­si­tion im linken Flügel auf­lief. Dort sollte er als Ver­bin­dungs­sta­tion zwi­schen Tello und Adriano dar­stellen und seine Stärken, die Ball­ver­ar­bei­tung und prä­zise Wei­ter­lei­tung unter Bedrängnis, optimal nutzen, um vor allem den schnellen Tello ein­zu­setzen, der auf dem linken Flügel als Pen­dant zu Dani Alves auf­ge­boten wurde.

Die Auf­stel­lung von Chris­tian Tello war für viele die Über­ra­schung des Spiels, Guar­diolas Gründe für die Her­ein­nahme des Außen­stür­mers aller­dings viel­seitig. Zual­ler­erst hatte Guar­diola den Über­ra­schungs­mo­ment auf seiner Seite. Gerade beim Gegen­über Mour­inho eine bedeu­tende Waffe, gilt der Por­tu­giese doch als akri­bi­scher Ana­lyst des Gegner. Ande­rer­seits hatte sich Tello in seinen wenigen Ein­sätzen als äußerst effektiv erwiesen. Warum also nicht auch im Cla­sico?

Aller­dings zahlte dich die Her­ein­nahme Tellos nicht aus. Zwar hatte der Neu­ling unge­mein viele Chancen, konnte seine Effi­zienz aller­dings nicht unter Beweis stellen. Zudem ent­larvte sich sein Spiel pha­sen­weise noch als zu naiv. Einige Male wollte er Arbeloa auf ein­fachste Weise über­laufen, der Real-Ver­tei­diger ließ sich jedoch nicht über­rum­peln und drängte Tello meis­tens zur Aus­linie ab. Somit wurden ledig­lich Tellos Lauf­wege nach innen zu einem Pro­blem der Madri­lenen. Vor allem die kon­stante Bewe­gung Tellos stellte Reals Arbeloa immer wieder vor Pro­bleme. Eine Erkenntnis, die sicher auch den FC Bayern inter­es­sieren dürfte.

In dieser Saison ist es beson­ders auf­fällig, wie häufig Bar­ce­lona in den ersten Minuten schwimmt. Diese Erkenntnis führt dazu, dass immer mehr Mann­schaft gegen Barca bereits zu Beginn aggressiv pressen, um frühe Fehler zu erzwingen. Denn genauso deut­lich ist: Je länger das Spiel dauert, umso besser findet sich Bar­ce­lona zurecht. Würde man in diesen Spät­phasen wei­terhin der­maßen hoch pressen, liefe man ins offene Messer. Denn zahl­reich Barca-Spieler ver­fügen über die beson­dere Fähig­keit, die geg­ne­ri­schen Spiel­weise und ihre Pass­muster blitz­schnell zu erkennen und zu ana­ly­sieren.

Defensiv stellt sich die Mann­schaft schnell auf die Stärken des Geg­ners ein und erkennt, welche Gegen­spieler beson­ders unter Druck gesetzt werden sollten. Gegen Real wäre dies bei­spiels­weise Xabi Alonso und Sergio Ramos, wenn sie aus der Tiefe das Spiel auf­bauen, sonst eher Mesut Özil. Bei den Bayern würde ein beson­deres Augen­merk auf Bad­stuber und Schwein­s­teiger liegen.

Im eigenen Auf­bau­spiel nehmen sie eben­falls gewisse Anpas­sungen vor. Bei einer extrem hohen Spiel­weise des Geg­ners schieben die Kata­lanen bei­spiels­weise den kol­lek­tiven Block etwas zurück, sie bauen das Spiel dann mehr aus der Tiefe auf. Falls sich jedoch Lücken im geg­ne­ri­schen Kol­lektiv finden, ver­sucht man diese dann umso schneller zu nutzen. Gegen Real suchten sie diese Lücken eben­falls, und lie­ferten Real so sie per­fekte Vor­lage.

Diese Lücken fanden sich näm­lich in einem unge­wohnt großen Raum zwi­schen Reals Dop­pel­sechs und den vier offen­siven Spie­lern Özil, Di Maria, Ben­zema und Ronaldo. Das Offen­siv­quar­tett spielte auf einer Linie und ver­schloss die ein­fa­chen Pass­wege. Özil und Ben­zema taten dies im Zen­trum, der ball­füh­rende Gegner sollte keine Pässe zu Thiago und Bus­quets anbringen können. Vor allem Thiago zog sich in der Folge oft eine Ebene zurück. Damit schoben die beiden zen­tralen Offen­siv­spieler Reals das gesamte Bar­ce­lona-Spiel bereits im Aufbau eine Linie tiefer. Di Maria und Ronaldo über­nahmen die beiden Innen­ver­tei­diger, um ein­fache Pässe nach vorne oder dia­gonal ins Zen­trum zu ver­hin­dern. Hinter diesen vier Spie­lern stellte Mour­inho die erwar­tete Dop­pel­sechs auf: Khe­dira und Xabi Alonso.

Die Dop­pel­sechs spielte aller­dings nur ein paar Meter vor der defen­siven Vie­rer­kette ver­setzt. Die Vie­rer­kette selbst war sehr dis­zi­pli­niert und agierte auf einer Linie. Die Folge: Bar­ce­lona lief über­durch­schnitt­lich oft ins Abseits. Diese per­fekt ein­ge­spielte Abseits­falle ermög­lichte das hohe Auf­rü­cken dieses Defen­siv­blocks. Die offen­siven Vier hatten somit kurze Wege, um hinten aus­helfen zu können. Die Abwehr­spieler konnten schnelle Pässe nach vorne genauer und ein­fa­cher anbringen. Der wich­tigste Punkt aber: Mit dieser For­ma­tion konnte Real sehr unan­ge­nehm vorne pressen, ohne sich hinten zu öffnen. Die Linien zwi­schen Mit­tel­feld und Abwehr waren der­maßen kom­pakt, dass sie fast inexis­tent waren. Lionel Messi tat sich damit sehr schwer, er spielte immer tiefer und hatte kaum Zugriff auf den geg­ne­ri­schen Straf­raum.

Die Erkenntnis: Eine enge Vie­rer­kette, die sich bei Bedarf weiten kann plus zwei Spieler, welche die Schnitt­stellen davor kon­se­quent ver­schließen – dieses Kon­strukt ist sogar für Bar­ce­lona schwer aus­zu­spielen. Durch die erzwun­gene Enge konnte Bar­ce­lona zwar die Spiel­feld­mitte kon­trol­lieren, aber selbst wenn man nach dem Zieh­har­mo­nika-Prinzip spielte, öff­neten sich wenige Räume im letzten Spiel­feld­drittel. Der Ball wurde zu oft quer gespielt, die Gast­geber war­teten meist ver­geb­lich auf eine sich auf­tu­ende Lücke.

Auf der gegen­über­lie­genden Seite setzte José Mour­inho seinen Lands­mann Coen­trao auf Alves an und pro­fi­tierte von Guar­diolas Ein­schät­zung des Bra­si­lia­ners. Der Trainer Bar­ce­lonas hält seinen nomi­nellen Rechts­ver­tei­diger geeignet, die gesamte Außen­bahn nahezu im Allein­gang zu beackern.

Des­wegen spielte zwi­schen Alves und Puyol kein Ver­bin­dungs­spieler wie Iniesta auf dem anderen Flügel. Im Nor­mal­fall hat Guar­diolas Methode aller­dings Erfolg, sicher der geg­ne­ri­sche Links­ver­tei­diger doch in der Regel stan­dard­mäßig seine Seite ab und schiebt mit der Vie­rer­kette mit. Ein Ver­halten, dass dafür sorgt, dass er es mit den Außen­stür­mern Bar­ce­lonas zu tun bekommt.

Real kon­terte somit, indem Mour­inho Coen­trao eine klar defi­nierte Auf­gabe zu wies. Er sollte ball­ori­en­tiert mit­ver­schieben und die Haupt­prin­zi­pien der Vie­rer­kette, wie etwa das Lini­en­spiel ein­halten. Beson­ders Augen­merk lag aber nicht am Dop­peln von Gegen­spie­lern, an einem offen­siven Auf­rü­cken oder sons­tigen zusätz­li­chen Auf­gaben. Der Por­tu­giese sollte sich an Alves ori­en­tieren und in zur Not in eine enge Mann­de­ckung nehmen. Bis zu einer gewissen Breite konnte er ihn pro­blemlos ver­folgen, sein wei­teres Ver­halten ori­en­tierte sich an der genauen Posi­tion des Balles. Da Xavi aber weiter als normal vorne agierte, fehlte eine gewohnte Anspiel­sta­tion im Zen­trum, dies heikle Über­gangs­si­tua­tion im Zen­trum wurde kein spiel­ent­schei­dender Faktor. Zudem bot der viel kri­ti­sierte Coen­trao eine sehr starke Leis­tung.

Halb­rechts im defen­siven Mit­tel­feld wurde Khe­dira auf­ge­boten, den Mour­inho als ath­le­ti­schen Box-to-Box-Spieler schätzt. Gegen Barca hatte der deut­sche Natio­nal­spieler aber eine beson­dere Auf­gabe: Er spielte eine Art situa­ti­ons­be­dingter Mann­de­cker von Andres Iniesta, der von José Mour­inho ein wei­teres Mal einen Son­der­be­wa­cher erhielt. Wenn Iniesta vom Spiel­ge­schehen ent­fernt war, spielte Khe­dira die Raum­de­ckung im Kol­lektiv seiner Mann­schaft mit. Er ver­schob zum Ball hin und ließ Iniesta im Raum stehen. Wenn der FC Bar­ce­lona sich jedoch mit seinen Kurz­pass­sta­fetten im zweiten Drittel fest­setzte, der Raum davor aller­dings gesi­chert war, rückte Khe­dira eng an Iniesta und setzte den Spa­nier stark bei Ball­be­sitz kon­se­quent unter Druck.

So wurde Iniesta als Ver­bin­dungs­spieler am linken Flügel wei­tes­ge­hend aus­ge­schaltet. In der Regel öffnet der spa­ni­sche Welt­meister Lücken für Messi, kreuzt dessen Laufweg und zieht Gegen­spieler aus dem Zen­trum, im Ide­al­fall bietet er sich dann auch noch sofort für einen Kurz­pass an. Khe­diras Leis­tung ließ Iniestas größte Stärken aller­dings ver­puffen. Auch Lionel Messi musste erkennen, wie oft er an einem oder meh­reren Spie­lern vor­beikam, dessen Team­kol­legen ihm sich danach jedoch pro­blemlos in den Weg stellen konnten.

Xabi Alonso hin­gegen agiert als tief­lie­gender Spiel­ma­cher Reals. Doch vor jedem Cla­sico stellen sie sich in Spa­nien die glei­chen Fragen: Ist er schnell genug, um defensiv helfen zu können? Schaltet er schnell genug um, um offensiv helfen zu können? Die Ant­worten blieb er auch diese Mal schuldig, kaschierte jedoch per­fekt sein ver­meint­li­chen Schwä­chen und zeigte sein größten Stärken.

Nomi­nell begann er auf der Posi­tion des halb­linken Mit­tel­feld­spie­lers und bekam es bei Messis Aus­flügen ins Mit­tel­feld vor allem mit dem Argen­ti­nier zu tun. Diese Rolle füllte Alonso per­fekt aus. Er ließ sich nicht zu weit nach vorne ziehen, half den Innen­ver­tei­di­gern, welche ver­tikal über­gaben. Sowohl Pepé als auch Ramos schoben teil­weise bis mit ins defen­sive Mit­tel­feld, von wo aus Alonso auf Messis Bewe­gung ach­tete. Messis Wege wurden so ein­ge­schränkt, seine Pässe nach vorne und zu Alves effektiv ver­hin­dert. Auch auf die Dribb­lings von Messi hatte sich Reals Defensiv per­fekt ein­ge­stellt. Dessen Wege wurden von einer Art Sog ein­ge­zogen, immer öfter ver­zichten seine Mit­spieler auf das Frei­laufen. Xabi Alonso atta­ckierte Messi, oft­mals etwas seit­lich und wurde dann im wei­teren Ver­lauf des Lauf­du­elles von hinten unter­stützt. La Pulga“ hatte somit einen fron­talen Gegen­spieler und einen von der Seite, die ein­zige Mög­lich­keit war ein Aus­wei­chen nach links, wo Khe­dira zumeist bereit­stand und eine wei­tere Pass­op­tion sperrte.

Weil Reals Offen­sive relativ eng stand und sich zudem fluid bewegte, wurde schon sehr tief in Barcas-Hälfte Fehler erzwungen. Einer der Angreifer presste auf den ball­füh­renden Gegner, die anderen beiden sperrten dessen nächsten Pass­op­tionen. Indem sie keinen Druck auf den Ball­füh­renden aus­übten, konnten sie sich rein auf ihren Deckungs­schatten kon­zen­trieren. So wurden schnelle Ver­ti­kal­pässe Bar­ce­lonas ins Mit­tel­feld erzwungen. Dort hatte Barca mit Bus­quets und Thiago im Zen­trum, sowie Xavi und Messi weiter vorne als üblich eine ganz andere Aus­gangs­si­tua­tion im Zen­trum. Der Pass­emp­fänger hatte nach dem Anspiel nur wenige Alter­na­tiven, die Barca typi­sche Drei­ecks­bil­dung wurde in die Abwehr gedrängt. Hier schwärmte dann Reals Offen­sive sofort in die Breite aus, wodurch sie Barcas Pro­bleme im Aufbau ver­schärften.

An dieser Stell kam Xabi Alonso ins Spiel. Er musste instinktiv ent­scheiden, ob Bar­ce­lona den Pass in die Mitte spielen könnte und wie hoch die Chance auf einen Fehl­pass unter Bedrängnis wäre. Letzt­lich ist er als Xavi von Madrid“ wohl sogar der ein­zige, der diese aus­ge­prägten anti­zi­pa­to­ri­schen Fähig­keiten besitzt. Damit Real Madrid aller­dings bei nicht­er­folgtem Ball­ge­winn Alonsos wei­terhin im Spiel blieb und Bälle erobern konnte, bedurfte es einer beson­deren Spiel­weise.

9. Pres­sing 2.0 ohne kon­ven­tio­nelle Raum­de­ckung

Auf­fälig war, dass Bar­ce­lona in diesem Cla­sico ver­hält­nis­mäßig viele Fehl­pässe spielte. Lionel Messi konnte mit 79 Pro­zent weniger Pässe anbringen als gewohnt (ca. 85 Pro­zent), Iniesta lag mit unter 80 Pro­zent sogar deut­lich unter seinem durch­schnitt­li­chen Sai­son­wert knapp 90 Pro­zent. Zwar lag der Ball­be­sitz der Kata­lanen mit 72 Pro­zent knapp über ihrem Sai­son­durch­schnitt (69 Pro­zent), den­noch konnten sie nur“ 700 Pässe an den Mann bringen (bis­he­riger Sai­son­durch­schnitt: 764). Zudem wurden die Pässe weniger risi­ko­reich gespielt als man es von Barca kennt. 91 Pro­zent wurden sta­tis­tisch als Kurz­pässe klas­si­fi­ziert, zwei Pro­zent mehr als sonst.

Diese leichte Ver­schie­bung hatte jedoch Folgen fpr das ansonsten per­fekt aus­ta­rierte Pas­spiel Barcas. Die Maschine geriet ins Stot­tern, was nicht zuletzt am unge­wöhn­li­chen Pres­sing Reals lag. Nor­ma­ler­weise findet Pres­sing im Ver­bund mit der Raum­de­ckung statt. Die jewei­ligen Spieler nähern sich dem Ball­füh­renden und ver­su­chen wäh­rend­dessen die poten­zi­ellen geg­ne­ri­schen Pass­emp­fänger in ihrem Deckungs­schatten stehen zu lassen. Dadurch ist jener nicht anspielbar, der ball­füh­rende Gegen­spieler hat keine Pass­op­tion. Er muss nun ent­weder einen langen Ball oder ein Dribb­ling ris­kieren. Das Pro­blem: Bar­ce­lonas Spieler besitzen durchweg her­aus­ra­gende Fähig­keit im Spiel ohne Ball. Die Mit­spieler bieten sich unauf­hör­lich an, die Kurz­pässe sind unge­fähr­lich und können schnell zir­ku­lieren. Das Pres­sing wird aus­ge­he­belt und Bar­ce­lona lässt die andere Mann­schaft laufen. Auch diesem Clá­sico war Real bei­spiels­weise bereits nach dreißig Minuten einen Kilo­meter im Kol­lektiv mehr gelaufen.

Real stellte sein Pres­sing also um: Die Spieler, die mit auf den ball­füh­renden Gegen­spieler schoben, deckten ihre Spieler in Mann­de­ckung. Dadurch wurde das Pres­sing weniger kom­pakt, aber gegen Barca-Spiel­aus­rich­tung wirk­samer. Barcas Spieler suchten zu oft einen ein­fa­chen Ball, Real anti­zi­pierte dieses Pass­wegen her­aus­ra­gend – eine Art geis­tiges Pres­sing. Sofort nachdem der Ball gespielt wurde, presste der zustän­dige Spieler dann auf seinen direkten Gegen­spieler. Dieser hatte weniger Zeit, wurde dyna­misch bedrängt und fand sich in einer unüb­li­chen Situa­tion wieder. Daraus resul­tieren viele Ball­ver­luste. Diese unge­wöhn­liche Mischung aus Raum- und Mann­de­ckung im Fore­che­cking wirkte sich fatal auf das Barca-Spiel aus.

Des­wegen gelang es auch keinem Barca-Spieler, das Spiel an sich zu reißen. Bar­ce­lonas Ver­un­si­che­rung machte sich vor allem bei Xavi bemerkbar. Erst­mals seit vielen Jahren konnten die Zuschauer im Camp Nou beob­achten, wie Xavier Hernández i Creus das Spiel­feld nicht domi­nierte, obwohl er darauf stand.

10. José Mour­inho proudly pres­ents: How-to-defend against Leo Messi“

Über­ra­schend war auch, dass gleich­zeitig mit dem lah­menden Barca-Spiel auch Lionel Messi an diesem Abend nicht im Takt des Bar­ce­lona-Uhr­werks spielte.

Grund dafür war auch die per­fekte Aus­rich­tung Reals durch den Coach Mour­inho, der anschei­nend den Messi-Code ent­schlüs­selt hat. Des­wegen auf­ge­passt, Chelsea. Hier kommen die wich­tigsten Fak­toren, um Messi ruhig zu stellen:

Ver­folgen mit ver­ti­kalem Über­geben: Ramos schob ständig mit Messi mit, ent­fernte sich der Argen­ti­nier zuneh­mend vom Real-Straf­raum nahm ihn Xabi Alonso in Emp­fang. Wenn sich Messi so tief fallen ließ, dass er den kom­pakten Sechser­block zer­rissen hätte, wurde er igno­riert.

Erzwungen-tiefe Stel­lung, um den Ball zu erhalten: Dadurch dass Messi sich wegen der kom­pakten Abwehr und hohen For­ma­tion Reals in die eigene Hälfte begeben musste, befand er sich sehr weit weg vom geg­ne­ri­schen Tor. Er konnte durch seine über­ra­genden Dribb­lings zwar immer wieder meh­rere Spieler aus­steigen lassen, früher oder später wurde er jedoch geblockt. Obwohl er sehr viele Meter mit Ball am Fuß laufen konnte, war er meist nicht einmal gefähr­lich in Straf­raum­nähe.

Iso­la­tion seiner Schlüs­sel­mit­spieler: Andrés Iniesta wurde davon abge­halten, Messis Räume zu öffnen und für Kom­bi­na­tionen bereit zu stehen. Dani Alves wurde auf dem Flügel abge­drängt und aus dem Spiel genommen, wäh­rend Xavi im Nie­mands­land der kom­pakten Real-Abwehr her­um­irrte.

Kein Raum zwi­schen den Linien: Die Schnitt­stellen zwi­schen den Defen­siv­reihen sind Messis Spe­zi­al­ge­biet. Hier kann er mit kurzen schnellen Bewe­gungen genug Platz finden, um tor­ge­fähr­lich zu werden. Da sich Real ohnehin auf die langen Dia­go­nal­bälle Alonsos kon­zen­triert, benö­tigt man kein wirk­li­ches Mit­tel­feld, Schnitt­stellen lösen sich auf. Özil befindet sich in kon­stanter Bewe­gung und sucht Lücken, lange Bälle auf Cris­tiano Ronaldo und Ben­zema sind wichtig. Real Madrid gewann 65 Pro­zent aller Luft­zwei­kämpfe, 43 Pro­zent aller Angriffe kamen über links und knapp über 28 Pro­zent aller Pässe waren lang und hoch. Bei den Kata­lanen waren es 6,7 Pro­zent.

- Unter­stützen und gegen­sei­tiges Absi­chern beim Atta­ckieren: Wenn Messi mit dem Ball am Fuß mar­schierte, wurde er von Alonso und einem Partner in die Mangel genommen. Mit fort­schrei­tender Lauf­dauer kamen mehr Spieler oder es wurde ein tak­ti­sches Foul begangen.

Abschneiden von Pass­wegen: Vor allem Dop­pel­pässe im tor­ge­fähr­li­chen Raum wurden kon­se­quent ver­hin­dert, so dass Messi kaum zum Abschluss kam.

Auf­fälig war, dass Bar­ce­lona in diesem Cla­sico ver­hält­nis­mäßig viele Fehl­pässe spielte. Lionel Messi konnte mit 79 Pro­zent weniger Pässe anbringen als gewohnt (ca. 85 Pro­zent), Iniesta lag mit unter 80 Pro­zent sogar deut­lich unter seinem durch­schnitt­li­chen Sai­son­wert knapp 90 Pro­zent. Zwar lag der Ball­be­sitz der Kata­lanen mit 72 Pro­zent knapp über ihrem Sai­son­durch­schnitt (69 Pro­zent), den­noch konnten sie nur“ 700 Pässe an den Mann bringen (bis­he­riger Sai­son­durch­schnitt: 764). Zudem wurden die Pässe weniger risi­ko­reich gespielt als man es von Barca kennt. 91 Pro­zent wurden sta­tis­tisch als Kurz­pässe klas­si­fi­ziert, zwei Pro­zent mehr als sonst.

Diese leichte Ver­schie­bung hatte jedoch Folgen fpr das ansonsten per­fekt aus­ta­rierte Pas­spiel Barcas. Die Maschine geriet ins Stot­tern, was nicht zuletzt am unge­wöhn­li­chen Pres­sing Reals lag. Nor­ma­ler­weise findet Pres­sing im Ver­bund mit der Raum­de­ckung statt. Die jewei­ligen Spieler nähern sich dem Ball­füh­renden und ver­su­chen wäh­rend­dessen die poten­zi­ellen geg­ne­ri­schen Pass­emp­fänger in ihrem Deckungs­schatten stehen zu lassen. Dadurch ist jener nicht anspielbar, der ball­füh­rende Gegen­spieler hat keine Pass­op­tion. Er muss nun ent­weder einen langen Ball oder ein Dribb­ling ris­kieren. Das Pro­blem: Bar­ce­lonas Spieler besitzen durchweg her­aus­ra­gende Fähig­keit im Spiel ohne Ball. Die Mit­spieler bieten sich unauf­hör­lich an, die Kurz­pässe sind unge­fähr­lich und können schnell zir­ku­lieren. Das Pres­sing wird aus­ge­he­belt und Bar­ce­lona lässt die andere Mann­schaft laufen. Auch diesem Clá­sico war Real bei­spiels­weise bereits nach dreißig Minuten einen Kilo­meter im Kol­lektiv mehr gelaufen.

Real stellte sein Pres­sing also um: Die Spieler, die mit auf den ball­füh­renden Gegen­spieler schoben, deckten ihre Spieler in Mann­de­ckung. Dadurch wurde das Pres­sing weniger kom­pakt, aber gegen Barca-Spiel­aus­rich­tung wirk­samer. Barcas Spieler suchten zu oft einen ein­fa­chen Ball, Real anti­zi­pierte dieses Pass­wegen her­aus­ra­gend – eine Art geis­tiges Pres­sing. Sofort nachdem der Ball gespielt wurde, presste der zustän­dige Spieler dann auf seinen direkten Gegen­spieler. Dieser hatte weniger Zeit, wurde dyna­misch bedrängt und fand sich in einer unüb­li­chen Situa­tion wieder. Daraus resul­tieren viele Ball­ver­luste. Diese unge­wöhn­liche Mischung aus Raum- und Mann­de­ckung im Fore­che­cking wirkte sich fatal auf das Barca-Spiel aus.

Des­wegen gelang es auch keinem Barca-Spieler, das Spiel an sich zu reißen. Bar­ce­lonas Ver­un­si­che­rung machte sich vor allem bei Xavi bemerkbar. Erst­mals seit vielen Jahren konnten die Zuschauer im Camp Nou beob­achten, wie Xavier Hernández i Creus das Spiel­feld nicht domi­nierte, obwohl er darauf stand.

10. José Mour­inho proudly pres­ents: How-to-defend against Leo Messi“

Über­ra­schend war auch, dass gleich­zeitig mit dem lah­menden Barca-Spiel auch Lionel Messi an diesem Abend nicht im Takt des Bar­ce­lona-Uhr­werks spielte.

Grund dafür war auch die per­fekte Aus­rich­tung Reals durch den Coach Mour­inho, der anschei­nend den Messi-Code ent­schlüs­selt hat. Des­wegen auf­ge­passt, Chelsea. Hier kommen die wich­tigsten Fak­toren, um Messi ruhig zu stellen:

Ver­folgen mit ver­ti­kalem Über­geben: Ramos schob ständig mit Messi mit, ent­fernte sich der Argen­ti­nier zuneh­mend vom Real-Straf­raum nahm ihn Xabi Alonso in Emp­fang. Wenn sich Messi so tief fallen ließ, dass er den kom­pakten Sechser­block zer­rissen hätte, wurde er igno­riert.

Erzwungen-tiefe Stel­lung, um den Ball zu erhalten: Dadurch dass Messi sich wegen der kom­pakten Abwehr und hohen For­ma­tion Reals in die eigene Hälfte begeben musste, befand er sich sehr weit weg vom geg­ne­ri­schen Tor. Er konnte durch seine über­ra­genden Dribb­lings zwar immer wieder meh­rere Spieler aus­steigen lassen, früher oder später wurde er jedoch geblockt. Obwohl er sehr viele Meter mit Ball am Fuß laufen konnte, war er meist nicht einmal gefähr­lich in Straf­raum­nähe.

Iso­la­tion seiner Schlüs­sel­mit­spieler: Andrés Iniesta wurde davon abge­halten, Messis Räume zu öffnen und für Kom­bi­na­tionen bereit zu stehen. Dani Alves wurde auf dem Flügel abge­drängt und aus dem Spiel genommen, wäh­rend Xavi im Nie­mands­land der kom­pakten Real-Abwehr her­um­irrte.

Kein Raum zwi­schen den Linien: Die Schnitt­stellen zwi­schen den Defen­siv­reihen sind Messis Spe­zi­al­ge­biet. Hier kann er mit kurzen schnellen Bewe­gungen genug Platz finden, um tor­ge­fähr­lich zu werden. Da sich Real ohnehin auf die langen Dia­go­nal­bälle Alonsos kon­zen­triert, benö­tigt man kein wirk­li­ches Mit­tel­feld, Schnitt­stellen lösen sich auf. Özil befindet sich in kon­stanter Bewe­gung und sucht Lücken, lange Bälle auf Cris­tiano Ronaldo und Ben­zema sind wichtig. Real Madrid gewann 65 Pro­zent aller Luft­zwei­kämpfe, 43 Pro­zent aller Angriffe kamen über links und knapp über 28 Pro­zent aller Pässe waren lang und hoch. Bei den Kata­lanen waren es 6,7 Pro­zent.

- Unter­stützen und gegen­sei­tiges Absi­chern beim Atta­ckieren: Wenn Messi mit dem Ball am Fuß mar­schierte, wurde er von Alonso und einem Partner in die Mangel genommen. Mit fort­schrei­tender Lauf­dauer kamen mehr Spieler oder es wurde ein tak­ti­sches Foul begangen.

Abschneiden von Pass­wegen: Vor allem Dop­pel­pässe im tor­ge­fähr­li­chen Raum wurden kon­se­quent ver­hin­dert, so dass Messi kaum zum Abschluss kam.