Oscar Boniek Garcia wurde in einer guten Zeit geboren, denn 1984 war Hon­duras immer noch im Fuß­ball­fieber. Die Natio­nalelf hatte zwei Jahre zuvor bei der WM den Gast­geber Spa­nien an den Rande einer Nie­der­lage gebracht und auch gegen Nord­ir­land ein Unent­schieden erkämpft. Am Ende schied sie nur aus, weil der Schieds­richter im letzten Grup­pen­spiel gegen Jugo­sla­wien in der 88. Minute einen unbe­rech­tigten Elf­meter gegen sie pfiff.

Sowieso hatte die WM für einige Über­ra­schungen und Glanz­mo­mente gesorgt, so gewann etwa Alge­rien gegen Deutsch­land und Kamerun blieb bei seiner ersten WM-Teil­nahme in einer Gruppe mit Ita­lien und Polen unge­schlagen. Doch beson­ders war Oscar Bonieks Vater von eben jenen Polen angetan, die danach ins Halb­fi­nale mar­schierten. Sein Lieb­lings­spieler war der Star von Juventus Turin: Zbi­gniew Boniek. Und so so hin­ter­ließ er seiner Frau im Sep­tember 1984, wenige Tage vor der Geburt seines Sohnes, einen Zettel: Bitte nenn das Kind Boniek“, stand auf dieser Notiz. Doch weil er annahm, dass sie seinem Wunsch nicht nach­kommen würde, schrieb er einen latein­ame­ri­ka­ni­schen Namen dazu: Jair­z­inho. Dieser Name gefiel ihm auch, denn so hieß die bra­si­lia­ni­sche Fuß­ball­le­gende von Bota­fogo.

Der Name ist eine große Ehre“
 
Doch die Frau wählte den Namen des pol­ni­schen Spiel­ma­chers. Ein Name, den einige viel­leicht als Last emp­funden hätten, für Oscar Boniek Garcia war er stets Ansporn. In seiner Jugend ver­brachte er viel Zeit damit, die Tore seines Namens­ge­bers zu stu­dieren. Es ist eine große Ehre, diesen Namen zu tragen“, sagte er vor einigen Wochen. Ich hoffe, ich werde den Namen bei der WM gut ver­treten.“
 
Doch Oscar Boniek ist nicht der ein­zige Fuß­baller in der Familie. Oscar Garcia Sr. hat ins­ge­samt vier Söhne. Da ist Yovany Avila Garcia, ein linker Ver­tei­diger, den sie in Hon­duras Mos­quito“ nennen und der für Olimpia und Mara­thon gespielt hat. Da ist auch Samir Garcia, der für für Motagua auf der rechten Seite aktiv war. Und schließ­lich ist da noch der vierte Sohn, Oscar Garcia Jr., der gerade seine erste Saison als pro­fes­sio­neller Fuß­baller beendet hat. Und dann gibt es mich. Den Besten der Vier“, sagt Oscar Boniek mit einem breiten Lachen auf dem Gesicht.
 
Wenn es etwas gibt, das typisch für den Mit­tel­feld­spieler ist, dann ist es dieses Lachen. In Hon­duras glauben die Men­schen sogar, dass Oscar Boniek Garcia noch nie in seinem Leben wütend war. Viel­leicht ist er einer wie Lukas Podolski in Deutsch­land, der für die gute Stim­mung im Team sorgt, immer ein Scherz parat hat, immer gewillt mit allen Fans und Jour­na­listen zu spre­chen.

Der beschwer­liche Auf­stieg
 
Aller­dings ver­lief seine Kar­riere nicht immer so leicht und fröh­lich. Wie viele Kinder in Hon­duras musste er sich erst auf der Straße der Metro­pole behaupten. Er ist einer der wenigen dun­kel­häu­tigen hon­du­ra­ni­schen Pro­fi­fuß­baller, die in der Haupt­stadt Tegu­cig­alpa geboren und auf­ge­wachsen ist. Und bevor er den Ver­trag bei Olimpia unter­schrieb, spielte er auf Bolz­plätzen und in unter­klas­sigen Stadt­ligen.
 
Bei Olimpia lief es anfangs schlep­pend. Nachdem er über fünf Jahre auf den Durch­bruch gewartet hatte, wech­selte er auf Leih­basis in das hon­du­ra­ni­sche Hin­ter­land, zu einem Klub namens Real Patep­luma, wo er ein kleiner Star wurde. Aller­dings gab es auch hier Pro­bleme, denn der Klub bezahlte eines Tages keine Gehälter mehr, und so ging Oscar Boniek in einen Hun­ger­streik. Nach der Pleite des Klubs kehrte der Rechts­außen zurück zu Olimpia, wo er sich wieder hinter den Stars anstellen musste. An Spie­lern wie Wilson Pala­cios war ein­fach kein Vor­bei­kommen.

Erst als dieser 2007 zu Bir­mingham City wech­selte, bekam Oscar Boniek Garcia die Chance, von der er immer geträumt hatte. Und das Beste: Er konnte sie nutzen. In den fol­genden sechs Jahren wurde er zu einem der Schlüs­sel­spieler des Teams. Er machte 114 Spiele, schoss 14 Tore und gewann fünfmal die Meis­ter­schaft. Plötz­lich wurden auch Klubs aus Europa auf ihn auf­merksam.

Bitte lasst meinen Sohn gehen!“

Oscar Boniek machte Pro­be­trai­nings bei Paris Saint-Ger­main, später soll auch Wigan Ath­letic bei ihm ange­fragt haben, wo zu diesem Zeit­punkt mit Maynor Figueroa und Pala­cios zwei wei­tere Hon­du­raner spielten. Doch der Mit­tel­feld­spieler blieb in Hon­duras, auch weil der Klub­prä­si­dent Rafael Fer­rari seinen Super-Boniek nicht her­geben wollte.
 
Eines Tages jedoch, im Früh­jahr 2012, sah Fer­rari ein, dass er Oscar Boniek nicht halten konnte. Kurz zuvor hatte sogar Oscar Bonieks Mutter, Ana Maria Ramirez, im Sta­dion ein Banner hoch­ge­halten, auf dem geschrieben stand: Bitte lasst meinen Sohn gehen!“ Im Juni 2012 wech­selte Oscar Boniek Garcia in die MLS zu Houston Dynamo. Dort bestritt er seitdem 51 Spiele und schoss acht Tore.

Nur zwei Tore in 92 Län­der­spielen
 
Die WM in Bra­si­lien ist seine zweite End­run­den­teil­nahme. Wäh­rend er aller­dings in Süd­afrika nicht eine Minute zum Ein­satz kam, glaubt er jetzt an seine große Chance. Ich fühle, das es gut wird“, sagt er. Und damit meint er nicht nur seine per­sön­liche Leis­tung, son­dern auch das Abschneiden der hon­du­ra­ni­schen Elf bei der WM. Mit Ecuador, der Schweiz und Frank­reich hat die Mann­schaft zumin­dest eine der leich­teren Gruppe erwischt. Und wer weiß, viel­leicht sitzt sogar der große Zbi­gniew Boniek Sr. auf der Tri­büne und feuert den Jungen aus Hon­duras an. Er könnte Unter­stüt­zung in jedem Fall gut gebrau­chen, denn im Gegen­satz zu seinem pol­ni­schen Vor­bild machte der hon­du­ra­ni­sche Boniek in 92 Län­der­spielen gerade mal zwei Tore.

Gerson Gomez ist Teil des Guar­dian-Netz­werks“ und ein hon­du­ra­ni­scher Jour­na­list, der u.a. für die Zei­tung El Heraldo“ schreibt. Auf Twitter könnt ihr ihm hier folgen: https://​twitter​.com/​g​g​o​mezEH