Harry Maguire – Art of Defen­ding“ lautet der Titel eines der ersten Videos, das ange­zeigt wird, wenn man den Namen des eng­li­schen Innen­ver­tei­di­gers in die Such­leiste bei You­tube ein­gibt. Was auf den ersten Blick wie ein Lob­lied auf die Defen­siv­künste des kan­tigen Spie­lers von Machester United klingt, erweist sich auf den zweiten Blick als blanker Hohn. Das Video zeigt einen Zusam­men­schnitt unglück­li­cher Aktionen Maguires, hin­ter­legt mit Fake-Zitaten, um diesen zu ver­spotten. Knapp zwei Mil­lionen Men­schen haben sich den Clip bereits ange­sehen. Das ver­deut­licht die Ein­stel­lung eines Groß­teils der Fuß­ball­fans in Eng­land gegen­über einem Innen­ver­tei­diger, der noch vor drei Jahren knapp 90 Mil­lionen Euro Ablöse gene­riert hat – und den sie heute aus­buhen. Beim Län­der­spiel gegen die Elfen­bein­künste am ver­gan­genen Dienstag musste der Natio­nal­spieler ein per­ma­nentes Pfeif­kon­zert über sich ergehen lassen. Wes­halb sich einige Natio­nal­spieler jetzt sogar mit den eigenen Fans anlegen.

Noch im Sommer 2019 wurde Harry Maguire als Königs­transfer der Trans­fer­pe­riode für jene Rekord­summe von Lei­cester City zu Man­chester United gelotst. Bei Lei­cester war er in zwei Jahren zum abso­luten Publi­kums­lieb­ling, Abwehr­chef und Natio­nal­spieler avan­ciert. Dem­entspre­chend groß war die Freude bei United, einen sol­chen Coup landen zu können. Er galt als neuer Hoff­nungs­träger in der Defen­sive, der als das zuvor feh­lende Puz­zle­teil zu Uniteds Rück­kehr zu alten Glanz­zeiten erschien. Auch die eng­li­sche Presse und die breite Öffent­lich­keit lag dem 1,94-Meter-Koloss zu Füßen. Drei Jahre zuvor war Maguire näm­lich noch einer von ihnen“. Das EM-Tur­nier 2016 in Frank­reich hatte er als Fan von der Tri­büne aus ver­folgt, mit Eng­land-Flagge, Bier­chen und allem was dazu­ge­hört. Einige Zeit später wurde er selbst Natio­nal­spieler und spä­tes­tens dadurch zum Everybody´s Dar­ling“ der eng­li­schen Fuß­ball­welt.

Ich bin sehr reich und kann dir viel Geld geben“

Ange­kommen bei Man­chester United schien sich die Erfolgs­ge­schichte Maguires zuerst fort­zu­setzen. Trainer Ole Gunnar Sol­skjær machte ihn als Neu­zu­gang zum Kapitän, der Start in die Saison glückte und Maguire trug in der Innen­ver­tei­di­gung seinen Teil dazu bei. Zu dieser Zeit wären Zusam­men­schnitte über die tat­säch­liche Kunst des Ver­tei­di­gens von Harry Maguire zum Internet-Schlager geworden. Dann aller­dings schli­chen sich bei United immer wieder über­ra­schende Pleiten ein – und bei Maguire kleine und große Fehler. Doch die schienen erstmal weit­ge­hend fol­genlos zu bleiben, United schloss die Saison als Dritter der Pre­miere League ab und Maguire hatte kaum ein Spiel ver­passt.

Im Sommer 2020 folgte für den Eng­länder dann der wohl ver­häng­nis­vollste Som­mer­ur­laub seines Lebens. Auf der grie­chi­schen Insel Mykonos war Maguire in einen Gewalt-Delikt ver­wi­ckelt, soll Poli­zisten und einen Zivi­listen atta­ckiert haben. Zwei Nächte musste er dafür in einer grie­chi­schen Zelle ver­bringen. Ein Zeuge sagte aus, Maguire habe ver­sucht, ihn zu bestechen. So soll der Satz Weißt du wer ich bin? Ich bin sehr reich und kann dir viel Geld geben“ gegen­über einem Beamten gefallen sein. Maguire wurde dar­aufhin zu 21 Monaten auf Bewäh­rung ver­ur­teilt und für die anste­henden Län­der­spiele gestri­chen.

Die eng­li­sche Öffent­lich­keit und Presse ging jedoch (noch) milde mit dem Vor­fall um. Und das in einem Land, in dem tra­di­tio­nell ein Hang zur Natio­nal­spieler-Schelte besteht. Als Erklä­rungs­an­satz dafür galt das Image des boden­stän­digen und nah­baren, aber eben auch feh­ler­haften Men­schen Harry Maguire. Er galt als Typ wie du und ich“. Knapp ein­ein­halb Jahre später scheint Maguire auch dieses Image nicht mehr zu helfen.

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